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Laatzen Totes Rehkitz: Zeugin entlastet Kinder nach tragischer Rettungsaktion
Umland Laatzen

Laatzen-Gleidingen: Totes Rehkitz: Zeugin entlastet Kinder nach tragischer Rettungsaktion

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16:54 12.06.2019
Auch der Tierarzt konnte dem Rehkitz nicht mehr helfen. Quelle: Sven Wenger/Stadtfeuerwehr Laatzen
Laatzen

Ein Augenzeugenbericht lässt den Fall des verstorbenen Gleidinger Rehkitzes in einem neuen Licht erscheinen. Kinder hatten das Tierbaby Ende Mai mit nach Hause genommen, um dem vermeintlich verstoßenen Jungtier zu helfen; letztlich starb das zwei Tage alte Kitz aber trotz einer aufwendigen Rettungsaktion der Feuerwehr und eines Tierarztes. Womöglich haben aber gar nicht die Kinder den entscheidenden Fehler begangen. Jetzt hat sich eine Frau bei der Polizei gemeldet: Sie habe beobachtet, dass das Jungtier schon vorher von Menschen berührt und falsch umsorgt worden war – was dem Kitz womöglich zum Verhängnis wurde.

Zwei unbekannte Frauen auf dem Feld, eine trägt ein Kitz

Am Tag, bevor die Kinder das Kitz mit nach Hause nahmen, hatten eine Mutter und ihre Tochter aus Sarstedt eine ungewöhnliche Beobachtung in der Gegend gemacht, in der später das junge Reh gefunden wurde. An einem Feld unweit der Shell-Tankstelle an der B6 wurden Jaqueline Rohde und ihre Tochter Janine auf einen geparkten Geländewagen mit Ulmer Kennzeichen aufmerksam. Im Vorbeifahren beobachteten Mutter und Tochter, wie eine Frau ein Kitz auf dem Arm hielt und offenbar versuchte, es der etwas abseits stehenden Ricke anzutragen. Eine zweite, jüngere Frau filmte das Geschehen. „Es war gruselig anzusehen“, sagt Rohde, die auf dem Weg zu ihren Pferden war und mit den Grundregeln im Umgang mit Wildtieren vertraut ist.

Unterstützung für die Kinder

Mit dem notierten Kennzeichen wandten sich die beiden deshalb an die Polizei. Doch die Beamten hätten keinen Grund gesehen, aktiv zu werden. Dabei wollte Rohde mit ihrem Bericht auch die betroffenen Familien entlasten, wie sie erläutert: „Die Kinder standen plötzlich als Übeltäter da, obwohl womöglich die Frauen ursprünglich verantwortlich sind“, sagt die Sarstedterin. Wenn Menschen Jungtiere berühren, kommt dies vielfach einem Todesurteil gleich: Wegen des menschlichen Geruchs nehmen die Muttertiere den Nachwuchs oftmals nicht mehr an. Das Gleidinger Kitz wurde schließlich von der Tierrettung der Feuerwehr abgeholt und, nach einer kleinen Odyssee, bei einem Tierarzt versorgt. Es starb kurz wenig später an einer Kolik.

Da sollten Sie tun, wenn Sie ein junges Wildtier entdecken

Hände weg: Wenn junge Wildtiere angefasst werden, nimmt die Mutter sie meist nicht mehr an. Die Aufzucht von Menschenhand ist kompliziert und zeitaufwendig. Wer es dennoch versuchen will, sollte sich die Unterstützung von Experten holen – und bei Rehkitzen gleich ein Jahr Urlaub nehmen.

Ruhig weggehen: Wer ein junges Wildtier entdeckt, sollte sich unverzüglich, aber ruhig wieder entfernen. Meist ist die Mutter gut versteckt in der Nähe und kümmert sich um ihren Nachwuchs.

Bei verletzten Tieren Hilfe rufen: Ist ein Jungtier verletzt oder die Mutter verstorben, sollte man die Polizei anrufen. Die Beamten verständigen dann den zuständigen Jagdpächter.

Polizei sieht keinen Grund für Ermittlungen

Stefan Schwarzbard, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienst der Polizei in Laatzen, hält den ganzen Fall für bedauerlich. Einen Grund für weitere Ermittlungen sieht er allerdings nicht. „Ich unterstelle in keinem Fall böswilliges Verhalten“, sagt Schwarzbard. Auch einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz sei nicht gegeben. Auf die Kritik der beiden Augenzeugen, ihre Aussage sei auf dem Revier desinteressiert aufgenommen worden, wolle man allerdings reagieren. „Es ist sehr bedauerlich, dass die beiden sich nicht ernst genommen fühlten. Da werden wir mit den Kollegen sprechen“, sagte Schwarzbard.

Kritik an der Rettungskette

„Die ganze Geschichte ist merkwürdig“, kommentiert der Laatzener Jagdpächter Siegfried-Karl Guder die fehlgeschlagene Rettung des Gleidinger Rehkitzes. Er hatte der Feuerwehr den Kontakt zu einem Tierarzt vermittelt, war selbst in die Rettungsaktion involviert.

Im Verlauf der Rettung seien womöglich Fehler unterlaufen, die für das Kitz letztlich fatal waren, sagt Guder. Problematisch sei etwa der Transport des Tieres zu einer Wildtierhilfestation nach Soltau gewesen. Die Feuerwehr hatte das Rehkitz dort am späten Abend nach Rücksprache mit einer Leitstelle im Heidekreis in einer Art Babyklappe abgeben wollen.

Vor Ort habe es aber unerwartete Probleme gegeben, sagte Feuerwehrsprecher Gerald Senft. „Dort mussten unsere Leute feststellen, dass es lediglich eine Kiste gab, in der das Tier aber gestorben wäre.“ Der Transport sei keineswegs planlos verlaufen. Der Kontakt zu einem Laatzener Tierarzt war erst später zustande gekommen. Dessen Frau hatte sich anschließend fachgerecht um das Tier gekümmert.

Von Mario Moers

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