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Laatzen Syrer hilft als Bufdi beim Flüchtlingsnetzwerk: „Seit Yusuf da ist, ist es immer voll“
Umland Laatzen

Laatzen: Syrer unterstützt als Bufdi Öffentlichkeitsarbeit des Netzwerks für Flüchtlinge

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17:00 27.09.2019
Der kurdische Syrer Yusuf Mohammad absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst beim Netzwerk für Flüchtlinge in Laatzen: Seit er die Facebook-Postings des Vereins auch ins Arabische übersetzt, ist es in den Sprechstunden deutlich voller. Quelle: Daniel Junker
Laatzen-Mitte

Yusuf Mohammad ist erst 30 Jahre alt – und hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Im nordsyrischen Kamishli führte er in jungen Jahren ein eigenes Elektronikgeschäft. Später arbeitete er als Schneider im türkischen Mardin, danach als Übersetzer, Fotograf und Kameramann in Istanbul. Vor vier Jahren kam der Syrer nach Deutschland, seit Mai absolviert er seinen Bundesfreiwilligendienst beim Netzwerk für Flüchtlinge in Laatzen.

Chefin lobt großes Engagement

Yusuf ist total engagiert“, berichtet die Netzwerk-Koordinatorin Mareike Fruth. „Er geht auf die Leute zu und erzählt ihnen, was wir machen. Seit er bei uns ist, sind unsere Beratungstermine immer sehr voll“, freut sich Fruth. „Er kennt viele Leute, ist gut vernetzt und kommt schnell mit anderen ins Gespräch.“

Postings nun auch auf Arabisch

Die Facebook-Seite des Netzwerks sei inzwischen stärker besucht: Da Mohammed die Postings auf Arabisch übersetzt, erreiche das Netzwerk über die Sozialen Medien mittlerweile eine viel breitere Zielgruppe.

Fruth bindet den Syrer deshalb auch verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit des Netzwerks ein. Zu den Ideen gehöre auch ein Imagefilm, in dem die Arbeit des Netzwerks vorgestellt wird. Mit Mohammads Fotos könne das Netzwerk seine Arbeit zudem besser dokumentieren und präsentieren.

Bürgerkrieg erschwerte Arbeit

Für die Fotografie interessierte sich der Syrer schon in seiner Heimat. Als er 22 Jahre alt war, hatte Yusuf Mohammad ein kleines Elektronikgeschäft in seinem Heimatort Kamishli gegründet. „Ich reparierte Telefone, Laptops und Computer und half anderen bei der Anwendung.“ Am Wochenende zog er als Hobbyfotograf los. „Ich habe mir das selbst beigebracht und vor allem Hochzeiten fotografiert.“ Wegen des seit 2011 andauernden Bürgerkriegs sei die Lage allerdings zunehmend schwieriger geworden. „In unserer Region gab es irgendwann keinen Strom mehr. Deshalb musste ich meinen Laden aufgeben.“

Für Kurden sei es schwierig geworden, in Syrien zu arbeiten – und gefährlicher. „In unserer Nachbarschaft haben vor allem Muslime gewohnt.“ Mohammads Familie sei hingegen nicht religiös, „wir haben auch mit Politik nichts zu tun.“ Aufgrund der unsicheren Situation seien seine beiden älteren Brüder im Jahr 2007 über die Türkei, Polen und Frankreich nach Deutschland geflüchtet. Der eine hatte damals Englisch studiert, der andere als Buchhalter gearbeitet.

Türkisch übers Fernsehen gelernt

2011 verließ auch Yusuf Mohammad sein Heimatland. Unweit der Grenze zu Syrien habe er im türkischen Mardin zunächst ein Jahr lang als Schneider gearbeitet. „Ich habe das zwar nie gelernt, es hat aber ganz gut geklappt.“ Hilfreich sei gewesen, dass er neben Kurdisch und Arabisch auch fließend Türkisch spricht. „In meiner Heimat gab es nur türkisches Fernsehen. So habe ich das gelernt.“ Auch Englisch könne er gut lesen und verstehen: „Die Reparaturanleitungen für die technischen Geräte in meinem Laden waren alle auf Englisch.“

Vom Schneider zum Übersetzer

Nach einem Jahr zog Mohammad weiter nach Istanbul. „Ich habe als Übersetzer in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem Haartransplantationen durchgeführt wurden.“ Nebenbei war er als Fotograf und Kameramann tätig. „Ich habe zum Beispiel einen Film über unser Krankenhaus gedreht und darin beschrieben, wie die Operationen ablaufen.“ Auch privat ging es voran: Im Jahr 2014 heiratete er in Istanbul eine Syrerin, die er aus seiner Heimat kannte.

Bruder wohnte in Laatzen

Beruflich habe ihn allerdings die Bürokratie behindert. „Ich bekam als Kurde keine Papiere, mit denen ich in der Türkei offiziell arbeiten durfte“, berichtet Mohammad. Es habe damals keine konkreten Vorgaben gegeben, welche Beschäftigungen Syrer ausführen dürfen. „Ich wollte aber nicht in einer Grauzone arbeiten.“ Deshalb entschied er, im Rahmen des Familiennachzugs zu seinen Brüdern nach Deutschland zu gehen. „Mein Bruder lebte damals schon seit sechs Jahren in Laatzen.“ Im Jahr 2015 zog er ebenfalls hierher.

Er habe sich schnell eingelebt, bekam nach sechs Monaten seine Aufenthaltsgenehmigung. Später zog seine Frau nach, die beiden haben inzwischen zwei Kinder.

Mohammad will Fotograf werden

Seit Mai absolviert der 30-Jährige seinen Bundesfreiwilligendienst. Er will in Deutschland bleiben und später als Fotograf und Kameramann arbeiten. Um sein Wissen über die hiesigen Arbeitsbedingungen zu verbessern, sucht Mohammad derzeit Kontakt zu Deutschen, die in dem Bereich arbeiten. „Es ist mir wichtig, ganz offiziell Aufträge zu bekommen.“ Zudem will der Syrer sein Deutsch verbessern. Seine Frau macht ebenfalls einen Sprachkurs, um als gelernte Krankenschwester auch in Deutschland in diesem Beruf zu arbeiten.

In Deutschland fühle sich die Familie wohl. „Ich habe Freunde und kann in Sicherheit und ohne Angst leben.“ Zurück nach Syrien könne er auf absehbare Zeit sowieso nicht. „Es gibt dort zu viele Probleme mit der Politik und der Religion. Mich interessieren die Leute, nicht die Religion oder die Herkunft.“

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