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Laatzen Sicherheitslücke bei Keyless-Go: Diebe stehlen Lenkräder und Bordsysteme aus BMW
Umland Laatzen

Laatzen: Sicherheitslücke bei Keyless-Go: Diebe stehlen Lenkräder und Bordsysteme aus BMW

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14:12 17.07.2019
In der Nacht zu Dienstag, 16.07.19 haben Autoteildiebe in Laatzen diesen BMW xDrive 30d geöffnet, indem sie das Keyless-Go-Funksignal abfingen. Anschließend bauten sie die sogenannte Head-Unit mit Navi, Radio und Bordsystem sowie Tacho aus. Quelle: Astrid Köhler
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Alt-Laatzen

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche haben Diebe in Laatzen hochwertige Fahrzeuge, zwei BMW, geöffnet und die darin verbauten Lenkräder mit Airbags, die sogenannte Headunit mit Navigationsgerät, Radio und Bordsystem weitere Autoteile gestohlen. Geschätzter Schaden: rund 10.000 Euro. Wiederholt nutzten die Kriminellen dabei eine Sicherheitslücke bei der schlüsselosen Bedienung, dem sogenannten Keyless-Go, aus.

Er habe am Dienstagmorgen zur Arbeit fahren wollen und sich schon etwas gewundert, als er sich dem an der Wiesenstraße geparkten Wagen näherte, berichtet einer der beiden BMW-Besitzer, der namentlich nicht genannt werden will: „Die Spiegel standen ab, normalerweise klappen die ein, wenn der Wagen abgeschlossen ist.“ Als er näher kam, sah er dann die nur angelehnte Fahrertür und dann den ausgeschlachteten Innenraum seines Gebrauchtwagens, einem BMW xDrive 30d: Das Lenkrad samt Airbag war ausgebaut, ebenso die komplette Headunit. „Ich war geschockt“, erzählt der Mann, der umgehend die Polizei verständigte.

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Die zweite Tat ereigneten sich ebenfalls in der Nacht zu Dienstag an der vom Wiesenweg abzweigenden Heinrich-Spoerl-Straße. Aus dem Wagen dort, einem BMW 320d, nahmen die Diebe zudem noch ein Portemonnaie mit Bargeld in ungenannter Höhe sowie diverse Papieren mit.

Keine Aufbruchschäden an Fahrzeugen

Bei keinem der Fahrzeuge seien Aufbruchschäden festgestellt worden, teilte der Leiter des Laatzener Kriminal- und Ermittlungsdienstes (KED) Stefan Schwarzbard mit: „Die Pkw sind mit einem Keyless-Go-System ausgestattet“. Von Herstellern und Autohändlern wird das seit Jahren verfügbare System als komfortabeles Extra beworben. Autofahrer müssen zum Öffnen und Starten ihres Wagens keine Tasten mehr Drücken oder den Schlüssel einstecken. Es reicht schon, wenn sie den Funkwellen aussendenden Schlüssel bei sich tragen und in die Nähe des Autos bringen.

Beim Keyless-Go sendet der Schlüssel Funksignale aus und reicht es aus, diesen nur bei sich zu tragen um das Auto zu öffnen und zu starten. Quelle: Astrid Köhler

Genau dieses System und die vorhandene Sicherheitslücke machen sich Kriminelle zunutze. Schon mit einfachen Geräten aus dem Elektrohandel können sie die Funkwellen des Schlüssels abfangen. Da die Schlüssel beständig Funkwellen aussenden und häufig in der Nähe der Haustür aufbewahrt werden, lohnt es sich für Kriminelle, dort nach einem Signal zu suchen. Dieses wird dann zum Öffnen der Autotür an ein zweites Gerät direkt am Wagen weitergeleitet.

Mitunter verfügen Schlüssel zwar über eine manuelle oder auch automatische Abschaltfunktion, wenn diese einige Zeit bewegungslos liegen. Bis dahin kann das Signal aber auch direkt beim Träger des Schlüssels abgefangen werden, wenn sich ein Dieb diesem auf wenige Meter nähert.

ADAC testet Sicherheitslücken an 273 Automodellen

Theoretisch ließen sich viele Fahrzeug durch Abfangen der Funksignale nicht nur illegal öffnen sondern auch starten und wegfahren. Zumindest derzeit beschränken sich die Diebe in Laatzen noch auf den Ausbau der Technik. „Das ist eine andere Tätergruppe“, so der KED-Leiter Schwarzbard: Wer sich auskenne benötige nur wenige Minuten, um ein Lenkrad samt Navigationsgerät zu entwenden. „Das sind Spezialisten“. Wie in der gesamten Region greifen Autoteildiebe seit Jahren auch immer wieder in Laatzen zu, zuletzt vor einer Woche in Rethen. Die Diebe bauten dort ein Lenkrad und die Bordsysteme genau jener BMW aus, die sie schon einmal im Frühjahr geöffnet hatten, darunter auch einer mit Keyless-Go. Der Schaden summierte sich jedes Mal auf rund 10.000 Euro.

Die Sicherheitslücke beim Keyless-Go hat der ADAC im Frühjahr an 273 Fahrzeugmodellen von 33 Herstellern getestet. Ergebnis: Bis auf drei ließen sich alle illegal öffnen und in der Regel auch starten. Nur bei zwei Modellen des Herstellers Landrover und einem von Jaguar gelang dies nicht.

Schützende Schlüsseltasche kostet nur wenige Euro

Wiederholt empfiehlt die Polizei Schlüssel vor dem illegalen Zugriff zu schützen und beispielsweise mit Aluminumfolie zu umwickeln oder in speziellen Schutzhüllen aufzubewahren. „Die Leute sollten sich so eine Tasche kaufen und zur Angewohnheit machen, den Schlüssel darin aufzubewahren, wenn sie nach Hause kommen.“ Diese gebe es im Handel bereits im untersten zweistelligen Eurobetrag. „Ich habe mir mir schon eine Tasche bestellt“, erzählt der BMW-Besitzer aus Alt-Laatzen. Und sollte sich die Keyless-Go-Technik nicht deutlich sicherer werden, werde er beim nächsten Autokauf darauf achten, dass sein Wagen dies nicht mehr hat.

Hinweise zu den Autodieben in Laatzen nimmt das dortige Kommissariat entgegen unter Telefon (0511) 1094315.

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Diebe brechen zwei BMW in Rethen erneut auf (HAZ, 11.7.19)

Polizei warnt vor Keyless-Go-Technik (HAZ, 16.9.17)

Von Astrid Köhler