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Laatzen Sterben wird teurer – Friedhofsgebühren steigen ab Sommer
Umland Laatzen

Laatzen: Sterben wird teurer – Friedhofsgebühren steigen ab Sommer

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00:20 21.06.2019
Die Gebühren auf städtischen Friedhöfen wie dem in Ingeln-Oesselse sollen in diesem Jahr teilweise kräftig um bis zu 68 Prozent steigen.
Die Gebühren auf städtischen Friedhöfen wie dem in Ingeln-Oesselse sollen in diesem Jahr teilweise kräftig um bis zu 68 Prozent steigen. Quelle: Astrid Köhler (Archiv)
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Laatzen

Wer einen Verstorbenen auf einem städtischen Friedhof in Laatzen beerdigen will, muss künftig mit deutlich höheren Gebühre rechnen. Allein bei den Grabstätten für Urnenreihengräber sollen diese um bis zu 68 Prozent steigen, bei Wahlgräbern sind es bis zu 55 Prozent. Als Grund verweist die Stadt auf die drohende Unterfinanzierung.

Erlöse im Gesamtwert von rund 731.300 Euro verzeichnete die Stadt für das Jahr 2017. Dem gegenüber standen aber Friedhofskosten von mehr als 747.500 Euro. Im Folgejahr fiel das Minus nach der Gegenüberstellung mit knapp 58.000 Euro sogar noch deutlicher aus. Dies sei 2018 „ausdrücklich gewollt“ gewesen, betont Stadtrat Axel Grüning. Als Grund verweist er auf Überschüsse im Gebührenhaushalt für 2015 und 2016, die ausgeglichen werden mussten. Dies ist nun geschehen.

Stadt: „Die Kalkulation beruht auf einem komplexen Schema“

Bei der Neuberechnung wurden verschiedene Varianten der Grabstätten- und -größen sowie der allgemeine Arbeits- und Pflegeaufwand berücksichtigt: vom Erdaushub über die Kapellennutzung bis zum Rasenmähen über 25 Jahre. Die Kalkulation beruhe auf einem komplexen Schema, dem sogenannten Kölner Modell, so die Stadt. Diese berücksichtigt unter anderem den Arbeitsaufwand, die Fallzahlen und die allgemeinen Kosten.

20 Prozent der Gesamtkosten seien fix auf alle Bestattungsarten verteilt worden, schreibt Stadtrat Axel Grüning den Gremien jetzt in einer Beschlussvorlage mit. „Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die allen Friedhofsbesuchern zur Verfügung stehenden Wege, Plätze, Gebäude auch grundsätzlich gleich genutzt werden könnten und zwar unabhängig von der gewählten Bestattungsart“.

Urnenreihengrab wird 68 Prozent teurer

Die neuen Gebühren weichen mitunter deutlich von den bisherigen ab: Kostete der Kauf eines Urnenreihengrabs – womit eine Laufzeit von 25 Jahren verbunden ist – mit besonderen Gestaltungsvorschriften bisher 606 Euro sollen es künftig 1020 Euro sein. Das entspricht einem Anstieg um 68 Prozent. Für einen Platz in einer Urnengemeinschaftsanlage, die seit Jahren zweithäufigste Bestattungsart, sind künftig 908 Euro zu zahlen (+62 Prozent). Die zuletzt für 234 Verstorbene gewählten und erneut am häufigsten nachgefragten anonymen Urnenreihengräber sollen künftig nicht mehr 390 sondern 530 Euro kosten (+34 Prozent). Rund ein Drittel teurer werden auch alle Grabaushub-, Aus- und Umbettungsarbeiten.

Bei den Einzel- und Doppelwahlgräbern mit besonderer Gestaltungsvorschrift, die bisher 1109 und 2468 kosten, steigen die Gebühren um bis zu 55 Prozent. Lediglich bei den Wahlgräbern für zwei bis vier Särge ohne besondere Gestaltungsvorschrift sinken die Gebühren um bis zu 27 Prozent. Diese mit 5035 bis 9867 Euro teuersten Gräber waren in den letzten Jahren aber so gut wie gar nicht mehr gefragt. Doppelgräber wurden zuletzt sieben auf städtischen Friedhöfen gekauft, Grabstellen für mehr Särge überhaupt nicht mehr.

Sargräume werden günstiger

Was noch günstiger wird: Die Sargräume der Friedhöfe Im Heidfeld, in Oesselse und Rethen zu nutzen kostet statt 71 nur noch 70 Euro. Für die Kapellen dort sowie an der Ahornstraße und am Brocksberg sind hingegen rund 15 Prozent mehr zu zahlen.

Der Fachausschuss wollte dem Beschluss der neuen Satzungen am Montag noch nicht geschlossen zustimmen und zog den Punkt zurück. Grund: Die Gruppe CDU/FDP strebt noch eine Formulierung zu Erlass und Stundung der Gebühren in Härtefällen an. Aus Sicht der Verwaltung und der Ratsmehrheit ist diese jedoch nicht nötig, da dies bereits im übergeordneten Recht des Niedersächsischen Kommunalabgabegesetzes (NKAG) geregelt ist. Die Stadt rechnet damit, dass die neuen Friedhofssatzung und -gebühren am 1. Juli im Rat beschlossen werden und unmittelbar danach in Kraft treten.

Von Astrid Köhler