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Laatzen Ein französische Pärchen erkundet Laatzen mit der Kamera
Umland Laatzen Ein französische Pärchen erkundet Laatzen mit der Kamera
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15:20 09.04.2019
Alexandre Scheid (von links) und Blandine Devalland aus Grand Quevilly sind derzeit bei den Alt-Laatzenern Sven Runge und Michelle Sindram zu Besuch. Quelle: Daniel Junker
Alt-Laatzen

Ein französische Pärchen ist dieser Tage mit Kamera, Aufnahmegerät und Schreibblock in Laatzen unterwegs. Blandine Devalland und Alexandre Scheid beteiligen sich an einem Projekt ihrer Heimatstadt Grand-Quevilly, bei dem jeweils zwei Franzosen eine der fünf Partnerstädte besuchen. Für das Projekt durchstreifen sie seit dem Wochenende neue Orte, nehmen sie Fotos und Videos auf, führen Interviews mit Bürgern und notieren ihren Gedanken zu den Begegnungen. Schon während ihres Aufenthaltes veröffentlichen sie täglich Fotos und kurze Videos im sozialen Netzwerk Instagram. Die Bilder sind auch über die Internetseite der Stadt Grand-Quevilly zu sehen, die damit internationalen Begegnungen fördern und Bürger für Reisen in die Partnerstädte begeistern will.

Audiorekorder, Block und 360-Grad-Kamera

Blandine Devallend und Alexandre Scheid finden die Idee spannend. „Wenn man noch nicht selbst da war, verbindet man mit den Partnerstädten nur einen Namen“, sagt Scheid: „Wir haben gehört, dass Laatzen von der Struktur her sehr ähnlich sein soll wie Grand-Quevilly.“ Bei dem Projekt wollen sie nun die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Städte herausarbeiten, die jeweils am Rande einer Großstadt liegen: Noch bis zum 17. April ziehen beide mit Fotokamera, Audiorekorder und Schreibblock durch Laatzen. Zudem sind sie mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet, die Rundblicke von ausgewählten Orten ermöglichen soll.

Projektteilnehmer besuchen fünf Partnerstädte in aller Welt

„Rendez-vous en terres jumelles“ heißtdas Projekt in Grand-Quevilly, bei dem in diesem Jahr jeweils zwei Einwohner eine der fünf Partnerstädte besuchen. Neben Laatzen, wo das Projekt jetzt gestartet ist, sind dies Levis (bei Quebec in Kanada), Morondava (Madagaskar), Hinckley (England) und Ness Ziona (Israel). Alle Teilnehmer der bis Ende August veranstalteten Reisen haben dieselbe Aufgabe: Interessante Orte erkunden, mit Einwohnern sprechen sowie Fotos und Videos zu erstellen, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Städte herauszuarbeiten.

Die Ergebnisse werdenim November bei einem großen Fest in Grand-Quevilly vorgestellt. Die Teilnehmer halten dann jeweils 20-minütige Vorträge. Auch ist eine Multimedia-Installation mit Fotos und Videos geplant und können Besucher Virtual-Reality-Brillen, die auf Kopfbewegungen reagiert und eine virtuelle Reise durch die Partnerstädte ermöglicht.

Die Ausrüstung mitAudiorekorder, Smartphone, 360-Grad-Kamera und Stativ hat die Stadt ebenso finanziert wie die Reisekosten. Vor Ort leben die Franzosen in Gastfamilien.

Weitere Informationengibt es auf der Projektseite der Stadt Grand Quevilly im Internet unter www.rdvterresjumelles.fr.

