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Laatzen Soziale Medien: Schüler forschen im Netz nach Fake News und Hass-Sprache
Umland Laatzen

Laatzener Gymnasiasten gehen Bots und Trollen auf den Grund

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16:31 29.01.2020
Die Elftklässler Gianluca (17, von links), Lena (17) und Martina (18) untersuchen die Kommunikation in sozialen Netzwerken auf Fake News und Manipulation. Quelle: Daniel Junker
Laatzen-Mitte

Wer verbreitet Falschmeldungen im Internet? Wie können solche Nachrichten erkannt werden? Wie begegne ich der Hass-Sprache im Internet? Und was sind Trolle und Social Bots, die sich in sozialen Netzwerken herumtreiben? Mit solchen Fragen beschäftigen sich derzeit die Schüler des Laatzener Erich-Kästner-Gymnasiums (EKG). Im Rahmen von zwei Medientagen werden sie seit Mittwoch im Umgang mit digitalen Medien geschult.

Während die höheren Jahrgänge tief in die Materie einsteigen und zum Beispiel die Kommunikation in digitalen Medien untersuchen, steht bei den jüngeren Jahrgängen die grundlegende Medienkompetenz auf dem Plan. Die Schüler erfahren etwa, wie Programme aus dem Office-Paket funktionieren, dass man seine Lehrer nicht über Messengerdienste wie Whatsapp anschreiben sollte und wie man gefälschte Nachrichten erkennt – zum Beispiel Phishingmails, die auf gefälschte Internetseiten verweisen und sensible Daten abgreifen wollen.

Schüler beschäftigen sich zwei Tage lang mit der Kommunikation in Sozialen Netzwerken, Cybermobbing, Fake News, Manipulationen im Internet, aber auch mit dem Schreiben von E-Mails und Programmen.

Auf den Spuren von Trollen und Social Bots

Im vierstündigen Modul „Zwischen Fake, Hass und Manipulation“ gehen die Elftklässler der Kommunikation in sozialen Netzwerken auf den Grund. Lehrer Johannes Thoböll hat im Vorfeld der Medientage digitale Arbeitsblätter und zusätzliches Arbeitsmaterial auf die Internet-Pinnwand Padlet hochgeladen und dort Ordner zu drei möglichen Handlungsfeldern angelegt. „Die Schüler können Bilder hochladen, Videos posten und Audios veröffentlichen“, sagt Thoböll. „Sie sehen dann live auf der Leinwand, wenn jemand etwas postet.“ So entsteht eine Materialsammlung, die von allen beteiligten Schülern eingesehen werden kann.

Unter anderem untersuchen die Gymnasiasten, wie Bilder die Wirklichkeit verzerren können. „Sie nutzen zum Beispiel die Google-Rückwärtssuche, mit der man herausfinden kann, wo welche Bilder in welchem Zusammenhang veröffentlicht wurden“, sagt Thoböll. Zudem verfolgten sie die Spur von sogenannten Trollen und Social Bots. Letztere sind automatisierte Programme, die mehr oder weniger autonom in sozialen Medien kommunizieren. Bots können sich in einen Diskussionsverlauf einklinken, um Meinungen zu beeinflussen. Trolle seien hingegen echte Menschen, die sich ebenfalls in Diskussionen einmischen, erläutert Thoböll. „Oft kommen sie aus rechten Netzwerken, deren Mitglieder versuchen, ihre Inhalte in die Chats hineinzubringen. Sie sind auch an Wahlmanipulationen beteiligt.“ Auch im linken und im islamistischen Umfeld seien Trolle aktiv.

Eine Gefahr für die Demokratie?

„Die Schüler sollen herausfinden, inwieweit diese veränderte Art der Kommunikation im Internet eine Gefahr für die Demokratie darstellt“, sagt Thoböll. Parallel gehe es darum, Strategien zu entwickeln, wie man auf solche Inhalte reagiert, ob man überhaupt aktiv werden sollte – „und wann es an der Zeit ist, die Polizei oder die Justiz einzuschalten“. Darüber hinaus entwickeln die Schüler einen Leitfaden, wie man gegen Hass, Hetze und Manipulation vorgehen kann.

„Das ist spannender, als ich gedacht hätte, insbesondere das Arbeiten mit Padlet“, sagt die 17-jährige Lena. Der Elftklässler Gianluca hält solche Medientage für notwendig, um an einen sensiblen Umgang mit digitalen Medien heranzuführen. „So etwas ist wichtig, gerade in den heutigen Zeiten.“ Zwei Tage seien aber zu wenig, um solche Themen umfassend zu bearbeiten. „Man hat kaum Zeit, da richtig tief einzusteigen. Eine ganze Medienwoche wäre noch besser.“

Medienscouts übernehmen eigenes Modul

Die Medienscouts des Gymnasiums übernehmen bei den Medientagen ein eigenes Modul und schulen die Sechstklässler zu den Themen Sicherheit und Kommunikation im Netz. Sie machen zum Beispiel darauf aufmerksam, dass die Schüler beim Hochladen von Fotos vorsichtig vorgehen sollten, „insbesondere wenn Freunde oder andere Personen auf den Bildern zu erkennen sind“, sagt die 14-Jährige Leonie. „Man sollte die Leute immer fragen, bevor man etwas im Internet veröffentlicht.“

Für die Ausbildung und die Arbeit der Medienscouts wurde das Erich-Kästner-Gymnasium am Dienstag mit einem mit 500 Euro dotierten Preis der Landesinitiative n-21 und dem Sparkassenverband Niedersachsen ausgezeichnet.

Polizist klärt über Gefahren im Netz auf

Christopher Seegers vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Süd macht bei den Medientagen ebenfalls auf Gefahren im Internet aufmerksam. Er erklärt zum Beispiel, dass sich in Chats von Computerspielen auch Erwachsene aufhalten, die sich als Jugendliche ausgeben und so mit anderen Kindern und Jugendlichen in Kontakt treten. „Menschen, die damit Erfahrung haben, können auch so kommunizieren wie eine 14-jährige Jenny.“ Auch geltendes Recht war Thema.„Fotos werden oft ungefiltert von A nach B geschickt“, sagt Seegers. „Wer zum Beispiel ein Nacktfoto verschickt, kann sich strafbar machen.“ Dies könne auch gelten, wenn Kinder und Jugendliche selbst auf den Fotos zu sehen sind. Zudem sei auch die Veröffentlichung von gewaltverherrlichendem oder verfassungsfeindlichem Material strafbar.

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