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Laatzen Einzigartige Leinebrücken am Wasserwerk haben jetzt eine Infotafel
Umland Laatzen

Laatzen: Historiker Flohr enthüllt für Brücken am Wasserwerk Grasdorf Erklärtafeln

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19:30 20.08.2019
Helmut Flohr hat das Aufstellen der Hinweistafeln für die Wasserwerksbrücke am Reinekamp initiiert. Quelle: Daniel Junker
Grasdorf

Sie sind 120 Jahre alt und gelten wegen ihrer Bauweise als deutschlandweit einzigartig: die beiden Leinebrücken am Grasdorfer Wasserwerk. Im gesamten Bundesgebiet gebe es keine vergleichbaren Bogenbrücken mehr, sagt der Hobby-Historiker und Architekt Helmut Flohr.

Um diese Besonderheit öffentlich bekannt zu machen, hat der 87-jährige Autor mehrerer Bücher in Eigeninitiative eine Erklärtafel mit Texten, Zeichnungen und Bildern erstellen lassen. Am Sonnabend hat Flohr das neue Schild am Reinekamp im Beisein einiger Bürger und Andreas Kalix, dem Leiter der Abteilung Wassergewinnung von Enercity, enthüllt. Der Energieversorger ist der Eigentümer der beiden 1899 und 1900 errichteten Bauwerke.

Brücke trägt Wasserleitung über die Leine

Wegen der sichtbaren großen Wasserleitung am Geländer stellt insbesondere die 64 Meter lange und 6,6 Meter breite Hauptbrücke über die Leine eine besondere Ortsmarke dar. „Ursprünglich war sogar geplant, auf beiden Seiten ein Rohr zu legen“, sagt Flohr.

Die sogenannte Drei-Bogen-Brücke nahe dem Wasserwerke Grasdorf mit der markanten Leitung am südlichen Brückengeländer wurde 1899 errichtet. Quelle: Daniel Junker

Warum die Bauwerk eine Drei-Bogen-Brücke ist, wird beim Blick von der Seite deutlich: Zusätzlich zu dem 40 Meter langen, die Leine überspannenden Hauptbogen mit vier Entlastungsöffnungen sind noch zwei seitliche Korbbögen mit einer Spannweite von jeweils sechs Metern zu sehen. Unter dem östlichen Bogen führt der Fußgängerweg entlang der Leine hindurch.

Die Drei-Bogen-Brücke ist insgesamt 64 Meter lang und überspannt die Leine am Wasserwerk Grasdorf sowie den dortigen Rad- und Fußweg. Quelle: Daniel Junker

Flutbrücke wird häufig übersehen

Die angrenzende Flutbrücke, die eine Verbindung zwischen der großen Leinebrücke und dem Wasserwerk herstellt, ist von oben hingegen kaum als Brücke zu erkennen. Erst von der Seite wird die Bauweise als zweibogige Betonbrücke sichtbar.

Die Flutbrücke am Wasserwerk zwischen der Hauptbrücke über die Leine und dem Wasserwerk aus dem Jahr 1900 weist zwei Bögen auf. Quelle: Daniel Junker

Beide Bauwerke seien aufgrund ihrer Bauweise interessant, sagt Helmut Flohr, der 2004 ein Buch über diese und weitere große und kleine Brücken in Laatzen geschrieben hat. Die dreibogige Hauptbrücke über die Leine weise einen Mittelteil aus Stampfbeton auf. „Es ist die letzte Brücke dieser Art ohne Eiseneinlage, die es in Deutschland noch gibt“, sagt der 87-Jährige. Bei der Errichtung sei der Beton durch Stampfen – also durch Druckstöße – verdichtet worden. Später wurden Brücken dieser Art hingegen aus Stahlbeton gefertigt, in die sogenannte Moniereisen eingearbeitet werden. Diese dienen als Stärkung der Stahlbetonbauteile.

Der fast 45 Meter lange Spannbogen der Hauptbrücke besteht übrigens nur scheinbar aus Steinquadern. „In Wirklichkeit handelt es sich hier um geformten Beton“, so Flohr. Die beiden anderen Bogenabschnitte der Drei-Bogen-Brücke wurden hingegen mit Sandsteinplatten im Format 22 mal 60 Zentimeter verkleidet.

„Brücken in Grasdorf sind Unikate in Deutschland

Eine ähnliche Brücke existiere noch bei Zürich in der Schweiz, weiß Flohr nach seinen Recherchen. Zwar hätten ähnliche Bauwerke früher auch die Donau überspannt, diese seien aber im Krieg gesprengt worden. „Die Brücken in Grasdorf sind Unikate, die wir in Deutschland so nicht wiederfinden“, macht Flohr deutlich. Trotz ihres Alters seien sie heute noch in einem erstaunlich guten Zustand, sagt auch Andreas Kalix: „Die Substanz ist besser als bei vielen Brücken, die erst 30 Jahre später gebaut worden sind.“

Die beiden in den Jahren 1899 und 1900 errichteten Leinebrücken führen auf Höhe der Straße Reinekamps zum Wasserwerk in der Grasdorfer Leinemasch. Quelle: Screenshot/Google Maps

Ursprünglich seien für die Verbindung des Wasserwerkes Grasdorf sogar drei Brücken geplant gewesen. Dies geht aus einem Plan aus dem Jahr 1899 hervor, der ebenfalls auf der neuen Erklärtafel abgebildet ist. Die zweite Flutbrücke sollte östlich der Leinebrücke auf der zum Ort hin gelegenen Seite neben dem heutigen Sportplatz von Germania Grasdorf gebaut werden. Man habe sich damals aber dafür entschieden, dort einen Damm anzulegen, in den ein 60 Zentimeter breiter Schieber – also ein verschließbarer Durchlass – eingebaut wurde, sagt Flohr.

Altes Geländerteil stammt von der Flutbrücke

Vor der Hinweistafel ist ein Geländer in den Boden eingelassen, das 1997 von der Flutbrücke entfernt wurde. Damals wurden die Geländer der Brücke erneuert, Helmut Flohr hat eines der drei Zentner schweren Teile vor der Verschrottung gerettet.

Sibylle und Helmut Flohr enthüllen die neue Hinweistafel zu den Leinebrücken am Wasserwerk. Das Geländer davor stammt ursprünglich von der zweibogigen Flutbrücke. Quelle: Daniel Junker

Enercity freut sich über Kooperation

„Ich finde es sehr gut, dass wir hier eine Kooperation eingehen können“, sagte Andreas Kalix, Leiter der Abteilung Wassergewinnung von Enercity. Der Energieversorger hatte die Genehmigung erteilt, das Schild aufzustellen. Er weist auf die Bedeutung des Wasserwerkes hin, das in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden und noch immer im Einsatz ist. Mit den Brücken wurde das Wasserwerk mit der Druckrohrleitung verbunden.

Flohr wünscht sich nun, dass eine Sitzbank neben dem Schild aufgestellt wird. Es gebe bereits Gespräche mit der Stiftung „Grasdorf an der Leine“ wegen der Finanzierung. Der Enercity-Vertreter Kalix ist offen für die Idee, allerdings müssten noch die rechtlichen Voraussetzungen geprüft werden.

Der Grasdorfer Ortshistoriker Helmut Flohr hat ein Schild aufstellen lassen, das auf die Besonderheiten der beiden Brückenkonstruktionen am Wasserwerk hinweist. Am Sonnabend wurde es enthüllt.

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Von Daniel Junker

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