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Laatzen Politik will Tabakautomaten aus Stadtbild verbannen
Umland Laatzen Politik will Tabakautomaten aus Stadtbild verbannen
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00:19 05.05.2019
Laatzens Ratspolitiker möchten weniger Zigarettenautomaten im Stadtbild - insbesondere in Nähe von Schulen. Der Automat an der Eichstraße in Alt-Laatzen steht nur rund 150 Meter von der Grundschule entfernt. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Der Zigarettenkonsum ist in Deutschland in den vergangenen Jahren fast stetig gesunken: Wurden im Jahr 2002 laut Statistischem Bundesamt noch 398 Millionen Zigaretten am Tag verkauft, sank die Zahl bis 2017 auf 204 Millionen, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 2,5 Zigaretten am Tag. Laatzens Ratspolitiker wollen die Quote nun noch weiter herunterdrücken – zumindest im Stadtgebiet: Die Zahl der Automaten soll gesenkt, die Werbeflächen für Tabakprodukte reduziert werden.

Die Idee stammt von der Grünen-Ratsfraktion, die gemeinsam mit SPD und Linken einen entsprechenden Antrag eingebracht hat. Konkret schlägt die Ratsgruppe vor, Werbung für Tabakprodukte zumindest von den eigenen Werbeflächen, wie sie etwa an Laternenmasten hängen, zu verbannen. Auch elektronische Zigaretten sollen unter die Regelung fallen. Außerdem soll die Verwaltung prüfen, wo Zigarettenautomaten auf städtischem oder privatem Grund stehen und wie darauf hingewirkt werden kann, diese zu reduzieren. Die Gruppen wünscht zudem mehr Infos auf laatzen.de zum Nichtrauchen und das Auslegen von Informationsmaterial.

Werbung in anderen EU-Ländern verboten

Der Kinder- und Jugendhilfeausschuss hat dem Vorstoß jetzt geschlossen zugestimmt, wenngleich es im Detail unterschiedliche Auffassungen gibt. „Wir sind das einzige Land in Europa, in dem Plakatwerbung für Zigaretten nicht verboten ist“, sagt Grünen-Ratsfrau Andrea Melletat. Die Stadt Laatzen könne zum Vorreiter im Norden werden. Es sei belegt, dass Tabakwerbung insbesondere bei Jugendlichen die Einstellung zum Rauchen positiv fördere.

Skeptisch äußert sich hingegen Gerhard Klaus (FDP): „Die Frage ist, was Werbung bewirken kann: Ob man dadurch zum Raucher wird, da habe ich meine Zweifel.“ Deutschland sei ein freies Land. „Da ist es leider Gottes auch möglich, dass jemand seine Gesundheit ruiniert.“ Er fände es wichtiger, wenn Lehrkräfte in den Schulen dafür sorgten, „dass sich nicht Schüler in die Ecke verpieseln und rauchen“. Ernesto Nebot (SPD) hielt dagegen: „Jeder Automat, der verschwindet, ist ein Schritt, um das Rauchen zu bekämpfen.“ Zumal die aufgestellten Automaten eine „omnipräsente Werbung fürs Rauchen“ darstelle, wie Andrea Melletat ergänzte.

Die Stadtverwaltung kündigte an, Informationsmaterial zu bestellen und auszulegen sowie auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Ein generelles Tabakwerbeverbot sei hingegen genauso wenig möglich wie ein Verbot von Zigarettenautomaten. Ob zumindest eine Regulierung der Automatenstandorte möglich ist, müsse juristisch beprüft werden. „Es müsste dann ein Konzept für Zigarettenautomaten aufgestellt werden, in dem positive und negative Kriterien gegenübergestellt werden“, heißt es im Rathaus. Dies sei mit erheblichem Aufwand verbunden.

Verwaltung erwartet Einnahmeverluste

Für Irritationen sorgte ein finanzieller Hinweis der Verwaltung: Sollte die Stadt auf ihren Flächen auf Tabakwerbung verzichten, entgingen der Stadt voraussichtlich Einnahmen. Weil das Konzept zur Haushaltskonsolidierung jedoch Mehrerlöse vorsehe, müsse der Rat das Konzept entsprechend ändern. „Ich finde es sehr bedenklich, darauf abzuzielen, dass Werbeeinnahmen verloren gehen,“ findet Linus Melletat, Vertreter der freien Träger im Kinder- und Jugendhilfeausschuss: 90 Prozent aller Einsteiger seien schließlich minderjährig. „Die einzige wirksame Maßnahme ist, sie von den Produkten fernzuhalten.“ Ähnlich argumentiert CDU-Ratsfrau Gundhild Fiedler-Dreyer: „Ich fände es völlig in Ordnung, wenn es dadurch weniger Einnahmen gäbe.“

Linus Melletat hatte in den vergangenen Jahren wiederholt gegen Zigarettenautomaten im Stadtgebiet mobil gemacht, die vor Schulen stehen – ein Verstoß gegen die Selbstverpflichtung der Automatenaufsteller. Daraufhin wurden jeweils vor der Albert-Einstein-Schule und der Grundschule Gleidingen Geräte entfernt.

Von Johannes Dorndorf

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