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Laatzen Zum Equal Pay Day demonstrieren Frauen auch gegen Altersarmut
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Laatzen: Zum Equal Pay Day demonstrieren Frauen auch gegen Altersarmut

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15:35 17.03.2020
Frauen aus Laatzen zeigen die Roten Equal-Pay-Day-Schirme und setzen sich für mehr Gleichberechtigung ein. Quelle: Daniel Junker
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Laatzen

77 Tage: Das ist der Zeitraum vom 1. Januar bis zum 17. März. So lange haben Frauen in diesem Jahr in Deutschland ohne Bezahlung gearbeitet, wenn man den Durchschnitt der Entlohnung im Vergleich zu Männern in Arbeitsstunden umrechnet. Seit 2008 machen Frauen am Equal Pay Day auf die Ungleichbehandlung bei der Entlohnung aufmerksam. Im Vorfeld des heutigen Stichtags haben sich Laatzens Gleichstellungsbeauftragte Nicole Hendrych, ihre Kollegin Domenica Giove und weitere Frauen aus Laatzen in der vergangenen Woche mit roten Equal-Pay-Day-Schirmen auf dem Marktplatz fotografieren lassen.

Nach Angaben des Verbandes der Business and Professional Women liegt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen derzeit bei 21 Prozent. Damit liege Deutschland EU-weit auf dem 26. von 28 Plätzen. Gründe dafür seien unter anderem geringere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie strukturelle Benachteiligungen, „denn Frauen sind im schlechter bezahlten Dienstleistungssektor oft überrepräsentiert“, sagt Hendrych.

Männer bekommen 4,51 Euro mehr pro Stunde

Während Männer im Jahr 2018 in Deutschland einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 21,60 Euro erzielt haben, seien es bei Frauen lediglich 17,09 Euro gewesen. Dies liege auch daran, dass sich nach wie vor viele Frauen um die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen kümmern. „Dies verdeutlicht zum Beispiel die Zahl der alleinerziehenden Frauen in Laatzen“, sagt Hendrych. Nach Auskunft der Region Hannover lebten im vergangenen Jahr insgesamt 877 Alleinerziehende in der Stadt. „788 davon sind Frauen und nur 89 Männer.“ Da es vielerorts weiterhin zu wenig Betreuungsmöglichkeiten gebe, könnten viele Mütter gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten.

Deshalb sei Altersarmut für viele Frauen vorprogrammiert. „Denn weniger Lohn bedeutet auch weniger Rente“, sagt Hendrych. Im Durchschnitt bezog jede Rentnerin in Niedersachsen im Jahr 2018 laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung monatlich 646,30 Euro. Bei den Männern waren es 1198,23 Euro. „Die Chance, zu einer auskömmlichen Rente zu kommen, ist für viele Frauen gleich null“, betont Hendrych. Sie hätten zudem wenig Möglichkeiten, eine private Altersvorsorge abzuschließen. Einwanderinnen seien besonders betroffen. „Sie haben noch weniger Einzahlungszeiten und können oft noch weniger auf den Arbeitsmarkt dringen.“

Stadt Laatzen ist gut aufgestellt

Die Stadt Laatzen sieht Hendrych prinzipiell gut aufgestellt. Die Stadt erfülle die Kita-Quote und siedele neue Arbeitgeber an. Die Förderung für das Frauenzentrum sei in diesem Jahr um 20.700 Euro auf jetzt 47.100 Euro gestiegen. Als Arbeitgeberin biete die Verwaltung flexible Arbeitszeiten an, die eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf ermöglichen. Verbesserungspotential sieht Hendrych unter anderem beim Quereinstieg in den Beruf. „Der Einstieg ist oft von Abschlüssen abhängig.“ Und: „Eng gefasste Arbeitsplatzbeschreibungen können Hindernisse sein, die einen Quereinstieg verhindern, weil die Bewerberinnen die Anforderungen nicht erfüllen.“

An Gesetzen und steuerlichen Vorgaben könne die Kommune zwar „aktiv nicht viel drehen“, sie könne aber über die Bedingungen für Frauen aufmerksam machen – daher die Regenschirm-Aktion auf dem Laatzener Marktplatz. An der Entlohung der Frauen hat sich seit 2019 übrigens nichts geändert: Nach wie vor liegt der Equal Pay Day auf dem 77. Tag nach dem Jahreswechsel. Wegen des Schaltjahres ist das Datum diesmal aber um einen Tag auf den 17. März vorgerutscht.

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Von Daniel Junker

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