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Laatzen SPD-Ratsfrau Petra Herrmann gibt Mandat ab – nach 18 Jahren
Umland Laatzen

Laatzen: SPD-Ratsfrau Petra Herrmann gibt Mandat ab

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07:00 27.11.2019
Petra Herrmann bei einer Rede 2017 im Laatzener Rat. Quelle: Astrid Köhler (Archiv)
Laatzen

Entschieden, redegewandt und – wenn sie es für richtig hielt – kämpferisch hat die Laatzener SPD-Ratsfrau Petra Herrmann seit 2001 für soziale und gesellschaftliche Themen gestritten. Doch nach 18 Jahren hat sie nun überraschend erklärt, ihr Mandat dort und auch im Ortsrat Laatzen zurückzugeben: aus Unzufriedenheit über die aktuelle Haushalts- und Stadtpolitik.

„Das war keine spontane Entscheidung“, betont die 57-jährige Sozialdemokratin, die vor einem Jahr noch leidenschaftlich für Jugendplätze, eine bessere Bezahlung von Reinigungskräften und die öffentliche Zugänglichkeit des Erich-Kästner-Schulgeländes im Zuge des Neubaus gestritten hatte. Auch sei es nie ihr Anspruch gewesen, mitten in der Ratsperiode zu gehen, doch der über Monate und Jahre aufgebaute Frust sei zu groß geworden. „Ich glaube, dass wichtige gesellschaftliche Fragen gerade richtig zu kurz kommen.“ Statt darüber werde fast nur noch über Gebäude, Vordächer und Bushaltestellen gesprochen. Zweifelsohne seien Sanierungen und Neubauten wie die der Laatzener Schulen, Kitas und des Rathauses wichtige Themen – „aber nicht die einzigen“.

SPD-Politikerin kritisiert Bürgermeister

Das Ziel, die Inklusion im Haushalt stärker zu vereinen, habe Bürgermeister Jürgen Köhne vor anderthalb Jahren unterbunden, die Arbeit am Integrationskonzept sei im Sande verlaufen, und Wirtschaftsförderung sowie Stadtmarketing dümpelten in Laatzen vor sich hin, sagt Herrmann, die jahrelang Kirchenkreistagsabgeordnete und bis 2012 Vorsitzende des SPD-Ortsvereins war. Bei der Jugendpflege sowie der Gleichstellung gebe es ebenfalls Stillstand.

2017 erhält Petra Herrmann von dem damaligen Superintendenten Detlef Brandes einen Blumenstrauß für ihr jahrzehntelanges Engagement im Kirchenkreis. Quelle: Stephanie Zerm (Archiv)

„Ich mache das nicht an Personen fest“, betont die bis zuletzt in diversen Arbeitsgruppen, Ausschüssen und dem Ortsrat Laatzen engagierte Sozialdemokratin, die seit 2001 dem Rat angehört. Der Bürgermeister sei für die Verwaltung zuständig. Köhne sei für sie ein „netter, sympathischer Mensch“, doch im Amt agiere er nicht modern, sondern wie ein Stadtdirektor alter Schule, der seine Mitarbeiter vor Neuerungen „schütze“.

„Gesellschaftspolitisch wird nicht mehr nach vorn gedacht“

Auch die Ratspolitik selbst missfiel Herrmann zuletzt. Das ursprüngliche Ziel werde nicht mehr gelebt, wonach der Rat „ganzjährig Haushaltsberatungen“ und inhaltliche Entscheidungen fällt, die von der Verwaltung umzusetzen sind. Stattdessen schreibe die Politik wieder Anträge wie in alten Zeiten. „Es wird gesellschaftspolitisch nicht mehr nach vorn gedacht“, kritisiert die frühere Büroleiterin des EU-Parlamentariers Bernd Lange, die seit 2000 – nach sieben Jahr in Brüssel – wieder in Laatzen lebt.

Da sie offenbar die Einzige sei, die sich daran störe, und alle anderen sich arrangiert hätten, ziehe sie sich zurück. Langweilig werde ihr sicher nicht werden, sagte die professionelle Beraterin, Geschäftsführerin und Inhaberin des Unternehmensdienstleisters PHOS Support, die ihr Engagement im Flüchtlingsnetzwerk Laatzen unverändert fortsetzen will. Ob sie sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen könne? „Man soll nie nie sagen, aber im Augenblick kann ich es mir nicht vorstellen.“

Wechsel im Rat wird am 12. Dezember vollzogen

Offiziell vollzogen werden soll der Wechsel bei der Ratssitzung am 12. Dezember. Nachrücker dort ist der Laatzener SPD-Ortsvereinsvorsitzende Harald Zietz, der bis 2005 schon einmal 15 Jahre lang dem Rat und Ortsrat angehörte. Er werde das Mandat für die verbleibenden zwei Jahre übernehmen, wobei er Herrmanns Rückzug sehr bedauere. Er sei bisher von gesundheitlichen Gründen ausgegangen. Von der Kritik an der Laatzener Politik habe er noch nichts gehört, sagte Zietz am Dienstag auf Nachfrage. Sie könne sich aber nur auf die Ratsfraktion beziehen, denn im Ortsverein sei Herrmann zuletzt nicht aktiv gewesen.

Harald Zietz rückt für Petra Herrmann im Rat nach. Quelle: Stephanie Zerm

Herrmanns Sitz im Schulausschuss übernimmt Hannelore Stendel, den im Verwaltungsausschuss Silke Rehmert. Neue Vorsitzende in der AG Partnerschaften wird Luisa Oyen. In den Arbeitsgemeinschaften Geschäftsordnung, Haushalt und integrierte Planung wird an ihrer Stelle künftig Peter Hellemann sitzen. Nachrücker im Ortsrat Laatzen, dem Herrmann seit dem Amtsverzicht von Alexander Muschal 2018 angehörte, ist dem Ergebnis der Kommunalwahl von 2016 nach Ulrich Haarmann.

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Von Astrid Köhler

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