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Nachrichten „Flying Doctors“ organisieren Ausstellung im Luftfahrtmuseum
Umland Laatzen Nachrichten „Flying Doctors“ organisieren Ausstellung im Luftfahrtmuseum
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21:10 14.04.2010
Mit dem Flugzeug Hilfe bringen: Die Organisation AMREF hat im Laatzener Luftfahrtmuseum über ihre Arbeit berichtet.
Mit dem Flugzeug Hilfe bringen: Die Organisation AMREF hat im Laatzener Luftfahrtmuseum über ihre Arbeit berichtet. Quelle: Martin Steiner
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Eigentlich könnte man die Hilfsorganisation AMREF – Flying Doctors als hannoversche Organisation bezeichnen. Der Direktor des deutschen Büros, Marcus Leonhardt stammt aus Hannover, die Leiterin des Rettungsservice der fliegenden Ärzte, Bettina Vadera, ist hier aufgewachsen und auch die Gründerin der deutschen Niederlassung, Leonore Semler, ist in den Stadtteilen Döhren und Kirchrode groß geworden.

Am Mittwoch kehrten nun alle drei in ihre alte Heimat zurück: Die Hilfsorganisation hatte im Laatzener Luftfahrtmuseum zu einem Symposium unter dem Titel „Patient (in) Afrika – ein hoffnungsloser Fall?“ eingeladen. Anlass ist die Eröffnung einer Ausstellung, die in dem Museum in den kommenden drei Wochen über die Arbeit der „Flying Doctors“ informiert. Moderiert wurde die Auftaktveranstaltung von der Fernsehjournalistin Katrin Sandmann, die ebenfalls von der Leine stammt.

Für die Eröffnung hatte AMREF eine prominente Eröffnungsrednerin gewinnen können: Die FDP-Politikerin und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Silvana Koch-Mehrin. Sie hat selbst als Kind in Afrika gelebt. Koch-Mehrin appellierte vor rund 75 Teilnehmern des Symposiums, den Menschen in Afrika eine echte Perspektive zu geben. „Man muss es schaffen, dass die Menschen dort bleiben, wo sie am liebsten bleiben möchten, nämlich in Afrika“, sagte sie.

Die Leiterin des Rettungsservice in der kenianischen Hauptstadt, Bettina Vadera, berichtete von den Schwierigkeiten, die die fliegenden Ärzte in Ostafrika bei ihren Rettungseinsätzen haben. Als Beispiele nannte sie die fehlende technische Ausstattung der kleinen Spitäler im Busch oder die schlechten und zu kurzen Landebahnen, meist nur eine Sandpiste, auf der oft auch noch Tiere lagerten.

Für den deutschen AMREF-Direktor Marcus Leonhardt, der Ausstellung und Symposium organisiert hat, geht es vor allem darum, die Hilfsorganisation in Deutschland so bekannt zu machen, wie sie es beispielsweise in Italien oder in den Niederlanden bereits ist. AMREF hat ihren Sitz in Nairobi, 95 Prozent der rund 800 Mitarbeiter sind Afrikaner.

In der Laatzener Sonderausstellung ist unter anderem ein kleines Flugzeug mit medizinischen Geräten aufgebaut, das scheinbar gerade im afrikanischen Busch gelandet ist. Dazu kommen viele Stelltafeln und Plakate, die über die Geschichte und die Arbeit der Flugärzte informieren.

Die Hilfsorganisation schickt nicht nur Ärzte in die entlegenen Gebiete Afrika, sondern bemüht sich auch in anderen Projekten um die Gesundheit der Afrikaner. Zum Beispiel wird in Dörfern auf traditionelle Art die Benutzung von Kondomen zur Vermeidung einer HIV-Infektion empfohlen, Schulkinder erfahren von AMREF-Mitarbeitern, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Latrinen zu benutzen. Die Organisation baut zudem Brunnen, damit die Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Hinzu kommt die Aus- und Fortbildung von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen.

„Es ist wunderbar, sich für Afrika zu engagieren“, berichtete die Gründerin der deutschen Niederlassung, Leonore Semmler, am Rande der Veranstaltung. Die Menschen dort hätten Ethik, Moral, Bescheidenheit und Würde, sagte die 88-Jährige, die seit fast 50 Jahren bei AMREF dabei ist. „Das sind Eigenschaften, die bei uns alle langsam verloren gehen“, meinte sie. Die 88-Jährige ist jetzt Ehrenpräsidentin, dennoch ist die gebürtige Hannoveranerin aber noch immer ganz bei der Sache. „Ich mache das Fundraising“, sagte sie. Sie schreibt an potentielle Spender und bittet um Geld. „Ich kann das sehr gut, weil ich meine Briefe sehr engagiert schreibe“, sagte sie über sich selbst.

Aber es sei nicht mehr einfach, für eine in Deutschland kleinere Organisation an Spenden zu kommen, meinte die Ehrenpräsidentin. „Durch die Fernsehgalas mit Spendenaufrufen ist die Spendenkultur bei uns verdorben.“

Mathias Klein