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Laatzen Ans Erdgeschoss gefesselt, weil Krankenkasse Reha ablehnt
Umland Laatzen

Laatzen: Seniorin ist ans Erdgeschoss gefesselt, weil Krankenkasse Reha ablehnt

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00:15 14.05.2019
Margrit Kube ist geschockt über die Ablehnungsschreiben ihrer Krankenkasse. Quelle: Stephanie Zerm
Gleidingen

Zwölf Jahre lang hat sich Margrit Kube im Seniorenbeirat für ältere Menschen stark gemacht. Regelmäßig beriet sie Laatzener, wie sie für den Fall vorsorgen können, dass sie einmal auf Hilfe angewiesen sein sollten. Doch jetzt kann sich die 75-Jährige selbst nicht mehr helfen: Nach mehreren Wirbelbrüchen und einer Rücken-OP schläft sie seit Wochen auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer, weil sie die Zimmer der oberen Etage ihres Hauses nicht mehr erreichen kann.

Eine stationäre Reha-Maßnahme könnte dies aus ihrer und der Sicht ihrer behandelnden Ärztin, ändern. Doch ihre Krankenkasse hat den Antrag auf Reha abgelehnt. Die Gleidingerin fürchtet nun, zum Pflegefall zu werden – und dies, obwohl der Grundsatz „Reha vor Pflege“ eigentlich gesetzlich verankert ist.

Es sei kein zwingend medizinischer Rehabilitationsbedarf erkennbar, begründet die DAK-Gesundheit ihre Entscheidung. Stattdessen empfiehlt sie eine weitere ärztliche Versorgung mit medikamentöser Therapie und gegebenenfalls Heilmittelanwendungen. „Ich will wieder auf die Beine kommen und nicht mit Medikamenten ruhig gestellt werden“, sagt hingegen Kube. Da sie nur wenige Schritte am Rollator gehen könne, sei es ihr nicht einmal möglich, zu Physiotherapeuten zu gelangen. „Und die Praxen, die Hausbesuche machen, haben Wartelisten von mehreren Monaten.“

Die Gleidingerin hat gegen die Ablehnung der Reha Widerspruch eingelegt und ein Gutachten ihrer Ärztin beigefügt. Darin bescheinigt diese, dass bei einer dreiwöchigen Akut-Reha, die Kube direkt nach der OP in der geriatrischen Abteilung des Krankenhauses gemacht hat, bereits Verbesserungen erzielt werden konnten. Da die 75-Jährige jedoch nicht Treppen steigen könne und in ihrer Mobilität eingeschränkt sei, rät die Medizinerin zu weiteren stationären Reha-Maßnahmen. Ambulant sei eine vergleichbar intensive Therapie nicht zu realisieren – ansonsten drohe Kube zu einem Pflegefall zu werden.

Krankenkasse bewilligt Haushaltshilfe statt Reha

Doch auch den Einspruch der Ärztin weist die DAK ab. Eine medizinische Notwendigkeit für die Anschluss-Reha sei nicht gegeben. Stattdessen bewilligt die Krankenkasse Kube vorübergehend eine Haushaltshilfe. „Ich bin seit mehr als 50 Jahren DAK-Mitglied und habe noch nie eine Reha oder Kur beantragt“, ärgert sich Kube. „Doch jetzt, wo ich eine brauche, wird sie abgelehnt.“ Ihre 94-jährige Bettnachbarin im Krankenhaus, die eine ähnliche OP gehabt habe, hätte schon einen Tag danach eine Zusage für dieselbe Reha bekommen. „Aber sie hatte auch eine andere Krankenkasse als ich.“

Klaus-Dieter Meyer, der sich mit Kube im Seniorenbeirat engagierte, kann die Ablehnung der DAK nicht nachvollziehen. „In den 18 Jahren, in denen ich im Seniorenbeirat tätig war, habe ich keinen Fall erlebt, in dem eine Krankenkasse eine so starre Haltung zeigte.“

Laut dem Landesverband des Sozialverbands SoVD ist Kube kein Einzelfall. „Wir haben den Eindruck, dass Krankenkassen Reha-Maßnahmen oft erstmal grundsätzlich ablehnen“, sagt Sprecherin Stefanie Jäkel. Die Begründung laute meist, dass ambulante Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft seien. „Wenn wir dann Widerspruch für unsere Mitglieder einlegen, stellt sich aber bei vielen heraus, dass sie sehr wohl, häufig auch schon über einen längeren Zeitraum, entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ Das zeige, dass Krankenkassen in den meisten Fällen nicht auf die individuelle Situation der Betroffenen eingingen. Das belegten auch die Zahlen: „Rund die Hälfte unserer Widersprüche sind erfolgreich.“

Es gilt der Grundsatz „Reha vor Pflege“

Besonders problematisch sei die pauschale Ablehnung bei Menschen, denen die Pflegebedürftigkeit drohe, wie bei Margrit Kube. „Bei ihnen soll die Reha dazu dienen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, damit sie länger zu Hause ein eigenständiges Leben führen können“, sagt Jäkel. Dies ist auch in mehreren Sozialgesetzen verankert. Es gilt der Grundsatz „Reha vor Pflege“, der besagt, dass zunächst mit Reha-Maßnahmen alles versucht werden müsse, damit Patienten nicht zu Pflegefällen würden.

Die DAK bestreitet die Vorwürfe. Es gebe keine pauschale Ablehnung von Reha-Maßnahmen, sagt Sprecher Rainer Lange. „Es erfolgt eine Prüfung jedes einzelnen individuellen Falls.“ Die DAK erhalte pro Jahr rund 100.000 Reha-Anträge, von denen die große Mehrheit genehmigt werde.

Auch Kube hat nun wieder Grund zu hoffen: Die Reha-Maßnahme sei noch nicht endgültig abgelehnt worden, sagt Lange. Die Versicherte habe sich bis zur Presseanfrage dieser Zeitung bei der DAK nicht dazu geäußert, ob sie ihren Widerspruch aufrechterhalten wolle. Dies habe die DAK nun in Erfahrung gebracht. Kubes Unterlagen würden jetzt dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung zur Beurteilung vorgelegt.

Von Stephanie Zerm

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