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Laatzen In der „anderen“ Wohnscheibe läuft es besser
Umland Laatzen In der „anderen“ Wohnscheibe läuft es besser
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11:31 04.12.2018
Die „andere“ Wohnscheibe in der Flemingstraße besteht größtenteils aus Eigentumswohnungen, von denen einige vermietet sind. Quelle: Katharina Kutsche
Laatzen-Mitte

Nach den Berichten über die Zustände in dem Gebäudekomplex Marktplatz 1 bis 11 melden sich nun Mieter und Eigentümer der „anderen“ Wohnscheibe zu Wort. Bewohner der Hochhäuser in der Fleming- und Albert-Schweitzer-Straße befürchten, dass sie ebenfalls in einen schlechten Ruf geraten könnten. Gerade Menschen, die nicht in Laatzen-Mitte leben, unterschieden wohl wenig zwischen den Gebäuden diesseits und jenseits des Leine-Centers.

Dabei fällt allein schon der optische Vergleich deutlich zu Lasten der fünf Häuser am Marktplatz aus. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in der Fleming- und Albert-Schweitzer-Straße schon rein organisatorisch eine völlig andere Struktur gibt, die wesentlich mit dem guten Zustand dort zu tun haben dürfte. So werden in den acht Häusern die meisten der 221 Wohnungen von den Eigentümern selbst bewohnt. Ein Immobilienunternehmen, das einen großen Wohnungsbestand vermietet, gibt es dort nicht. Das erhöht die Motivation, den Zustand zu erhalten.

Außerdem verwaltet die Deutsche Immobilien Management GmbH (DIM), ein Berliner Immobiliendienstleister, die Wohnanlage bereits seit 1996. Wolf Hartweg betreut die Häuser vom Standort Bielefeld aus und ist regelmäßig in Laatzen. „Der kurze Dienstweg macht viel aus“, sagt Hartweg. Vor 20 Jahren habe es auch in der Fleming- und Albert-Schweitzer-Straße noch anders ausgesehen als heute. Aber durch das Engagement einzelner Eigentümer und des Eigentümerbeirats in Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung habe sich das Umfeld erheblich gebessert.

Das bestätigt Dietmar Plömer, der als Mieter in der Flemingstraße 6 wohnt. Man müsse die Menschen eben ansprechen, wenn sich etwas ändern soll. „Und das klappt auch, wenn man vernünftig mit den Leuten redet.“ Letztlich liege es auch den Bewohnern, „man kann mit gutem Beispiel vorangehen“. „Wir haben keinen Dreck im Keller, keine Chaoten, keine Säufer“, ergänzt ein anderer Bewohner der Häuser an der Flemingstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Die Verwaltung ist seit 20 Jahren vor Ort. Es wird investiert und renoviert.“

Im direkten optischen Vergleich schneiden die Hochhäuser besser ab als ihre Pendants am Marktplatz. Das lässt sich aber auch mit den Strukturen dahinter erklären.

Tatsächlich beschäftigt die Eigentümergemeinschaft zwei festangestellte Mitarbeiter vor Ort. Mit dem Hausgeld finanzieren sie einen Hausmeister, der in Vollzeit die acht Häuser betreut und wöchentliche Sprechstunden anbietet. Dazu kommt eine eigene Malerin, die täglich durch die Häuser geht und Wände, Decken und Fußböden ausbessert oder neu streicht, je nach Bedarf. Außerdem gibt es einen Gärtner und Reinigungskräfte, allein für Treppenhäuser und Fahrstühle ist je eine Putzfrau zuständig.

„Wir arbeiten jeden Tag am Bestand und erhalten die Grundsubstanz“, sagt Michael Höhle, seit 2014 Hausmeister in dem Komplex. Vom Wechseln von Glühbirnen bis hin zu kleineren Elektroreparaturen und der Grünpflege – Höhle hat immer zu tun: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Hausmeister funktionieren könnte.“ Für jede Wohnung gebe es eine Karteikarte, in der eingetragen wird und nachvollziehbar ist, was wann gemacht wurde. Höhle kontrolliert die Häuser und die Tiefgarage regelmäßig. Entweder sieht er dabei selbst einen Schaden oder Schmutz, oder die Bewohner schicken eine Nachricht mit Foto. „Wo was ist, wird es weggemacht.“

Das sieht man. Rund um die Häuser ist es sauber, kein Müll liegt herum. Worauf Höhle gern hinweist: An den Balkonen sind keine Satellitenschüsseln. Es gelte die Regelung, dass nichts oberhalb der Brüstung zu sehen sein darf, keine Schränke oder Kühlschränke etwa. Seit es in den Häusern keine Müllschlucker mehr gebe, kommt der Restmüll in einen gesonderten Müllraum, zu dem man nur mit Schlüssel Zugang hat. Und das Team habe bei allen Bewohnern auf ordentliche Mülltrennung geachtet und die Müllmenge dadurch halbiert.

Die Mühe lohnt sich offenbar. „Es gibt keinen Mangel an Interessenten für eine Wohnung“, sagt Verwalter Hartweg. Werde eine Wohnung frei, entscheide man, ob etwas saniert werden müsse und setze das dann um. So seien nach und nach etwa die Fenster ausgetauscht worden. Und ab Frühjahr 2019 beginne eine vollständige Dachsanierung für alle acht Häuser.

In der Wohnscheibe am Marktplatz sind derzeit hingegen keine konkreten Sanierungsmaßnahmen geplant, wie es bei der zuständigen Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen heißt. Man nehme im Unterschied zum Voreigentümer zunächst einmal die Instandsetzungspflichten konsequent wahr. „Weiter sanieren wir insbesondere Wohnungen im Mieterwechsel, um hier sukzessive die Wohnqualität zu erhöhen. Mit der Stadt und anderen Akteuren im Quartier stehen wir in Abstimmung möglicher weiterer Investitionen.“

Von Katharina Kutsche

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