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Laatzen So will die Politik gegen Schottergärten vorgehen
Umland Laatzen

Laatzen: So will die Politik gegen Schottergärten vorgehen

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12:31 29.09.2019
Pflegeleicht, aber schlecht für das Mikroklima: Schottergärten speichern in der Regel weniger Wasser und kühlen weniger. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Eine innerstädtische Begrünung tut dem Stadtklima gut. Mit umso mehr Argwohn beobachten Umweltschützer und Politiker die Entwicklung, dass in Vorgärten und auf Grünflächen immer häufiger Steine, Kies und Vliese verlegt werden, um den Pflegeaufwand zu minimieren. Solche Schottergärten sind nun auch in der Laatzener Politik Thema. Allerdings nicht – wie oft andernorts – auf Vorschlag der Grünen, sondern auf Betreiben der CDU/FDP-Ratsgruppe.

Die beiden Parteien wollten jetzt konkret wissen, was die Stadt gegen solche Schottergärten unternimmt, welche Möglichkeiten sie dabei hat und welche Folgen der Trend für die Natur, aber auch für den Wasserhaushalt hat.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist der Fall eigentlich klar: Laut Niedersächsischer Bauordnung seien solche Anlagen untersagt, sagt Stadtbaurat Axel Grüning. „Die nicht überbauten Flächen der Baugrundstücke müssen Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind“, heißt es wörtlich in dem Regelwerk. Zwar sei die Einfassung von Beeten genauso erlaubt wie die Pflasterung eines Gartenwegs. „Die Vegetation muss auf diesen Flächen aber überwiegen“, erläutert Grüning.

Schottergärten heizen die Stadt mehr auf

Die Auswirkungen der steinernen Gestaltung sind aus Verwaltungssicht vielfältig. Einerseits seien die humushaltigen Böden Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, andererseits speichern sie Wasser. „Insbesondere durch die mit der Wasserspeicherfähigkeit einhergehende Kühlfunktion sind Böden mitbestimmend für das lokale Klein- und Stadtklima“, heißt es aus dem Rathaus. Je mehr versiegelt sei, desto mehr Regenwasser fließe unkontrolliert in die Kanalisation, statt zu versickern. Um mehr Klarheit zu bekommen, seien zusätzliche Regelungen in Bebauungsplänen möglich.

Gegen Gartenbesitzer vorgegangen ist die Stadt allerdings bislang noch nie. „Das Anlegen von Schotter- und Steingärten ist ein Trend, der erst in letzter Zeit verstärkt auftritt“, sagt Grüning. Zwar könne die Laatzener Bauaufsicht die Gartenbesitzer zwingen, ihre Anlagen zu beseitigen. „Aber die Verfahren werden sehr aufwendig sein“, gibt der Stadtbaurat zu bedenken – zumal die Personaldecke dafür zu dünn sei.

Politik appelliert an Eigentümer

„Ich bin ein Stück weit desillusioniert“, bekannte CDU-Fraktionschef Christoph Dreyer bei der Aussprache im Umweltausschuss des Rates. Er warnte insbesondere vor Problemen, die für die Oberflächenentwässerung entstehen können. „Ich habe in Ingeln-Oesselse erlebt, dass jeder Haus- und Grundbesitzer sein Entwässerungssystem umstellen musste, damit der Ortskern nicht absäuft.“ Wenn jetzt auf kleinem Raum versiegelt werde, konterkariere man solche Bemühungen. Dreyer appellierte an alle Grundstückseigentümer: „Jeder soll überlegen, was er tun kann, wenn er Flächen versiegelt hat.“

Auf das Prinzip der Freiwilligkeit setzen auch die anderen Fraktionen. „Ich setze auf Aufklärung und darauf, dass den Menschen bewusst wird, dass dies nicht zulässig ist“, sagte Heinz Scheibe (parteilos). Er schlug vor, Baugenehmigungen entsprechende Broschüren beizufügen. „Wir sollten stärker auf Aufklärung setzen“, befand auch Dirk Weissleder (FDP).

Grüne kritisieren Pflegeheim-Außengestaltung

Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Krüger hält den Beschluss, den Eigentümern möglichst viel Freiraum zu lassen, für richtig. „Aber man kann als Stadt mal auf größere Fehlentwicklungen hinweisen und mit den Leuten sprechen.“ Konkret störe ihn etwa die Freifläche des Anne-Wilkening-Pflegeheims entlang der Erich-Panitz-Straße. „Das sieht aus wie ein englisches Putting-Green, aber es ist alles Kunstrasen und versiegelt.“

Der Kunstrasen vor dem Pflegeheim Anne Wilkening steht in der Kritik. Quelle: Johannes Dorndorf

Timo Stein, Geschäftsführer der Anne Wilkening GmbH, verweist darauf, dass die Fläche unter ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet wurde. „Der Bereich wird nicht nur von uns, sondern auch von der Szene als Kunstinstallation verstanden und nicht als Vorgarten.“ Die dort installierten Lampen seien keine „profanen Leuchten“, sondern Teil eines Gesamtkunstwerks, das zum von der Stadt seinerzeit viel beschworenen Eingangsportal zum Zentrum gehöre. Auch sei der Belag wasserdurchlässig. „Wir haben zudem im rückwärtigen Bereich viel Wert auf eine vernünftige Gartengestaltung mit unterschiedlichen Gehölzen gelegt.“

Die Stadtverwaltung will beim gesamten Thema erst einmal ein Gerichtsurteil abwarten. So führe die Stadt Wunstorf derzeit eine Musterklage, um gegen einen mit Steinen belegten Garten vorzugehen, berichtete Grüning. „Wir wollen schauen, wie das Verwaltungsgericht dies beurteilt.“

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Von Johannes Dorndorf

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