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Umland Laatzen Nachrichten Dürfen Eltern in Kitas betreuen?
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18:53 02.06.2015
„Der Streik soll beendet werden. Ich will wieder in den Hort“: Nicht nur Krippen- und Kindergartenkinder sowie deren Familien sind von dem Kita-Streik betroffen. Auch Hortkinder werden seit drei Wochen nicht mehr wie gewohnt nach Schulschluss betreut.
„Der Streik soll beendet werden. Ich will wieder in den Hort“: Nicht nur Krippen- und Kindergartenkinder sowie deren Familien sind von dem Kita-Streik betroffen. Auch Hortkinder werden seit drei Wochen nicht mehr wie gewohnt nach Schulschluss betreut. Quelle: Astrid Köhler
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Laatzen

Der Ruf nach der Öffnung städtischer Kitas war bei der Demonstration am Montag nicht zu überhören. Auch verstand keiner, warum diese Betreuungsform in Zeiten des Kita-Streiks zwar in der Landeshauptstadt inzwischen möglich sein sollte, in Laatzen aber nicht. Bürgermeister Jürgen Köhne hatte angekündigt, Informationen einzuholen. Ergebnis: Die Öffnung wird geprüft, am Donnerstag soll darüber entschieden werden.

„Wir haben erfahren, dass es Eltern geben muss, die Betreuung verantwortlich organisieren und dass diese die Stadt komplett aus allen haftungsrechtlichen Fragen entlassen haben“, erklärte der Laatzener Stadtsprecher Matthias Brinkmann am Dienstag. Es müsse von den Eltern ein Hauptverantwortlicher benannt werden. Die Kinder können nur in ihren jeweiligen Einrichtungen und von den dazugehörigen Eltern betreut werden: maximal fünf pro Elternteil.

In Hannover sei den Eltern klar gemacht worden, dass ihre Kinder während der Elternbetreuung nicht versichert sind. Das alles sei mit den Eltern schriftlich besprochen und vereinbart worden. „Die Vereinbarung liegt uns im Augenblick noch nicht vor“, sagte Brinkmann gestern. Im Laufe des Mittwochs wolle die Verwaltung zu einer eigenen rechtlichen Bewertung bezüglich der Kita-Öffnung kommen.

„Es gibt Eltern, die danach fragen“, sagte Brinkmann. Konkrete Anfragen von Müttern und Vätern lägen noch nicht vor, was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Bedingungen bisher nicht bekannt waren.

Die Stadt Hannover hat diesen Schritt schon hinter sich. „Wir haben die Öffnung rechtlich geprüft, und unsere Juristen haben gesagt: Das kann man machen“, sagte Sprecherin Konstanze Kalmus von der Landeshauptstadt Hannover. Die Eltern sind für Haftungsfragen zuständig, die Stadt hat weiterhin das Hausrecht und ist verantwortlich für das Gebäude. Auch die Schlüsselgewalt sei geregelt. Das nicht streikende, hauswirtschaftliche Personal schließt die Einrichtungen auf und zu. Hannover ist kein Einzelfall.

Der Erzieher-Streik in den städtischen Kitas von Hemmingen und seine Folgen: Eltern übernehmen in Kürze die Betreuung in der Kindertagesstätte Arnum II am Laubeichenfeld. Die Einrichtung mit 58 Plätzen wird komplett bestreikt. Die Eltern arbeiten nach Auskunft von Jennifer Osaj, einer betroffenen Mutter, zurzeit einen Dienstplan aus. Die Stadtverwaltung hatte zuvor rechtliche Fragen und den Versicherungsschutz geprüft. Das Ergebnis: Die Betreuung in den Kita-Räumen ist möglich, allerdings müssen die Eltern sie selbst organisieren und leisten – auf eigene Verantwortung. Jennifer Osaj erläutert: „Die Vereinbarung beinhaltet die Nutzung von einem Kindergartenraum, dem Waschraum sowie der Küche.“ Die Eltern wollen eine Betreuung von 9 bis ?13 Uhr anbieten. „Hierbei handelt es sich um eine Betreuung für die Jungen und Mädchen, die bislang noch in keiner Betreuung sind. Wir möchten, dass alle Eltern, die ihre Kinder betreuen lassen, auch aushelfen.“ In Hemmingen werden mittlerweile einige städtische Kitas seit dem 8. Mai tageweise oder ganz bestreikt. Neben Arnum II ist diese Woche nur der Betrieb in der Integrativen Kita in Hemmingen-Westerfeld eingeschränkt.

 Von Astrid Köhler und Andreas Zimmer