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Laatzen Elterntaxis behindern Rettungseinsatz in Grundschule Rethen
Umland Laatzen

Laatzen: Elterntaxis behindern Rettungseinsatz in Grundschule Rethen 

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13:43 20.09.2019
Zum Schulschluss wird es eng am Rethener Steinweg. Viele Eltern holen ihre Kinder mit dem Auto direkt am Eingangstor ab. Nachdem am Dienstag parkende Autos die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge blockierten, fordert die Schule nun unter anderem Halteverbote. Quelle: Astrid Köhler
Rethen

Ein Kind der Grundschule Rethen hat am Dienstag einen schweren allergischen Schock erlitten. Die Rektorin der Schule, Bärbel Vujicic, spricht von einer „lebensbedrohlichen Situation“, zumal der alarmierte Notarzt und Rettungswagen nicht einfach auf das Gelände fahren konnte: Widerrechtlich abgestellte Elterntaxis blockierten nach Angaben der Schulleiterin die Zufahrt, und die Fahrer reagierten nur zögerlich. Die Schulleitung reagierte umgehend und will nun in Absprache mit der Polizei erste Maßnahmen ergreifen. So sind etwa Halteverbote und Hinweisschilder im Gespräch.

Rektorin: „So etwas darf nicht geschehen!“

Die am Zaun stehenden Eltern seien kaum wegzubewegen gewesen, schildert Vujicic die Situation. Sie selbst sei zwar im Unterricht und nicht Zeugin der Situation gewesen – wohl aber eine Mitarbeiterin der Schule, die die Eltern offenbar nur mit großer Mühe dazu bringen konnte, endlich Platz zu machen. „Ich fühlte mich an Zeitungsartikel erinnert, wenn Ersthelfer und Rettungssanitäter erzählen, was auf der Autobahn passiert“, meint Vujicic. Dem Kind habe zum Glück noch rechtzeitig geholfen werden können, dennoch will niemand an der Grundschule diese Situation noch einmal erleben. „So etwas darf nicht geschehen!“, stellt die Rektorin in einem Brief an die Eltern fest. „Stellen Sie sich vor, Ihr Kind schwebt in Lebensgefahr, und die Ersthelfer kommen nicht durch, weil Fahrzeuge die Rettungszufahrt blockieren“, heißt es weiter.

Aufgrund des Vorfalls und „um dieses unverantwortliche Verhalten zukünftig zu unterbinden“ hat die Schulleitung Kontakt zur Stadt Laatzen und der Polizei aufgenommen. Zwei Kontaktbeamte des Laatzener Kommissariats waren am Mittwoch vor Ort, um sich die Situation anzusehen. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass es keine Hinweise auf die Rettungszufahrt gibt.

Polizei empfiehlt Hinweisschilder

Zwar sei das Parken an einem abgesenkten Bordstein, wie es ihn an den beiden Toren der Grundschule gibt, ohnehin verboten, doch empfehle die Polizei zusätzliche Schilder, sagt der Kontaktbeamte Olaf Seppelt. Schulleiterin Vujicic kann sich darüber hinaus auch ein Halteverbot an dem rot gepflasterten Bereich entlang der Schulmauer vorstellen. Nachdem am Mittwoch kurzzeitig Ruhe herrschte – offenbar hatte sich der Vorfall von Dienstag herumgesprochen, noch ehe der Elternbrief allen zugegangen war – standen allerdings am Donnerstag zum Schulschluss um 12.45 Uhr dort wieder mehrere Autofahrer, die auf Schüler warteten.

An der Zufahrt gibt es zwar schon einen abgesenkten Bordstein, der das Parken verbietet. Die Polizei regt aber zusätzlich noch Hinweisschilder am Tor an. Quelle: Astrid Köhler

„Jeder Autofahrer weiß, dass man so was nicht macht“, sagte Vater Michael Schäfer, der seine Tochter am Donnerstag zu Fuß abholte und damit zu einer Minderheit gehörte. Wider besseren Wissens würde dennoch immer wieder Zufahrten und Wege zugeparkt. Wenn schon ein Auto nötig sei, könnten Eltern auch etwas weiter entfernt in einer Nebenstraße parken und das letzte Stück laufen.

Elternvertreterin fordert mehr Kontrollen

Das Problem sei nicht neu, sagt die stellvertretende Schulelternratsvorsitzende Jacqueline Hilgert. „Elterntaxis sind seit Jahren ein Problem.“ Allen Appellen zum Trotz brächten viele ihre Kinder dennoch mit dem Auto zur Schule, anstatt sie zu Fuß gehen zu lassen. Neue Schilder und Markierungen allein reichten nicht. „Die Vorschriften müssten auch kontrolliert und durchgesetzt werden“, fordert Hilgert.

Die Verkehrssituation vor der Grundschule Rethen beschäftigt Stadt und Politik seit Jahren immer wieder. Erst 2015 waren das umstrittene Drängelgitter abmontiert und die Fahrbahn rot gepflastert und derart verengt worden, dass auf Höhe des Schuleingangs nur noch ein Auto fahren kann. Immer wieder problematisch ist auch die Situation auf dem kurzen Sackgassenstraßenabschnitt Richtung Hildesheimer Straße, wo viele Autofahrer einen Parkplatz suchen aber nur wenige einen finden. Die Wendemanöver auf dem schmalen Abschnitt gefährdet dann mitunter den Fußgängerverkehr in dem Bereich.

Die Leitung der Grundschule Rethen regt Halteverbotsschilder an allen rot gepflasterten Bereichen vor der Schule am Steinweg an – insbesondere an der Rettungszufahrt (rechts im Bild). Quelle: Astrid Köhler

Schule ist mit Verkehrsbehörde im Gespräch

Welche Maßnahmen in Rethen konkret ergriffen werden, steht noch nicht fest. Dies sei mit der Stadt Laatzen als Schulträgerin und Verkehrsbehörde abzuklären, sagt Rektorin Vujicic. Die Grundschule selbst habe bereits Kontakt mit dem Team Sicherheit und Ordnung aufgenommen. Erste Gespräche sollen bereits geführt worden sein. Das Ergebnis steht bisher noch nicht fest.

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Von Astrid Köhler

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