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Umland Laatzen Nachrichten Sirenenlärm ist manchmal unvermeidbar
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19:32 11.01.2015
Von Daniel Junker
Ortsbrandmeister Klaus-Dieter Wichmann (re.) und sein Stellvertreter Sebastian Osterwald im Interview. Quelle: Daniel Junker

Herr Wichmann, sie sind seit einem Jahr Ortsbrandmeister von Laatzen. Wie ist das Jahr aus Ihrer Sicht gelaufen?

Klaus-Dieter Wichmann: Insgesamt ist das Jahr sehr gut gelaufen. Wir haben viele Dinge umgesetzt, die wir uns vorgenommen haben. Wir haben im Feuerwehrhaus die Technik verbessert, und wir haben auch an der Struktur der Ortsfeuerwehr gearbeitet. Ein Highlight war, dass wir das neue LF16 bekommen haben. Und wir haben die Verabschiedung meines Vorgängers Peter Becker gefeiert. Das war aber so gesehen kein Highlight, denn wir haben uns natürlich nicht darüber gefreut, dass er das Amt abgegeben hat. Es war eben eine Verabschiedung.

Inwiefern haben Sie an der Struktur gearbeitet?

Wichmann: Wir haben neue Fachgebiete für Führungskräfte eingeführt, zum Beispiel für die Dienstbereiche Gebäudetechnik, die Einsatztechnik, die EDV und auch für die Ausbildung. Wir haben jeweils jemanden von den Zugführern als dazu gesetzt, die das Fachgebiet leiten, sozusagen als Oberlenker.

Das heißt, sie haben eine neue Leitungsstruktur entwickelt?

Sebastian Osterwald: Die Verantwortung ist jetzt auf mehrere Schultern verteilt, wir haben die Verantwortlichkeiten delegiert.

Was muss noch gemacht werden?

Wichmann: Als erstes haben wir uns die Nachwuchsgewinnung auf die Fahnen geschrieben. Unsere Jugendfeuerwehr und auch die Kinderfeuerwehr stehen zwar sehr gut da, wir müssen aber immer am Ball bleiben.

Osterwald: Wir haben einen Altersdurchschnitt von 34,4 Jahren, damit sind wir im landesweiten Vergleich ziemlich gut und jung aufgestellt. Wir wollen uns darauf aber nicht ausruhen. Deshalb werden wir die Öffentlichkeitsarbeit noch verstärken, auch im Rahmen des diesjährigen 50. Geburtstags unserer Jugendfeuerwehr. Am 18. Juli ist die Jubiläumsfeier, und auch die Stadtpokalwettkämpfe werden in diesem Jahr in Laatzen sein. Und 2016 wird es mit Sicherheit einen Tag der offenen Tür geben. Wir wollen noch aktiver auf die Leute zugehen.

Ein ganz anderen Thema: 2014 gab es 326 Einsätze, das hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu die Waage gehalten. Die Zahl erscheint sehr hoch, auch im Vergleich zur Region. Wie hoch bewerten Sie die Belastung für die Einsatzkräfte?

Wichmann: Es gibt natürlich viele Einsätze, zu denen wir nicht mit allen Leuten ausrücken müssen. Die Belastung ist seit vielen Jahren gleich geblieben. Wir kennen das nicht anderes. Wir sind außerdem eine Schwerpunktfeuerwehr. Das Laatzener Stadtgebiet ist nicht riesengroß, aber wir haben eine hoche Zahl von Mitbürgern, die direkt im Ortskern wohnen. Dadurch kommt es auch zu dieser hohen Anzahl von Einsätzen.

Osterwald: Hier leben viele Einwohner auf engstem Raum, also im großstädtischen Gepräge. Wir hatten allein 30 Einsätze mit Türöffnungen, bei denen wir dem Rettungsdienst den Zugang in die Wohnung ermöglicht haben. Viele Nachbarn haben keinen Zweitschlüssel, das liegt an der anonymen Struktur.

Es scheint, als hätte es insbesondere in den vergangenen Wochen eine große Anzahl schwerer Unfälle gegeben, zum Teil auch mit Toten. Steigt diese Zahl in Laatzen?

Wichmann: Ich bin der Meinung, dass es Zufall gewesen ist, dass sich die schweren Unfälle am Jahresende gehäuft haben. Über das Jahr verteilt war es nicht so schlimm.

Osterwald: Wenn man die letzten 15 bis 20 Jahren betrachtet, ist die Anzahl der schweren Unfälle sogar zurückgegangen. Vor dem Ausbau der Autobahn 7 für die Expo war es wesentlich schlimmer. Seitdem ist es dort relativ ruhig.

Wie gehen die Helfer mit Situationen um, in denen Menschen ums Leben kommen?

