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Laatzen Gendergerechte Sprache beschäftigt Verwaltung
Umland Laatzen Gendergerechte Sprache beschäftigt Verwaltung
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19:15 30.01.2019
Das Rathaus in Laatzen. Quelle: Dorndorf (Archiv)
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Laatzen

Männlich, weiblich oder – nun auch offiziell – „divers“. Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes und des Deutschen Bundestages, im Personenstandsregister als drittes Geschlecht auch „divers“ eintragen lassen zu können, bringt die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Laatzen dazu, ihre intern verwendete und in offiziellen Formularen, Drucksachen und Ansprachen verwendete Sprache auf den Prüfstand zu stellen. Spätestens Ende März, so heißt es im Rathaus, soll eine Handlungsempfehlung zur gendergerechten Sprache vorliegen.

Der konkrete Anlass für die aktuelle Debatte sei die gesetzliche Einführung von „divers“ im Personenstandsregister am 22. Dezember, erklärte Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Die Diskussion im Rathaus werde aber schon länger geführt. In einem ersten Schritt entschied die Stadt, Stellenausschreibungen seit dem Jahreswechsel mit „m/w/d“ zu kennzeichnen, um damit nicht nur männlichen und weibliche sondern auch „diverse“ Bewerber anzusprechen.

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Während die Stadtverwaltung in Hannover den sogenannten Genderstern eingeführt hat, und ab sofort von „Bürger*innen“ und „Politiker*innen“ schreibt und spricht (bei *wird eine Atempause empfohlen), steht das Ergebnis der Diskussion in Laatzen noch aus.

„Wir sind noch in der Abstimmung“, betonte die Laatzener Gleichstellungsbeauftragte Nicole Hendrych die den Prozess im Rathaus begleitet und ein sachliches Ergebnis erwartet, das dem Bundesgesetz gerecht wird. Der Genderstern sei nur eine von mehreren Optionen für die Schrift- oder gesprochene Sprache. Denkbar seien auch Satzumstellungen, Pluralisierungen und Versächlichungen, indem beispielsweise statt von – männlichen – Teamleitern allgemein von „Teamleitung“ gesprochen wird.

Gleichstellungsbeauftragte: „Sprache erzeugt Bilder im Kopf“

Sprache erzeuge Bilder im Kopf und die deutsche Sprache sei über Jahrhunderte hinweg patriarchal geprägt, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Wenn in einer Nachrichtensendung von „vier Ärzten“ die Rede ist, stellten sich meisten Zuhörer vor ihrem geistigen Auge vier Männer vor – und nicht wie in der Meldung seinerzeit gemeint waren drei Ärztinnen und einen Arzt. „Es ist nicht verkehrt, darüber nachzudenken“, so Hendrych, der eine vielfältige moderne Gesellschaft und damit verbunden eine geschlechtergerechte Sprache „sehr am Herzen“ liegt. Die teils harsche Kritik an der Entscheidung der Stadtverwaltung Hannover hält sie für unangemessen. „Die Debatte selbst ist nicht neu, auch wenn sie sich an einer formalen Änderung entzündet.“

Der Laatzener Bürgermeister Jürgen Köhne erklärte am Mittwoch, es sei richtig, sich über die deutsche Sprache Gedanken zu machen und dabei alle geschlechtlichen Optionen mit einzubeziehen: „Dass nun eine dritte Möglichkeit dazugekommen ist, ist für uns zunächst ebenso ungewohnt, wie vor etwa 30 Jahren die gleichberechtigte Darstellung von männlichen und weiblich in der Sprache“, sagte Köhne. Die Verwaltung werde für sich ein praktikables Modell entwickeln, damit umzugehen.

Von Astrid Köhler