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Laatzen Autowrack verärgert Anlieger
Umland Laatzen Autowrack verärgert Anlieger
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00:17 20.12.2018
Seit mehreren Monaten steht der mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogene Ford auf einem öffentlich zugänglichen Privatparkplatz an der Straße Am Wehrbusch. Quelle: Daniel Junker
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Laatzen-Mitte

Seit Monaten steht ein teilweise zerstörter dunkler Ford auf einem allgemein zugänglichen Privatparkplatz, der zu einer Wohnanlage an der Straße Am Wehrbusch gehört. Lothar Hilke, dessen Weg dort häufig vorbeiführt, ist das Wrack schon lange ein Dorn im Auge. Seiner Beobachtung nach steht das Auto ohne Kennzeichen seit etwa einem Jahr unbewegt am selben Platz. Der Grasdorfer spricht von einem „Schandfleck im Stadtbild“ und fürchtet, dass das Auto im Zuge des andauernden Verfalls eines Tages zur echten Gefahr und in Brand gesteckt werden könnte. Die von dem Grasdorfer informierte Stadt verweist jedoch auf den Grundstückseigentümer.

Wann auch immer genau der Ford in die Parklücke gerollt ist: Es muss lange her sei. Unter und neben dem Wagen schießt bereits das Grün zwischen den Pflastersteinen hervor und mehrere Reifen sind platt. Das Auto weist diverse Zerstörung auf. Der vordere Stoßfänger hängt kaputt herunter, das Dach ist eingebeult. Im Innenraums deuten leere Chipstüten, Getränkeflaschen und Sonnenblumenkerne darauf hin, dass die Kabine zwischenzeitlich als Pausenplatz genutzt wurde – oder als Mülleimer.

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Seit Monaten steht der abgemeldete Ford auf einer privaten Fläche am Wehrbusch in Laatzen. Das Auto weist bereits starke Zerstörungen auf. Die Stadt kann dort allerdings nicht tätig werden.

Bereits im Juli meldete Hilke das Auto bei der Stadt Laatzen – zunächst übert das Formular „Sag’s uns einfach.“ Zwei Tage später erhielt er eine Antwort per Email und mit folgendem Text: „Das von Ihnen geschilderte Fahrzeug steht auf privatem Grund, daher fällt die Zuständigkeit der Stadt Laatzen weg. Wenden Sie sich bitte an den Eigentümer."

Die Antwort habe ihn sehr erschreckt, sagt der Grasdorfer: „Das ist doch ein verdrehtes Verhältnis von Sicherheit und Ordnung.“ Es sei nicht nachzuvollziehen, dass Bürger ermitteln sollten, wer für potentiellen Gefahr auf einem Grundstück verantwortlich ist. Für Hilke gehört das in den Zuständigkeitsbereich der Stadt.

Stadt: „Prinzipiell kann der Eigentümer dort abstellen, was er will“

Anfang August wandte er sich deshalb erneut an die Stadt, diesmal direkt an ihren Sprecher Matthias Brinkmann. Seiner E-Mail fügte er mehrere Fotos bei, die den beginnenden Vandalismus deutlich machten. Der Sprecher bestätigt sowohl den Eingang der Meldung über „Sag’s uns einfach“ wie auch den Erhalt der Email, die an das Team Sicherheit und Ordnung weitergeleitet wurde. „Der Fall ist uns seit Juli bekannt“, so der Stadtsprecher: „Wir haben Herrn Hilke in einem Brief recht umfangreich über die Rechtslage informiert und ihm mitgeteilt, dass das Auto auf privatem Grund steht.“ Die Stadt Laatzen dürfe dort nicht eigenmächtig tätig werden, solange von dem Fahrzeug keine Gefahr ausgeht. „Prinzipiell kann der Eigentümer dort abstellen was er will“, so Brinkmann.

Grundsätzlich müsse sich der Beschwerdeführer – in diesem Fall Lothar Hilke – selbst mit dem Eigentümer auseinandersetzen, sagte der Stadtsprecher: „Dennoch haben wir, parallel zur Mitteilung an Herrn Hilke, Kontakt mit dem Eigentümer der Parkfläche aufgenommen“. Die Stadt können auf einem Privatgelände nicht schalten und walten wie sie wolle und habe deshalb auch nicht den Halter des Fahrzeugs ermittelt.

Der Effekt der zerbrochenen Fensterscheiben

Zerbrochene Fensterscheiben an einem leer stehenden Haus oder Müll an einer Straßenecke können rasch zu mehr Zerstörung und noch mehr Müll führen, denn sie signalisieren: Niemand kümmert sich. Den Effekt der sinkenden Hemmschwellen bei Menschen und des sich verstärkenden Chaos bis hin zum Niedergang von Stadtvierteln haben zwei Amerikaner, der Politikwissenschaftler James Wilson und der Kriminologe George Kelling, Anfang der Achtzigerjahre in ihrer „Broken-Windows-Theory“ (deutsch: Theorie der zerbrochenen Fenster) beschrieben.

Diese basiert auf sozialpsychologischen Experimenten zum Verhalten von Menschen in unterschiedlichen Umgebungen. Aus Wilsons und Kellings Theorie wiederum wurde anschließend die „Nulltoleranzstrategie“ abgeleitet, die unter anderem von der Polizei in New York umgesetzt wurde und das dortige Stadtbild und Sicherheitsempfinden nachhaltig veränderte.

Die These: Wer Misständen sofort entgegen wirkt, verhindert Schlimmeres.

Fünf Monate nach der erste Meldung steht das Auto immer noch unbewegt auf dem Parkplatz. Hilke warnt vor den Folgen und verweist auf die sogenannte Broken-Windows-Theorie. Diese besagt, dass nicht beseitigte Zeichen des Verfalls aufgrund einer sinkenden Hemmschwelle zu noch mehr Zerstörung und Müll führen. „Es macht mich sehr betroffen, dass nach etwa fünf Monaten eine weitere Zerstörung und Verschmutzung in und um das Auto herum hingenommen wird“, beklagt Hilke. Der Verfall geht bereits weiter und das an einem Platz, der stets von jungen Menschen frequentiert sei, die sich von dem zerstörten Auto angezogen fühlen könnten, so der Grasdorfer.

Wie Brinkmann erklärte, wisse die Stadt erst seit einigen Tagen von den eingeschlagenen Scheiben. Eine große Gefahr gehe deshalb zwar immer noch nicht von dem Wrack aus, und doch bewertet die Verwaltung die Situation nun offenbar etwas anders. Mittlerweile bestehe die Möglichkeit, ins Innere des auf einer öffentlich zugänglichen Stelle stehenden Fahrzeugs zu gelangen, so Brinkmann: „Wir haben den Eigentümer der Fläche deshalb noch einmal angeschrieben, dass er das Fahrzeug umgehend zeitnah entfernen soll.“

Von Daniel Junker

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