Wichmann: Wir können unsere Leute kaum darauf vorbereiten. Wir setzen uns aber grundsätzlich nach schweren Einsätzen – egal ob mit Schwerverletzten oder Toten - im Feuerwehrhaus zusammen und sprechen noch einmal darüber. Wir versuchen auch festzustellen, ob der Einsatz die Kameraden psychisch belastet. Wir haben gottseidank Seelsorger. Pastor Burkhard Straeck und Martina Soßdorf unterstützen uns da sehr.

Osterwald: In der Ausbildung hat Herr Straeck hier mal einen Vortrag gehalten. Als wir in der Flemingstraße den Einsatz mit einem Toten hatten hatten wir bemerkt, dass die Einsatzsituation einen Kameraden stärker belastet hat. In diesem Fall kam Frau Soßdorf zu einem Nachsorgegespräch. Es ist aber sehr selten der Fall, dass wir direkt von der Einsatzstelle schon einen Seelsorger bestellen, der uns in der Nachbesprechung professionell begleitet. Dabei ist es in diesem Fall auch geblieben, es war keine weitere Nachsorge mehr nötig. Wir sagen aber: Wehret den Anfängen.

Sie haben in diesem Jahr das neue LF10 bekommen. Warum war das notwendig?

Wichmann: Das alte LF8 war 26 Jahre alt, damit war natürlich auch die Technik total veraltet. Das sind Welten. Das LF10 hat zum Beispiel einen Wassertank für den Erstangriff, einen hydraulischen Hebesatz zum Retten aus verunfallten Fahrzeugen, und wir haben Atemschutz, den wir direkt im Fahrzeug anlegen können.

Die Feuerwehr hat ihren Alarmplan geändert. Die Sirenen heulen jetzt nur noch bei größeren Einsätzen. Sie hatten in ihrem Jahresrückblick zudem gesagt, dass sich Leute über die Lautstärke der Sirenen beschwert haben, und dass es künftig weniger Sirenen geben könnte, weil Wohnungsgesellschaften Standorte gekündigt haben. Inwiefern ist das für die Feuerwehr problematisch?

Wichmann: Wir werden jetzt über Funkalarmempfänger alarmiert. Wenn diese Empfänger aber mal ausfallen sollten haben wir keine Rückfallebene mehr. Wir würden also nicht mehr alarmiert werden können. Über die Sirenen ginge das dann auch nicht mehr. Außerdem gab es früher mal den Katastrophenschutz, bei dem die Bevölkerung über Sirenen gewarnt wurde. Aber was passiert, wenn wir mal einen Stromausfall haben?

Osterwald: Man muss zwar keinen Angst mehr vor Luftangriffen haben, aber allein schon die Starkregenereignisse im August zeigen, dass man vor Katastrophen nicht gefeit ist. Man muss eine Möglichkeit haben, die Bevölkerung zu warnen. Natürlich gibt es die neuen Medien wie Facebook und Twitter. Die kann man aber nicht nachts um drei Uhr nutzen, oder zumindest nur sehr eingeschränkt.

Weiß die Bevölkerung überhaupt noch, wie eine Sirene im Katastrophenfall klingt?

Osterwald: Nein, ich wüsste es jetzt gerade auch nicht mehr (lacht). Aber die Bevölkerung würde zumindest aufmerksam werden. Und dank Rundfunk und der neuen Medien würde man sie dann auch schnell erreichen und könnte die Situation mitteilen. Dann können sich die Leute informieren, was los ist.

Wichmann: In Katastrophenfällen laufen die Sirenen auch länger.

Osterwald: Das Problem ist der Stadt bewusst, das hat Herr Köhne bei der Hauptversammlung ja auch bestätigt. Die Stadt bemüht sich, alternative Standorte zu finden. Aber insgesamt ist die Entwicklung schon problematisch.

Was steht in den nächsten Jahren neben dem Ausbau der Jugendarbeit noch an?

Osterwald: Es wird noch eine Ersatzbeschaffung für ein Fahrzeug geben. Im Haushalt sind Gelder eingestellt für ein LF20, das soll unser LF16 aus dem Jahr 1989 ersetzen. Es gibt nicht nur an den Schulgebäuden einen Sanierungsstau, sondern zum Teil auch an unseren Fahrzeugen. Den müssen wir abarbeiten. Es gibt in den Dörfern viele freiwillige Feuerwehren, die noch sehr alte Fahrzeuge haben. Man darf aber nicht vergessen, dass wir im regionsweiten Vergleich überproportional viele Einsätze fahren. Dadurch ist der Verschleiß höher, und wir sind natürlich auch auf moderne Technik angewiesen. Wir fahren manchmal soviel Einsätze in einem Monat wie manch andere Feuerwehr in 20 Jahren. Das darf man nicht vergessen. 

