Laatzen: Team der DRK-Kleiderkammer hofft auf mehr Kunden
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Laatzen Wieso kommen kaum noch Kunden in die DRK-Kleiderkammer?
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Laatzen: Team der DRK-Kleiderkammer hofft auf mehr Kunden

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16:30 27.09.2020
Das kann noch getragen werden: Helferin Edith Seebode zeigt eine der vielen Blusen in der DRK-Kleiderkammer. Quelle: Astrid Köhler
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Alt-Laatzen

Kleidung und Schuhe für fast alle Anlässe und sogar Bettwäsche, Brillenetuis und Krawatten gibt es bei der DRK-Kleiderkammer in Laatzen. All das, was nach Art und Farben ordentlich vorsortiert in den offenen gelben Schränken hängt und liegt, ist sauber, intakt und fast geschenkt zu haben. Gleichwohl finden nur noch wenige Kunden den Weg ins Hinterhaus der früheren DRK-Rettungswache an der Nürnberger Straße 5. Ob das mit gesellschaftlichen Veränderungen zu erklären ist oder mit der Tatsache, dass die Kleiderkammer schon für geschlossen erklärt wurde, ist unklar. Die Ehrenamtlichen jedenfalls, die Woche für Woche Berge von Kleiderspenden sortieren, machen sich so ihre Gedanken.

„Hier, sehen Sie mal, das ist doch noch richtig gut“, sagt Edith Seebode, die gerade eine Sommerbluse aus dem Schrank gezogen hat. Auch die Kleider im gefüllten Schrankfach nebenan, das hervorgeholte Herrensakko und die scheinbar ungetragenen schwarzen Pumps in Größe 38 aus dem Schuhregal am Eingang sehen tadellos aus. Gleichwohl scheint sie niemand haben zu wollen. Seit über einer Stunde warten die 73-jährige Laatzenerin und ihre Mitstreiterin Margitta Waschkau an diesem Öffnungstag bereits auf Kundschaft. Doch niemand ist gekommen.

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Nach einem holprigen Jahresstart ist die DRK-Kleiderkammer an der Nürnberger Straße 5 in Laatzen wieder regelmäßig vormittags geöffnet – seit September auch an jedem dritten Dienstag eines Monats von 15 bis 17 Uhr.

Kleidung erst kostenlos, jetzt gegen Schutzgebühr

Vor einigen Jahren war der Zulauf noch ein anderer. Die seinerzeit von allen DRK-Ortsvereinen betriebene Kleiderkammer war wöchentlich geöffnet – auch in den Ferien – und ein Dutzend Kunden pro Tag waren eher die Regel. Inzwischen sind es in einem Monat so viele wie einst an einzelnen Tagen, berichtet Seebode, die seit 13 Jahren aushilft. Und das, obwohl es inzwischen weniger Termine gibt. Die Kunden, die kommen, gehören allen Altersgruppen an.

Lange gab die seit den Siebzigerjahren bestehende Kleiderkammer die Textilien kostenlos weiter. Weil einige aber wahllos zugriffen und ihre Kleidung beim erneuten Durchsehen in den Vorgärten landete, wurde vor rund zehn Jahren die Schutzgebühr eingeführt. „Für 5 Euro können sich die Kunden frei bedienen und einen großen Sack füllen“, sagt Seebode mit Blick auf dicht behängte Kleiderstangen und gefüllte Regalfächer. Manches gehe sofort weg, so wie letztens „das lange schwarze Kleid mit dem Schlitz bis zur Hüfte“, erinnert sich Margitta Waschkau lachend, vieles bleibt aber auch die ganze Saison über hängen.

Etwa die Hälfte wird aussortiert

Dabei landet längst nicht jedes gespendete Stück auf Bügeln oder in den Regalfächern. Die Helferinnen untersuchen alles penibel auf mögliche Schäden, Flecken und den Gesamtzustand. Fehlt ein Knopf, klemmt der Reißverschluss oder sind Stoff und Schnitt zu sehr aus der Mode gekommen, wird die Kleidung aussortiert – das betrifft fast jedes zweite Stück. „Wir können eh nicht alles annehmen und brauchen keine Ladenhüter“, sagen die Helferinnen. Auch ungewaschene Stücke, die vereinzelt auftauchen, wandern in den Sack mit Alttextilien.

Wie groß der Durchlauf beim DRK ist, machen die Berge im Treppenhaus nebenan deutlich. Fast 40 Säcke mit Altkleidern liegen dort unter den Stufen und in einem Nebenraum verteilt. Der Ausschuss eines Monats, erklärt Seebode. Was die Kleiderkammer nicht gebrauchen kann, wird vom DRK abgeholt, zu speziellen Containersammelplätzen gebracht und anschließend an wechselnde Händler verkauft. Der Erlös kommt der Arbeit des DRK und dem Katastrophenschutz zugute.

Im Sinne der Coronaschutzmaßnahmen dürfen sich nur zwei Kunden zeitgleich in der Kleiderkammer aufhalten. Quelle: Astrid Köhler

Alternative zum Wegwerfen

Was sie motiviert, stundenlang Kleidung zu sortieren und doch die meiste Zeit auf Kunden zu warten? Sie wollten eine Alternative zum Wegwerfen und teuren Neukaufen bieten, berichten die beiden Rentnerinnen. Zwar gibt es auch Secondhand-Geschäfte, aber so günstig wie bei der Kleiderkammer bietet niemand Kleidung an.

Ob die ausbleibenden Kunden für einen gesellschaftlichen Wandel stehen, oder ob sie nur Folge einer unglücklichen Kommunikation sind, ist unklar. Ende 2019 hatten sich die langjährige Leiterin der Kleiderkammer, Monika Machate, sowie weitere Helferinnen aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen müssen und zunächst die Schließung verkündet. Im März 2020 fanden sich schließlich doch noch genug Helfer, die unter Seebodes Leitung weitermachten – und dann kam Corona.

Helferinnen glauben an Bedarf der Kleiderkammer

Seebode und ihr Team glauben an den Bedarf und wollen die Kleiderkammer wieder bekannter machen. Um mehr Kunden zu erreichen haben sie sogar die Öffnungszeiten ausgedehnt. Zusätzlich zu den beiden Vormittagen an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat gibt es nun auch einen Nachmittagstermin: an jedem dritten Dienstag eines Monats von 15 bis 17 Uhr.

Bei der Premiere im September blieben die Helferinnen noch unter sich. Wer noch kurz vor Ladenschluss kam, war nicht etwa ein Kunde, sondern ein Spender. „Ich habe die Hoffnung, dass die Sachen hier noch Menschen nützen“, erklärte der Laatzener Johannes Laveuv, nachdem er zwei gefüllte Tüten auf den Tresen gelegt hatte. Die Helferinnen dankten – auch wenn ihnen anzumerken war, dass sie auch gern Kleidung herausgegeben hätten. Die nächste Gelegenheit ist am Mittwoch, 14. Oktober, von 9 bis 11 Uhr.

Von Astrid Köhler