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Umland Laatzen Nachrichten Immer mehr Amseln sterben an einem Virus
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11:53 19.09.2018
Rainer Picht vom Nabu Laatzen hat eine Amsel mit den charakteristischen hellen Verfärbungen am Kopf entdeckt. Quelle: Nabu
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Laatzen

Der Naturschutzbund (Nabu) registriert in diesem Jahr eine stark erhöhte Zahl von Vögeln, die vermutlich mit dem Usutu-Virus infiziert wurden und daran gestorben sind. Bundesweit hat es nach Nabu-Angaben bereits fast 9000 Meldungen mit 18 000 betroffenen Vögeln, ganz überwiegend Amseln, gegeben. Auch in Laatzen sind schon solche Fälle aufgetreten. Für den Menschen gilt das Virus als weitestgehend ungefährlich.

Das Usutu-Virus stammt aus dem südlichen Afrika und hat sich nach der vermutlich mit Warentransporten erfolgten Einschleppung nach Europa hier von Süden nach Norden ausgebreitet. Übertragen wird es von Stechmücken. Wie viele Vögel in der Region Hannover bisher infiziert wurden, kann die Regionsverwaltung nicht sagen: „Das Virus ist nicht meldepflichtig“, erklärt Regionssprecherin Carmen Pförtner. Beim Menschen verlaufe eine Infektion normalerweise auch ohne erkennbare Symptome.

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Äußerlich erkennbar ist eine Erkrankung oft an struppigem Gefieder und hellen Verfärbungen im Bereich von Hals und Kopf. Beobachtet wurden auch schon taumelnde und apathische Tiere. So hat Elke Niemand in ihrem Garten kürzlich eine Amsel bemerkt, die „stundenlang da auf dem Rasen stand“. Darüber hinaus habe sie in den vergangenen Wochen zwei verendete Amseln entdeckt. Da sie zu jenem Zeitpunkt noch nichts von einem verstärkten Sterben der Singvögel gehört hatte, untersuchte die Oesselserin die Kadaver nicht näher und weiß deshalb nicht, ob sie die einschlägigen Symptome aufwiesen.

Das war jedoch bei einem Exemplar der Fall, dass Rainer Picht vom Laatzener Nabu auffiel. Im Naturschutzzentrum Alte Feuerwache in Grasdorf seien außerdem schon mehrere Vögel abgegeben worden, berichtet er. Einer sei zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten in Hamburg geschickt worden. Ein Ergebnis sei noch nicht bekannt.

Nach Angaben von Regionssprecherin Pförtner kann das Virus zwar eigentlich nicht durch eine Berührung von Vögeln übertragen werden. Dennoch raten Picht und der Nabu dazu, Einweghandschuhe oder eine übergestülpte Plastiktüte zu benutzen, wenn man einen toten Vogel anfasse. Erkrankte Tiere solle man auf keinen Fall mit ins Haus nehmen, um sie zu pflegen.

Von Thomas Böger

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