Marcus Unger kandidiert nicht mehr

Die Feuerwehr Harkenbleck wird im Februar einen neuen Ortsbrandmeister wählen. Die sechsjährige Amtszeit von Marcus Unger endet dieses Jahr, und er will aus persönlichen Gründen nicht erneut kandidieren. Das sagte er in der Jahresversammlung der Feuerwehr vor etwa 120 Gästen am Freitagabend im Gerätehaus. Es habe auf der Kommandoebene aber bereits Gespräche gegeben, so dass sich intern bereits ein möglicher Nachfolger abzeichnet. 

Insgesamt 274 Mitglieder gehören zur Feuerwehr, von denen 45 in der aktiven Abteilung sind. Sie hatten im vergangenen Jahr 21 Einsätze. Dabei wurden die vielen Dienste wegen des Starkregens in der Nacht zum 5. August jedoch als ein Einsatz zusammengefasst.

Der stellvertretende Stadtbrandmeister Ralf Brinkmann ehrte Andreas Immisch für seine 40-jährige Dienstzeit. Seine Anerkennung sprach er weiterhin vier Mitgliedern aus der Altersabteilung für langjährige Mitgliedsschaft aus: Heinz Hoppe (60 Jahre), Walter Hartje sowie Hans-Otto Madsack und Alfred Winter (jeweils 50 Jahre).

Im Sportheim des SV Koldingen blickte Ortsbrandmeister Hans-Heinrich Schnehage junior auf das vergangene Jahr zurück. Die 112 Mitglieder zählende Ortswehr habe dabei mit ihren 35 Aktiven insgesamt 14 Einsätze gehabt, darunter auch zwei Gaststättenbrände – einen im Ort und einen in Schulenburg. Hans-Heinrich Schnehage senior wurde für 50 Jahre bei der Feuerwehr ausgezeichnet und Nils Goeldel für 25-jährige Mitgliedschaft. 

So wie der Koldinger Ortsbrandmeister auf die 2014 gestiegene Zahl von Unterstützungen für andere Ortswehren bei außerörtlichen Einsätzen hinwies, zog auch Ortsbrandmeister Jens Beier in der Gaststätte Bortfeld/Ihsen in Hüpede eine ähnliche Bilanz. Insgesamt 11 Einsätze zählten die 41 aktiven Feuerwehrleute bei 374 Mitgliedern im Jahr 2014. Da Hüpede die zweitgrößte Atemschutzgeräte-Truppe im Stadtgebiet stellt, hätten deren Mitglieder auch oft bei Einsätzen in Nachbarorten ausgeholfen. 

Karl Oberschilp hält der Feuerwehr seit 60 Jahren die Treue. Dafür wurde er an dem Abend ebenso ausgezeichnet wie Heinrich Mensing und Rolf Rodermann für jeweils 50-jährige Mitgliedschaft und sieben weitere Mitglieder, die seit 40 Jahren dabei sind.

li/tl

Ehrenzeichen für Becker und Lüttge

Laatzen: Die Feuerwehrleute Karin Becker und Ingo Lüttge (links) sind mit dem niedersächsischen Ehrenzeichen für ihre langjährigen Verdienste für die Feuerwehr ausgezeichnet worden. Brandschutzabschnittsleiter Eric Pahlke heftete ihnen die Ehrennadel ans Revers. Dabei dankte er Becker und Lüttge für ihren „unermüdlichen Einsatz“. Zudem erhielten sie eine Zusatzurkunde von der Region.dj

Ehrennadel für Harald Mittendorf

Arnum: Für seine mehrjährige Tätigkeit als Gruppenführer - das Amt übt er seit 1997 aus - und seine überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft wurde dem Arnumer Feuerwehrmann Harald Mittendorf (links) die Ehrennadel für verdiente Personen des Niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes verliehen. Mittendorf habe seine Aufgaben vorbildlich wahrgenommen, lobte Brandschutzabschnittsleiter Eric Pahlke.dj

Ehrenmitgliedschaft für Ulrich Bölke

Arnum: Ulrich Bölke (links) ist jetzt Ehrenmitglied der Feuerwehr. Damit würdigten die Arnumer das Engagement ihres langjährigen Kameraden, der 1976 aus beruflichen Gründen seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr antrat. Als Schornsteinfegermeister musste Bölke Mitglied einer Feuerwehr werden. Er sei aber stets „mit vollem Herzen“ im Dienst gewesen, betonte er. Ortsbrandmeister Frank Boßdorf und sein Stellvertreter Marcus Obst lobten Bölke für sein Engagement.

dj

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