Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Laatzen Störchin Käthe ist zurück am Steinbrink
Umland Laatzen

Laatzen: Störchin Käthe ist zurück am Steinbrink

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 09.10.2019
Leser Hans-Georg Hißbach hat Störchin Käthe bei ihrem Gang über die überschwemmte Wiese am Steinbrink fotografiert. Quelle: Hans-Georg Hißbach
Alt-Laatzen

Störche fliegen im Herbst Richtung Süden – eigentlich. Tatsächlich waren die meisten Störche aus Laatzen bereits im August – und damit einen Monat früher als 2018 – aufgebrochen, darunter auch die schon einige Jahre in Grasdorf überwinternden Störche Frieda und Rol. Doch einer von ihnen scheint umgedreht zu sein: Seit einer Woche ist der als Käthe bekannte Brutvogel vom Nest am Steinbrink wieder regelmäßig in Alt-Laatzen unterwegs.

Als seine Frau ihn vergangene Woche auf den wieder aufgetauchten Storch hinwies, konnte es Hans-Georg Hißbach anfangs kaum glauben. Der Alt-Laatzener griff zur Kamera und fotografierte den Altvogel, der gerade am Steinbrink auf einer überschwemmten Wiese des Reitvereins auf Nahrungssuche war. Das Ehepaar Hißbach geht regelmäßig walken in der Leinemasch und hatte beobachtet, wie die Störche Mitte August allesamt abzogen.

Die Wiese am Steinbrink steht – wie schon häufig in den vergangenen Jahrzehnten – unter Wasser. Quelle: Astrid Köhler

Experte erkennt Vogel an Federkleid und Schnabelmerkmal

Bei dem Tier handele es sich tatsächlich um das Käthe genannte Weibchen, bestätigt der Grasdorfer Jürgen Körber, der dem Weißstorchbeauftragten der Region zuarbeitet und dafür fast täglich bis zu 40 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er habe den unberingten Altvogel an seinem Verhalten, der Schnabelwurzel und den Federmerkmalen erkannt. „Wenn Käthe die Flügel zusammenlegt, hat sie ein besonderes Merkmal, das aussieht wie eine Art Rosenkohl“, erklärt Körber.

Mehrfach hatte er den Brutvogel schon Ende September im Bereich Harkenbleck und schließlich inmitten einer Gruppe von mehr als einem Dutzend Störchen auf einer überschwemmten Ackerfläche in Koldingen erkannt. Seit Ende vergangener Woche ist Käthe nun in Alt-Laatzen. Sie habe seitdem öfter auf dem Kirchturm übernachtet, so Körber. Das Weibchen sei vermutlich deshalb zurückgekehrt, weil es Gebiet und Nahrungsangebot gut kenne. Maulwürfe, Schnecken, Regenwürmer, Larven, Heuschrecken und Mäuse stehen unter anderem auf ihrem Speiseplan – und von all dem gab oder gibt es auch dort dieses Jahr reichlich.

Biber und Regen verwandeln Acker in flachen See: Nahe der Redener Straße zwischen Koldingen und Reden steht eine Fläche unter Wasser, an der sich am Feiertag am vergangenen Donnerstag zwischenzeitlich 15 Störche niederließen. Quelle: Torsten Lippelt

Experte: Gezielte Fütterung ist ein Eingriff in die Natur

„Im Augenblick ist die Lage für den Storch ausgesprochen günstig“, fasst der Weißstorchbeauftragte der Region, Reinhard Löhmer, die Situation in dem mit 153 Jungen besten Storchenjahr zusammen. Mehrere Gruppen und auch einzelne Störche wie Käthe hielten sich noch in der Region auf. Jedoch müsse die weitere Entwicklung abgewartet werden. Normalerweise zögen Störche ab, spätestens wenn sich die Lage verschlechtert. Fakt sei aber auch: Die Großvögel seien Opportunisten, bequem und nicht wählerisch und würden gezielt von Menschen gefüttert. Leider sei Letzteres ein Trend in mehreren Bundesländern, darunter Bayern und Baden-Württemberg, bedauert Körber. „Das ist ein Eingriff in die Natur“, sagt Löhmer verärgert, denn im Ergebnis ließe der Druck nach, gen Afrika zu fliegen.

Nur noch ein Teil der Störche fliegt bis nach Afrika

Von den sogenannten Westziehern machten dies ohnehin vornehmlich noch die Störche aus Spanien, so die Experten. Grob geschätzt etwa 10 Prozent der europäischen Störche überquerten auf der Westroute noch die Straße von Gibraltar, so Körber. Die weiter nördlich beheimateten Vögel hingegen ließen sich auf dieser Route inzwischen häufig an einer der offenen Mülldeponien Spaniens nieder, oder sie überwintern gleich im kalten Deutschland und der Region Hannover, so wie es das Grasdorfer Paar Frieda und Rolf und auch Käthe schon getan haben. „Die Kälte ist nicht das Problem“, betont der Weißstorchbeauftragte. Erst wenn Flächen dauerhaft vereist sind und Störche nicht an Fische kommen, oder wenn die Schneedecke so hoch ist, dass die Mäuse darunter nicht zu entdecken sind, werde es ungemütlich für sie. Der Vorteil am Nicht-Wegzug: Wenn im kommenden Jahr die Nester zu vergeben sind, haben die in der Nähe gebliebenen Störche die bessere Startposition.

Grasdorfer Nest wird auf Standfestigkeit überprüft

Am Storchennest in Grasdorf stehen demnächst Wartungsarbeiten von Enercity an. Damit es nächstes Jahr wieder sicher belegt werden kann – seit 2006 hat dort Frieda schon 50 Junge aufgezogen, zuletzt mit ihrem Partner Rolf –, wird der frühere Strommast überprüft. Wann genau dies der Fall ist, steht noch nicht fest. Für Donnerstagmorgen ist zunächst eine Baubesprechung geplant.

Das Storchennest in Grasdorf liegt auf einem Strommast und wird von Enercity in der nächsten Zeit auf seine Standfestigkeit überprüft. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Quelle: Daniel Junker (Archiv)

Lesen Sie auch

Region Hannover: Störche haben in so viel Nachwuchs wie nie

Störchin Frieda hat in Grasdorf schon 50 Junge aufgezogen

Störche überwintern daheim in Laatzen

Von Astrid Köhler

Seit Sommer 2018 steht die Laatzener Flüchtlingsunterkunft an der Rotdornallee leer. Weil sie nicht wissen, wann das gerade renovierte Gebäude neu belegt wird und sie sich schlecht von der Stadt informiert fühlen, geben Renate und Andreas Lochte nun ihre ehrenamtliche Fahrradwerkstatt in der dortigen Garage auf.

09.10.2019

Noch im Juni waren 65 Kinder in Hannover-Döhren-Wülfel ohne Betreuungsplatz. Die Situation habe sich aber deutlich entspannt, teilte die Stadt auf eine Anfrage mit. 45 dieser Jungen und Mädchen haben inzwischen einen Betreuungsplatz bekommen, nur noch elf Krippen- oder Kindergartenkinder seien auf der Suche.

09.10.2019

Der Laatzener Ortsverband der Grünen hat eine neue Doppelspitze. Bei vorgezogenen Wahlen wurden Claudia Ebeling und Regina Asendorf gewählt. Zudem wurde der Vorstand vergrößert.

09.10.2019