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Laatzen Das Grasdorfer Storchennest wird zu schwer
Umland Laatzen

Laatzen: Das Grasdorfer Storchennest wird zu schwer

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07:00 11.10.2019
Der Mast ist stabil, aber das Nest mittlerweile zu schwer: Im Auftrag von Enercity überprüfen und reinigen Mitarbeiter den Strommast, der seit 1983 das Grasdorfer Storchennest trägt. Quelle: Jürgen Körber
Grasdorf

Ein grelles, lautes Zischen – und das mitten in der Leinemasch? Ungewöhnliche Laute waren am Donnerstag in Teilen Grasdorfs zu hören. Wer sich auf die Suche nach der Geräuschquelle machte, wurde unweit des Naturschutzzentrums Alte Feuerwache auf der Wiese der Wassergewinnung fündig – genauer gesagt: bei dem Strommast, der seit 1983 das Storchennest trägt. Im Auftrag von Enercity überprüften Mitarbeiter die Standfestigkeit und reinigten die Stahlkonstruktion per Sandstrahl. Ergebnis: Der Mast selbst ist noch stabil, aber das tonnenschwere Nest soll zeitnah abgebaut und durch einen flachen Neubau ersetzt werden.

Gewicht des Nests könnte Mast in Schieflage bringen

Nach Einschätzung der Techniker bestehe mittelfristig die Gefahr, dass der Mast durch das Gewicht von oben in eine Schieflage geraten könne oder das derzeit noch fest mit der Unterlage verbundene Nest bei Sturm auf die Leitungen krachen könnte, erklärt der Grasdorfer Jürgen Körber. Er arbeitet dem Weißstorchbeauftragten der Region, Reinhard Löhmer, zu und war am Donnerstag mit diesem vor Ort, um die Arbeiten zu verfolgen und eine erste Einschätzung zur Standfestigkeit zu bekommen.

„Froschmänner“ schmirgeln Stahlkonstruktion frei

Wie Froschmänner von Kopf bis Fuß in Schutzanzüge gehüllt schmirgelten die Mitarbeiter einer von Enercity beauftragten Spezialfirma mit dem Sandstrahlgebläse zunächst Schicht für Schicht den alten Lack von dem Mast ab. Mit dem, was darunter in einer Mischung aus Ocker und hellem Braun an Material zum Vorschein kam, waren die Handwerker zufrieden – nicht jedoch mit dem Ausmaß des darüberliegenden Aufbaus.

Der Mast ist stabil, aber das Nest mittlerweile zu schwer: Von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung gehüllt überprüft ein Mitarbeiter im Auftrag von Enercity den Strommast, der seit 1983 das Grasdorfer Storchennest trägt. Quelle: Jürgen Körber

Seit 1989 ziehen Störchen ihre Jungen auf dem Nest auf, wobei die Paare für jede Brut mal mehr und mal weniger neues Material aufgebracht haben. Im Laufe von drei Jahrzehnte wuchs das mit diversem Natur- und anderem Material ausstaffierte Astgeflecht so auf eine Höhe von etwa 1,30 Meter, wobei in den unteren Lagen inzwischen auch andere Vögel nisteten und Tiere leben.

Experte: Teilweiser Nestabbau ist weder möglich noch sinnvoll

Um das geschätzte Gewicht von mehr als einer Tonne wie von Enercity gewünscht zu reduzieren, solle nun ein neues, flacheres Nest installiert werden, sagt Löhmer. Ein teilweiser Abbau des bestehendes Nestes sei weder möglich – Zweige und Material sind stark miteinander verhakt – noch sinnvoll, betonte der Weißstorchbeauftragte: „Wenn etwas unternommen wird, dann sollte ein kompletter Neuanfang stattfinden.“

Im Auftrag von Enercity überprüfen Mitarbeiter den zuvor mit Sandstrahl gereinigten Strommast in Grasdorf. Quelle: Jürgen Körber

Wenn das Wetter es zulasse, solle ab Mitte November das alte Nest abgetragen und ein neues auf den Mast gesetzt werden, teilte Werner Raue als Vertreter des Unternehmens Enercity mit. Hintergrund: Für den Austausch wird ein Hubsteiger benötigt, weshalb die Wiese tragfähig genug für das Befahren mit schweren Arbeitsgerät sein muss.

Die aktuellen Arbeiten an dem Strommast sollen laut Enercity voraussichtlich Anfang nächster Woche abgeschlossen sein. Dann wird der Mast auch neu lackiert sein und wieder im typischen Grau und ohne die Folienverpackung in der Landschaft stehen.

Weidenzweige, Rollrasen und Pferdemist

In den folgenden Wochen will sich der Weißstorchbeauftragte um den Bau eines neuen Nestes kümmern. Zunächst werde dazu am Boden ein Nestkranz mit einem Gitter, Draht und Weidengeflecht vorbereitet, erläutert Löhmer. Das Nestinnere werde dann mit Rollrasen ausgelegt, wobei die Wurzeln nach oben zeigen: „Er soll quasi als Teppichboden fungieren und ist im Stück nicht so windanfällig.“ Darauf wiederum werde eine Auflage Pferdemist aufgebracht, was der Abwehr von Bakterien diene. „Alles Weitere müssen und werden dann die Störche selbst erledigen“, sagt Löhmer. Wie die 2020 wieder in Grasdorf erwarteten Dauernutzer der vergangenen Jahre – Altvogel „Frieda“ und ihr Partner „Rolf“ – die neue Behausung dann aufnehmen, bleibt abzuwarten.

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