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Umland Laatzen Nachrichten Nach Jahrzehnten nisten wieder Störche im Ort
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00:44 29.04.2018
Ein Storchenpaar hat sich auf dem Schornstein auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei zwischen der Straße Am Springborn in Rethen und der Nordstraße in Gleidingen niedergelassen. Dort bauen die beiden Tiere derzeit ein Nest. Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de
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Gleidingen

 Nach Jahrzehnten der Abstinenz scheinen sich erstmals wieder Störche in Gleidingen niederzulassen. Seit einigen Tagen werden dort zwei Vögel beobachtet, die auf einem alten Schornstein im rückwärtigen Gelände der Straßen Am Springborn und Nordstraße sowie unweit des früheren Hotels 64 mit dem Nestbau begonnen haben.

Standort des Nestes der Gleidinger Störche. Quelle: HAZ/Google

Ästeweise und Schicht für Schicht wächst das Nest auf dem etwa acht Meter hohen Schornstein. „Die Störche sind noch am Bauen“, sagt Leser Achim Creter am Donnerstag, dem das Paar erstmals am Wochenende aufgefallen war oder der nun das Treiben von der Terrasse aus beobachtet. Ihn würde es freuen, wenn die Störche blieben. 

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„Man muss abwarten“, sagt der Grasdorfer Storchenexperte Jürgern Körber, der dem Weißstorchbeauftragten der Region Reinhard Löhmer zuarbeitet. Fakt sei, dass in Gleidingen zwei unberingte, etwa zwei oder drei Jahre alte Störche mit dem Bauen begonnen hätten: auf einer Wiese direkt bei einer Hochspannungsleitung. Bezüglich ihres Nahrungshabitates hätten die Störche „echt schlechte Karten“, so Körber, der auf die dichte Bebauung, die landschaftliche Situation östlich der Bundesstraße 6 sowie die Konkurrenz von mehreren weiteren Storchenpaaren in der Leinemasch verweist. Entschieden sei über das Schicksal der Gleidinger Störche gleichwohl noch nichts, so Körber. Er schätzte die Chancen für deren Bruterfolg mit „50 zu 50“ ein.  

Die „Verlobten“ sind gut im Zeitplan

"Ich schätze die Chancen 50 zu 50 ein": Jürgen Körber ist skeptisch und hoffnungsfroh, dass die Gleidinger Störche trotz des schwierigen Standortes auf einem Schornstein inmitten der Bebauung erfolgreich brüten. Quelle: Körber

Körber verweist auf die Faustformel, wonach Störche bis etwa zum 15. Mai fertig sein müssten, um ihrer inneren Uhr folgend mit der Brut zu beginnen und rechtzeitig bis zum Abflug im September mit der Aufzucht der Jungen fertig zu sein. Immerhin lägen die beiden „Verlobten“ bezüglich des Nestbaus gut im Zeitplan. 

„In Gleidingen hat es lange keine Störche gegeben“, sagt der Weißstorchbeauftragte Löhmer. Der letzte Bruterfolg liege seiner Erinnerung nach schon mehr als vier Jahrzehnte zurück: etwa Anfang der Siebzigerjahre. 

Der ehemalige AES-Lehrer Friedrich Rehmer aus Gleidingen weiß selbst noch von einen Nestbauversuch Mitte der Achtzigerjahre zu berichten, den er von seinem Haus aus beobachten konnte. Seinerzeit habe ein Storch damit begonnen, Nistmaterial zu einem alten Strommasten auf einer Pferdewiese am Rande der Bebauung der Ritterstraße zu tragen. Zur Nahrungssuche wurde diese mitunter feuchte Wiese immer wieder von Störchen aufgesucht. Häuslich niedergelassen hatte sich dort aber nie ein Paar.

Löhmer: „Die Zahl der Paare nimmt zu“

Dass nun in Gleidingen erneut ein Paar sein Glück versucht, ist für den Weißstorchbeauftragten der Region nichts ungewöhnliches: „Es ist nachwievor ein Boom im Bestand, der dazu führt dass die Zahl der Paare zunimmt.“ In allen Ecken und Enden fingen nun Störche an ohne Nisthilfe zu bauen. Auch in Koldingen habe ein Storchenpaar dieser Tage ein neues Nest auf einem Schornstein angelegt, so Löhmer

Normalerweise sei ein Storch erst mit drei Jahren geschlechtsreif, erklärt der Weißstorchbeauftragte Löhmer. Dieser Zeitpunkt habe sich in den letzten zwei Jahrzehnten nach vorn verschoben – „speziell bei den Westziehern“. Inzwischen gebe es auch zweijährige Störche, die erfolgreich brüteten. Andere kämpften oder trieben sich herum. Es bleibe abzuwarten, wie erfolgreich die jeweiligen Nist- und Brutversuche verlaufen, so Löhmer.

Einen besonders guten Blick auf die Störche hat die Familie Seidel, die an der Straße Am Springborn in Rethen wohnt. Vom Balkon aus kann sie aus kurzer Entfernung dabei zuschauen, wie die großen Vögel Zweige und Gräser von der benachbarten Wiese aufsammeln und damit auf dem Schornstein ihr Nest bauen.

Ein Storchenpaar hat sich auf dem Schornstein zwischen der Straße Am Springborn in Rethen und der Nordstraße in Gleidingen niedergelassen. Dort bauen die beiden Tiere derzeit ein Nest.

Von Astrid Köhler