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Laatzen So war der Laatzener Neujahrsempfang 2020 in der voll gefüllten Albert-Einstein-Schule
Umland Laatzen

Laatzen: So verlief der Laatzener Neujahrsempfang 2020

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17:30 19.01.2020
Bürgermeister Jürgen Köhne erinnert an Laatzens Ehrenbürger Salomon Finkelstein, der 2019 verstarb. Quelle: Johannes Dorndorf
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Laatzen-Mitte

Bei Konzerten würde man von „ausverkauft“ sprechen: Rappelvoll waren die Stuhlreihen beim Neujahrsempfang der Stadt am Sonntagmittag in der Albert-Einstein-Schule. Rund 450 Gäste kamen ins Forum, um die Ansprache des Bürgermeisters zu verfolgen, an Ehrungen teilzunehmen und überraschende Theatermomente auf der Bühne zu erleben. Es war zugleich ein Empfang der mahnenden und besorgten Worte: Gleich mehrere Redner gingen auf Hasskommentare im Internet, wachsenden Populismus und damit verbundene Gefahren für die Demokratie ein.

Wie zur Mahnung eröffnete Köhne seine Ansprache mit einem Nachruf auf den im Jahr 2019 verstorbenen Laatzener Ehrenbürger Salomon Finkelstein. Der Auschwitz-Überlebende hatte gemeinsam mit seinem Freund Henry Korman gegenüber den AES-Schülern regelmäßig Zeugnis von seinen Erlebnissen berichtet, „um uns daran zu erinnern, dass wir die Zeichen erkennen und handeln müssen, wenn ähnliche Tendenzen erneut auftreten sollten“, wie Köhne betonte.

Etliche Ehrengäste sind beim Neujahrsempfang mit dabei. Quelle: Johannes Dorndorf

2019 erhielt Finkelstein dafür das Ehrenabitur der AES, eine Auszeichnung, die ihm viel bedeutet habe. Köhne kündigte an, dass der L-Trakt der Albert-Einstein-Schule in Kürze nach Finkelstein, der geplante AES-Erweiterungsbau nach seinem Weggenossen Korman benannt werden sollen.

Köhne spannte bald den Bogen zu aktuellen politischen Strömungen – darunter Brexit, Populismus und Protektionismus. „Vor allem diese Themen verbreiten Unsicherheit und Ängste und werden von manchen mit enormer Schärfe und Aggressivität politisch benutzt“, sagte der Bürgermeister. Es sei die Pflicht aller, Grundwerte wir die Menschenwürde zu verteidigen „und erst recht nicht dazu beizutragen, durch eigenes Verhalten diesen Entwicklungen sogar den Boden zu bereiten.“ Das gelte insbesondere für Hasskommentare im Internet. „Schlussendlich setzen wir auf diesem Wege womöglich auch unsere Demokratie aufs Spiel.“

Mahnung aus der Partnerstadt

Fred Mahro, Bürgermeister der mit Laatzen befreunden brandenburgischen Stadt Guben, erinnerte eindrucksvoll daran, wie er nach der 1990er-Wende erstmals für ein Kreistagsmandat kandidierte, aber nur nachts zu plakatieren wagte. „Ganz frei fühlten wir uns noch nicht.“ 30 Jahre nach der Deutschen Einheit müssten die Grundwerte der Gesellschaft gegen populistische Manipulation geschützt werden. „Ich will nie wieder Plakate in der Dunkelheit aufhängen müssen und überlegen, was ich sagen darf“, sagte Mahro.

Deutsch-Französischer Austausch: Alexandre Scheid und Blandine Devalland aus Grand Quevilly (2. und 3. v.l.) berichten über ihr Laatzen-Fotoprojekt. Zu Gast waren sie 2019 bei Michelle Sindram und Sven Runde. Hiltrud Mühlbauer (links) übersetzt. Quelle: Johannes Dorndorf

Jugendbeirat berichtet über Arbeit

Auch Laatzener Bürger kamen beim Neujahrsempfang 2020 zu Wort. Marieke Lenze und Daniel Kaste vom Jugendbeirat berichtet über ihre Arbeit – und über die Gründe für ihr politisches Engagement. „Politik bedeutet für mich vor allem Veränderung. In Zeiten zum Beispiel des Klimawandel ist es wichtig, dass man weiter voranschreitet“, sagte Kaste.

Aus der französischen Partnerstadt Grand Quevilly waren Alexandre Scheid und Blandine Devalland angereist. Sie berichteten über ihr fertiges Fotoprojekt, das 2019 während ihres fast zweiwöchigen Gastaufenthalts in Laatzen entstanden war und das in Grand Quevilly selbst bei einer großen Veranstaltung viel Aufmerksamkeit erfahren habe. Im Anschluss an den offiziellen Teil stellten sie am Computer ihre 360-Grad-Aufnahmen vor.

Besonders geehrt wurden zwei Laatzener, die die Ratspolitik der vergangenen Jahre maßgeblich mit geprägt haben: Die Anstecknadel in Silber der Stadt erhielt der langjährige CDU-Stadtverbandsvorsitzende Paul Derabin für seine 13-jährige Tätigkeit im Rat. Petra Herrmann schied nach 18 Jahren aus dem Rat aus und erhielt die Anstecknadel in Gold. Köhne hob Herrmanns Engagement als maßgebliche Ideengeberin des Flüchtlingsnetzwerks hervor, in dem sie auch künftig mitarbeiten will.

Improkokken sorgen für Lacher

Für humorvolle Abwechslung sorgen zwei Kurzauftritte der Improkokken aus Hannover um Marc Beinsen, der auch als Leiter der Laatzener Kinder- und Jugendzirkus Johnass bekannt ist. Dabei wurden die Zuschauer selbst zu Stichwortgebern dafür, was das Improvisationstheater-Trio auf der Bühne als nächstes tun solle. Da gab’s dann den altersschwach humpelnden Bürgermeister, der nicht von seinem Amt lassen will, aber auch einen absurden Spaziergang durch den Park der Sinne, bei dem die Darsteller einmal wütend, einmal erotisiert durch Scherben und frischen gegossenen Beton wandeln mussten.

Für einen festlichen Rahmen sorgte das Jugendorchester des Musikkreises Laatzen, das die fast zweieinhalbstündige Veranstaltung mit der Eurovisionsmelodie eröffnete und mit „Pomp an Circumstances“ beschloss.

Vergeben wurde auch der Couragepreis der Stadt Laatzen. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Von Johannes Dorndorf

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