Unter anderem besucht das französische Pärchen Kindergärten und Seniorenheime, das Kinder- und Jugendzentrum, den Park der Sinne, das Aqualaatzium, Rathaus und Leine-Center sowie die Leinemasch, um mit Laatzenern in Kontakt zu kommen. „Wir wollen etwas darüber erzählen, wie es in Laatzen ist“, so Scheid. Zur ersten Orientierung stand am Montagvormittag eine Rundfahrt mit Stadtsprecher Matthias Brinkmann auf dem Plan. Devallend und Scheid finden alles spannend. „Wir können in eine fremde Stadt reisen, die Einwohner kennen lernen und neue Dinge entdecken“, schwärmen sie. Beide wollen die Verbindung mit anderen Ländern verstärken und andere animiert auch zu reisen. „Der Austausch dient dazu, die Augen nicht zu verschließen und offen zu sein für andere Länder und Kulturen“, sagt Devalland.

Eltern waren mit Schüleraustausch in Laatzen

Die 20-Jährige und ihr 19-jähriger Freund waren schon als Schüler in Deutschland: sie vor etwa vier Jahren in Detmold und und er in der Stadt Münster. Laatzen kennt das Paar jedoch noch nicht. „Mein Vater war aber schon mehrmals mit seinem Tischtennisverein hier“, berichtet Devalland. Auch seien ihre Eltern schon einmal mit einem Schulaustausch in Laatzen gewesen.

Besondere Erwartungen an die Stadt gebe es nicht, betont das junge Paar: „Wir haben erst im Februar erfahren, dass wir nach Laatzen fahren.“ Zu diesem Zeitpunkt hatten Scheid und Devalland, die beide am Institut National des Sciences Appliquées (INSA) bei Rouen studieren, noch an ihren Examen gearbeitet. Entsprechend kurz war die Vorbereitungszeit.

80 Bewerbungen auf Projektauschreibung

Auf die Ausschreibung für das Projekt „Rendez-vous en terres jumelles“ hätten sich etwa 80 Interessierte aus Grand-Quevilly beworben, berichtet Devallend. Diese mussten ihr Interesse an dem Projekt deutlich machen. „Ich hatte zum Beispiel einen fiktiven Brief verfasst, in dem jemand aus Grand-Quevilly einer Person in einer Partnerstadt ihren Heimatort erklärt“, berichtet die 20-jährige Französin. In dem Brief hatte sie sogenannten QR-Codes eingefügt, mit dem der Nutzer per Smartphone auf verlinkte Internetseiten zugreifen und dort Videos sehen kann. So hat Devalland den Inhalten des Briefes zusätzliche Erklärungen hinzugefügt. Scheid hat hingegen eine Bilderschau über seine Heimatstadt erstellt.

In Laatzen wohnt das französische Paar bei Sven Runge und Michelle Sindram. „Wir haben bei Facebook gelesen, dass die Stadt eine Gastfamilie sucht“, berichtet Sindram. Die Entscheidung, die Franzosen zehn Tage lang zu beherbergen, sei ihnen nicht schwer gefallen. Beide haben selbst gute Erfahrungen in einer Gastfamilie gemacht. „Wir waren vor zwei Jahren in der Nähe von Paris und haben über den Anbieter AirbnB bei einer Familie gewohnt“, so Sindram: „Die war sehr nett und freundlich.“

Laatzener wollen Bild von Deutschen verbessern

In einer Gastfamilie sei alles viel persönlicher, so die Laatzener, und da sie wie die französischen Gäste noch recht jung sind, habe es einfach gepasst, ergänzt Runge: „Man hat vielleicht ähnliche Interessen.“ Devalland und Scheid dürfen die Fahrräder der Laatzener nutzen. Teilweise fahren sie auch gemeinsam mit dem Auto zu den Zielen in Laatzen. Unter anderem waren sie schon beim Golfplatz und in Gleidingen sowie am Wiesendachhaus. Auch haben sie seit der Ankunft der Franzosen am Wochenende schon gemeinsam auf dem Balkon gegrillt. „Und heute werden wir von unseren Besuchern bekocht“, freut sich Sindram, die noch einen wichtigen Grund nennt, warum sie und ihr Freund Gastgeber werden wollten: „Uns gefällt das Bild nicht, was andere im Ausland von den Deutschen haben.“ Die Alt-Laatzener hoffen, dass sich dieses Bild mit der Begegnung zumindest ein bisschen verändert.

Von Daniel Junker

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