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Laatzen Wohnscheibe: Fahrstuhl ist immer noch defekt
Umland Laatzen Wohnscheibe: Fahrstuhl ist immer noch defekt
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18:48 28.01.2019
Mit Beinprothese und Krückstock: Eine Bewohnerin muss ohne Fahrstuhl aufs Treppenhaus ausweichen. Ihre Wohnung liegt im 10. Obergeschoss. Quelle: Katharina Kutsche
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Laatzen-Mitte

Vier Tage nachdem eine Fahrstuhlkabine des Hochhauses am Marktplatz 5 plötzlich abgesackt ist, ein Siebenjähriger leicht verletzt und der Aufzug von der Polizei stillgelegt wurde, funktioniert der einzige Lift noch immer nicht. Seitdem laufen die Bewohner das Treppenhaus hoch und runter: vom Keller bis zur 11. Etage.

Jedenfalls tun das diejenigen, die laufen können. Familie Damghani aus dem 11. Stock etwa hat eine 23-jährige Tochter, die schwerbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Normalerweise besucht sie unter der Woche tagsüber eine Behindertenwerkstatt. Der Vater bringt sie dann frühmorgens nach unten, holt sie nachmittags wieder ab. Doch am Montag muss die junge Frau wie schon das Wochenende über in der Wohnung bleiben. Ohne Fahrstuhl ist sie nicht mobil.

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Probleme dieser Art sind in vielen Etagen zu hören. Da ist Marina Heesch aus dem 3. Stock, die, selbst gesundheitlich angeschlagen, ihren kranken Hund nach unten schleppen muss, damit er mal vor die Tür kann. „Einen Termin für Dienstag habe ich abgesagt“, so Heesch, „ich kann nicht ständig die Treppen hoch und runtergehen.“

Chrysoula Stathaki hat einen fünfjährigen Sohn und eine vier Monate alte Tochter, die sie im Maxicosi durchs Haus tragen muss, denn mit dem Kinderwagen vom achten Obergeschoss auf die Straße und zurück geht es nun mal nicht. „Ich kaufe halt im Moment weniger ein, damit ich nicht so viel tragen muss“, sagt die junge Mutter. Und dann ist da noch die 69-jährige Dame mit der Beinprothese, die sich gerade mit einem Krückstock die Treppe hochquält, bis in ihre Wohnung im 10. Stock.

Die Stimmung in der Wohnscheibe ist mal wieder dort, wo die Fahrstuhlkabine noch immer hängt: im Keller. Bei dem Hauseigentümer Deutsche Wohnen, dem der gesamte Gebäudekomplex am Marktplatz mit den Hausnummern 1 bis 11 gehört, heißt es, man könne bestätigen, dass es am Freitag einen Fahrstuhlausfall gab. Mittlerweile sei auch bekannt, dass dieser durch einen technischen Fehler ausgelöst worden sei. Die Riegelkurve, ein elektromagnetisches Teil, das dem Fahrstuhl sagt, an welcher Tür er halten und in welcher Etage er durchfahren soll, sei defekt gewesen, so der Deutsche Wohnen-Sprecher Marko Rosteck. „Deshalb ist es im Aufzug zum Notfallstopp gekommen.“ Vertragsgemäß und wie angekündigt sei ein Techniker der Aufzugs-Firma Kone noch am Freitag vor Ort gewesen. Das benötigte Ersatzteil sei nicht vorrätig gewesen und musste nachbestellt werden. Spätestens am Mittwoch solle die neue Riegelkurve da sein und eingebaut werden.

Außerdem hätten die Techniker den Schacht überprüft und festgestellt, dass die Kabine nicht wie von Zeugen geschildert abgesackt sei. Wenn dies passiere, hätten Bremsspuren zu sehen sein müssen, so der Sprecher. Darauf habe es am Marktplatz aber keinen Hinweis gegeben. „Das macht es nicht besser – es ist nicht schön, dass das passiert ist und tut uns leid“, so Rosteck. Letztlich sei es aber ein ,normaler’ Defekt, der auch bei neuen Aufzügen vorkommen könne. „Die Fahrstühle in Laatzen sind für ihr Alter in einem guten Zustand und bei uns unter extremer Beobachtung.“ Alle drei Monate würden sie überprüft.

Seit Freitag von der Polizei stillgelegt: der Aufzug im Haus Marktplatz 5. Quelle: Katharina Kutsche

Viele Bewohner sehen dies anders. Schon im Januar berichtete Sinan Kertmen, der seit rund zehn Jahren in Hausnummer 5 wohnt, dass sich in den oberen Etagen der Bodenbelag löst, was dazu führt, dass die Fahrstuhltür daran hänge bleibt, nicht mehr richtig schließe und der Aufzug in der jeweilige Etage stehen bleibt. Obwohl Kertmen schon vor Langem die Deutsche Wohnen darüber informierte, habe es Monate gedauert, bis ein Auftrag an die zuständigen Handwerker vergeben worden sei. Tatsächlich verlegen zwei Mitarbeiter gerade am Montag im 7. Stock einen neuen Boden – wegen des stillgelegten Fahrstuhls mussten sie ihr Werkzeug sowie zwei rund 30 Kilogramm schwere Rollen mit PVC-Boden ebenfalls durchs Treppenhaus hochtragen.

Wie es dem Siebenjährigen geht, der am Freitag eine Viertelstunde in der Fahrstuhlkabine feststeckte, von der Feuerwehr befreit und zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde, ist derweil nicht bekannt. Für die Polizei ist der Fall als mutmaßlicher technischer Defekt erledigt und die Hausverwaltung zuständig.

Eigentümer bietet Einkaufs- und Tragehilfe an

Unterdessen hat die Deutsche Wohnen bekannt gegeben, dass für die Zeit des Fahrstuhlausfalls und all diejenigen, die wegen einer Erkrankung oder Behinderung nicht in der Lage sind, die Treppen im Haus zu benutzen, Einkaufs- und Tragehilfen organisiert werden. Wer diese in Anspruch nehmen will, möge sich im Servicecenter des Unternehmens unter Telefon (030) 897860 melden.

Von Katharina Kutsche und Astrid Köhler