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Umland Laatzen Nachrichten Nach Aldi-Einsturz: Staatsanwaltschaft ermittelt
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00:17 04.08.2017
Von Johannes Dorndorf
Dachdecker entfernen die Ziegel des Aldi-Dachs, um dem angekündigten Unwetter keine Angriffsfläche zu bieten.
Dachdecker entfernen die Ziegel des Aldi-Dachs, um dem angekündigten Unwetter keine Angriffsfläche zu bieten. Quelle: Dorndorf
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Grasdorf

"Es ist aus bislang völlig unbekannten Gründen ein Dach eingestürzt. Natürlich muss geprüft werden, warum das passiert ist", sagte Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover. "Es ist kurz nach Ladenschluss passiert, so dass es dem Zufall überlassen war, dass es dabei zu keinen Verletzten oder Schlimmerem gekommen ist". Konkret wird wegen des Verdachts ermittelt, dass bei Planung oder Ausführung von Arbeiten am Gebäude gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstoßen wurde.

Das Dach eines Aldi-Markts bei Hannover ist eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren weder Kunden noch Mitarbeiter im Gebäude.

Wegen der angekündigten Unwetter hatte die Stadt die eigentlich für Mittwoch geplante Begutachtung des Gebäudes durch einen Sachverständigen vorziehen lassen. Nach Auskunft von Stadtbaurat Axel Grüning habe man sich darauf verständigt, dass Aldi zunächst die Ziegel und die Dachfolie entfernen lässt. "Damit soll verhindert werden, dass bei einem möglichen Sturm oder Gewitter Teile des Dachs wegfliegen und so eine Gefahr für Anwohner und Häuser werden", ergänzte Florian Scholbeck, Unternehmenssprecher von Aldi Nord. Die Mauern des Aldi-Markts seien nach Einschätzung des Experten hingegen nicht einsturzgefährdet und nahezu unbeschädigt.

Am späten Sonnabend ist das Dach eines Aldi-Markts an der Hildesheimer Straße in Laatzen eingestürzt. Wie es zu dem Vorfall gekommen ist und ob sich zu dem Zeitpunkt Personen im Markt aufgehalten haben, war zunächst unklar.

Die Arbeiten dienen laut Grüning auch dazu, die derzeit noch von den Ziegeln und der Folie verdeckte Dachkonstruktion offen zu legen. "Damit lassen sich Rückschlüsse ziehen, an welchen Stellen die Konstruktion gebrochen und an welchen Stellen Verbindungselemente befinden". Außerdem soll die Verkleidung der Giebel-Holzwand entfernt werden.

Am Mittwoch werden die Sachverständigen von der TU Braunschweig erneut in Laatzen erwartet, um das Dach in Augenschein zu nehmen. "Dann werden wir entscheiden, ob wir die Sperrung der Hildesheimer Straße aufrecht erhalten", sagt Grüning. Gehe vom Giebel keine Gefahr aus, könne die Straße im besten Fall schon am Nachmittag wieder freigegeben werden. 

Noch am Dienstagnachmittag begannen die von Aldi beauftragten Dachdecker mit den Arbeiten. Dabei durften sie das gesperrte Gebäude allerdings weder betreten noch das das Dach besteigen: Von einem Hubsteiger und der Drehleiter der Laatzener Feuerwehr aus rissen die Handwerker die Ziegel herunter und warfen sie zu Boden. Im zweiten Schritt sollte dann noch die Dachfolie zerschnitten werden, um dem Wind keine Angriffsfläche zu bieten.

Die Ursache des Unglück bleibt unterdessen unklar. Die Stadt als Baugenehmigungsbehörde hat die Baugenehmigungsunterlagen und die Eingabe- und Prüfpläne inzwischen an den Sachverständigen übergeben. "Erst nach einem Studium dieser Unterlagen kann nach den Worten des Experten eine weitere Untersuchung vor Ort stattfinden", heißt es bei Aldi. Da inzwischen die Staatsanwaltschaft ermittelt, arbeiteten die Gutachter laut Stadtbaurat Grüning inzwischen in deren Auftrag.

Aldi hat unterdessen am Dienstag bekannt gegeben, dass nicht nur am Grasdorfer Aldi-Markt im Jahr 2014 Dacharbeiten stattgefunden haben. "In den Jahren 2010 bis 2015 wurden alle Märkte von Aldi Nord mit Satteldach einer Dachsanierung unterzogen", sagt Scholbeck. Jedes Dach werde darüber hinaus regelmäßig einmal im Jahr durch einen Sachverständigen geprüft. "Aufgrund des aktuellen Falls sind alle Regionalgesellschaften von Aldi Nord zusätzlich angehalten, die gut 1200 Märkte mit Satteldach zeitnah zu überprüfen." Welche Arbeiten in Grasdorf genau durchgeführt wurden und ob ein Zusammenhang mit dem Einsturz besteht, war am Dienstag nicht zu erfahren. Das Unternehmen hatte am Montag erklärt, es seien "kleinere Mängel am Dach" beseitigt worden. Die Ausführung sei von einem externen Sachverständigen überprüft worden.

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