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Laatzen Film-Workshop: Einstein-Schüler hinterfragen Schönheitsideale
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Laatzen: Film-Workshop: Einstein-Schüler hinterfragen Schönheitsideale

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07:00 30.10.2019
Ava, Julia und Charlotte (v.l.) schminken ihre Klassenkameradin Lenja (M.). Gemeinsam mit Isabell und Kamerafrau Lena (beide nicht im Bild) arbeiten die 14-Jährigen an einem Kurzfilm zum Thema "ganz schön anders". Quelle: Katharina Kutsche
Laatzen-Mitte

„Ich möchte, dass ihr kurz in euch geht und dann auf einen Zettel drei Dinge schreibt, die ihr an euch schön findet“, sagt Anna Spindelndreier. Die sieben Schülerinnen vor ihr kichern erst ein wenig. Doch dann schreiben sie zügig auf, was ihnen in den Sinn kommt: Augen. Wimpern. Haare. Oder doch etwas anderes?

Mit der Frage greift Spindelndreier das auf, was einige Schüler der Albert-Einstein-Schule (AES) zwei Tage lang umtreibt: „Ganz schön anders – no limits“ – so lautet der Name eines Film- und Fotoworkshops, der von Blickwechsel, einem Göttinger Verein für Medien- und Kulturpädagogik, veranstaltet wird.

Schönheit ist in der digitalen Welt selten authentisch

Das Projekt hinterfragt, was Schönheit eigentlich bedeutet. Gerade in der digitalen Welt, bei Apps wie Instagram, Snapchat und Tik-Tok, sehen junge Menschen ständig Fotos oder Videos. Doch welche der Bilder sind echt und realistisch?

Anna Spindelndreier ist Fotografin und Künstlerin. „Digitalisierung an sich ist ja nicht schlimm, aber der Umgang damit muss erlernt werden“, sagt sie. So machen die Schüler Fotos voneinander, Spindelndreier zeigt im Anschluss, wie sich Bilder mit Photoshop retuschieren lassen. Kein publiziertes Bild ist unbearbeitet, das ist eine ihrer Botschaften. In Zeitschriften sei der gezeigte Frauentyp meist gleich: weiß, blond, groß. „Da finden sich viele der Mädchen nicht wieder, es fehlt die Identifikationsfigur.“

Jeder ist von Schönheitsidealen beeinflusst

Die Klasse 9G1 ist die erste, die den Workshop in dieser Form durchführt. Weitere Termine sind bereits mit der Elsa-Brändström-Schule, der IGS List und der Paul-Moor-Schule in Wunstorf geplant. Für das Projekt beworben hatte sich die Klassenlehrerin Janna Wochnik. Sie unterrichtet Deutsch und Englisch, ihre Klasse hat 22 Mädchen und nur zwei Jungen. Die Bilder-App Instagram nutzen sie alle.

Sich selbst porträtieren, Fotos bearbeiten, einen Film drehen: Die 22 Mädchen und zwei Jungen der 9G1 setzen sich zwei volle Tage mit Schönheit auseinander – oder was sie dafür halten.

Einige der Jugendlichen lösen sich gerade von vermeintlichen Schönheitsvorgaben und wollen individuell sein, berichtet Wochnik: „Es sind tolle, selbstbewusste Schülerinnen – die trotzdem merken, dass sie von Idealen beeinflusst sind.“ Auch im Deutschunterricht stelle sich immer wieder die Frage, wie Figuren in Romanen dargestellt und beschrieben werden. „Eine bewusstere, kritische Auseinandersetzung mit dem Thema“ sei also gut, so die Lehrerin.

Gerade die Mädchen wissen, wie widersprüchlich das Thema Schönheit sein kann. „Ja, es gibt schon den Druck im Alltag, gut auszusehen“, sagt Ava, 14. „Aber sich Zurechtmachen ist auch etwas, was Mädchen Spaß macht.“ Und auch wenn in den Medien immer die gleichen Körpermerkmale als schön gezeigt werden, schmale Taille und volle Lippen etwa: „Eigentlich wissen wir, dass wir alle ganz unterschiedlich aussehen und jede von uns schön ist, so wie wir halt sind“, ergänzt Isabell, ebenfalls 14.

Film für einen landesweiten Wettbewerb

Während die anderen drei Gruppen zwei Tage lang an den Porträts arbeiten, eine Influencerin interviewen und eine Umfrage zum Thema Schönheit machen, drehen Ava und Isabell mit vier Mitschülerinnen einen Kurzfilm für einen Wettbewerb. Unterstützung beim Schnitt bekommen sie vom Medienzentrum der Region Hannover.

Am Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders“ nehmen rund 50 Schülerteams aus Niedersachsen teil. Sie haben bis zum 15. Februar Zeit, ihren Beitrag einzureichen. Eine Jury, der Spindelndreier vorsteht, prämiert die besten Filme am 25. März im Astor-Kino in Hannover. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Berlin mit Besuch des Filmparks Babelsberg.

Für Anna Spindelndreier, 32, steckt auch ein persönliches Anliegen hinter dem Workshop. Die Fotografin setzt sich für einen authentischen Umgang mit Menschen mit Behinderungen ein. Aus ihrer Arbeit als Fotoredakteurin kennt sie das Problem eintöniger Bildmotive. „Man wird ja schon von den Bildern geprägt, die nicht vorhanden sind“, so die Künstlerin.

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Von Katharina Kutsche

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