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Umland Laatzen Nachrichten Idee: Stadtbus fährt im Ringverkehr wichtige Ziele an
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00:31 07.05.2018
Planer Heinz Mazur (Zweiter von links) vom Büro PGT diskutiert in Rethen mit Anliegern, Bürgern und Ortsratsvertretern über den Enwurf der Verkehrsentwicklungsplanung. Quelle: Astrid Köhler
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Rethen

 In der Vision der Planern gibt es den Stadtbus Laatzen schon. Er fährt im Halbstundentakt und Ringverkehr – jeweils ein Bus pro Richtung – wichtige Punkte in Laatzen an: das Leine-Center, die beiden Schulzentren (AES und EKS), das Gewerbegebiet Rethen, den bestehenden und den geplanten S-Bahnhof in Rethen und am Neuen Schlag sowie die Wohngebiete in Rethen, Laatzen-Mitte und Grasdorf. In Nord-Süd-Richtung sei Laatzen zwar gut mit der Stadtbahn erschlossen, sagte Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT am Donnerstag bei der Vorstellung des Entwurfs für den Laatzener Verkehrsentwicklungplan vor rund 40 Zuhörern in Rethen. Nachholbedarf gebe es hingegen bei den Querverbindungen. 

So könnte die Linienführung für einen Stadtbus in Laatzen aussehen Quelle: Quelle: PGT Umwelt und Verkehr GmbH

Ein Stadtbus, so wie er bereits in Wunstorf und Barsinghausen fährt, löse nicht nur das Problem der Querverbindungen, sondern biete auch mehr Möglichkeiten als die derzeitigen regionalen Buslinien, sagte Mazur. Als Beispiel nannte er kürzere Taktzeiten. Zudem ist der Stadtbus ein Baustein, um den Anteil des Kraftfahrzeugverkehrs in Laatzen (55 Prozent) wie gewünscht zu senken und mehr Menschen dazu zu bringen, öffentliche Verkehrsmittel (13 Prozent) zu nutzen, Fahrrad zu fahren (12) oder zu laufen (20). 

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Der letzte vollständige Verkehrsentwicklungsplan Laatzens stammt noch aus dem Jahr 1978 und war stark aufs Autofahren ausgelegt. Radfahren habe seitdem an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt mit der Verbreitung von Elektorfahrrädern, so Mazur. Wer früher nur zum Einkaufen fuhr, könne nun problemlos 30 Kilometer und mehr zurücklegen.

Schmale Rad- und Gehwege

Die in Rethen vorhandenen Rad- und Gehwege reichten vom Platz häufig nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer mit oder ohne Kinderwagen, Rollator und elektrischen Rollstühlen gerecht zu werden. Auch die Barrierefreiheit gelte es, in den Blick zu nehmen. Aufgrund der höheren Geschwindigkeitsunterschiede seien Fahrradfahrer – zumal schnell fahrende – besser auf der Straße aufgehoben. Durchgehende Verbindungen und klare Wegeführungen fehlt aber, stellt Mazur fest: „Der Handlungsbedarf ist ganz massiv.“ 

Für Rethen regt das Büro PGT neben einer Fahrradstraße von der Braunschweiger Straße bis zur Anbindung Erdbeerhof die Optimierung der Radführung an verschiedenen Knotenpunkten wie am Marktplatz und der Sehlwiese an. Fünf durchgehende Fahrradtrouten in fünf Jahren könnten ein Ziel sein, so Mazur: „Qualität geht dabei vor Quantität.“

Mittellinien entfernen

Die Mittellinien auf der Hildesheimer Straße sollen entfernt und mindestens einseitig ein sogenannter Radfahrschutzstreifen eingerichtet werden, ähnlich der Königsstraße in Hannover. Anders als bei einer separaten Radfahrspur (Celler Straße, Hannover) dürfen Kraftfahrzeuge Schutzstreifen befahren. Allerdings haben Radler Vorrang. Im Zweifelsfall müssten Autofahrer den Gegenverkehr abwarten, ehe sie überholten, so Mazur. Mehrere Zuhörer äußerten Bedenken, der Straßenverkehr könne zu stark verlangsamt werden. Mazur verwies auf positive Erfahrungen aus Hannover und eher geringe Verkehrszahlen in Rethen

Die Regionsverwaltung geht laut Mazur davon aus, dass sogar auf beiden Schutzstreifen möglich seien – auch an der neuralgischen Stelle an der Haltestelle Galgenbergweg. Mazur verwies auf die neueste Planung der Infrastrukturgesellschaft (Infra). Statt zwei Hochbahnsteigen soll es nur noch einen Mittelbahnsteig geben. Nachfragen und kritische Anmerkungen wiegelte er ab. Für die Haltestelle sei die Infra zuständig und diese werde den Plan am 15. Mai im Ortsrat öffentlich vorstellen. Fakt und umstritten bleibt: Werden beidseits der Hildesheimer Straße Fahrradschutzstreifen eingerichtet, ist kein Parken mehr möglich. 

Entlastung für Peiner Straße

Mit den neuen Wohngebieten an der Sehlwiese und Am Erdbeerhof wird der Verkehr in Rethen zunehmen. Als Entlastung für die Peiner Straße – die Planer schlagen dort aufgrund der Enge Tempo 30 vor – und Alternative zum B443-Anschluss der Hildesheimer Straße biete sich ein Durchstich zur Petermax-Müller-Straße und von dort zur Lüneburger Straße an. 

Barrierfreiheit ausbauen 

Das Thema Barrierefreiheit muss aus Sicht der Planer durchgehend mitgedacht werden und umfasst neben dem Umbau von Stadtbahn-, S-Bahn- oder Bushaltestellen auch die Ausstattung alle weitere Wegeverbindungen mindestens mit taktilen Elementen. Zu den Schlüsselmaßnahmen gehören für die Planer die Anbindung des Marktzentrums, des Verkehrsknotens am Bahnhof sowie der Haltestellen Pattenser Straße und Galgenbergweg.

Vierte Bürgerveranstaltung in Laatzen-Mitte

Der Präsentations- und Diskussionsabend in Rethen war bereits die dritte Bürgerveranstaltung zum Verkehrsentwicklungsplan, nach der in Ingeln-Oesselse und Gleidingen. Der vierte und letzte Termin ist am Mittwoch, 30. Mai, von 18 bis 21 Uhr im Erich-Kästner-Schulzentrum und beschäftigt sich dann schwerpunktmäßig mit Vorschlägen für Alt-Laatzen, Grasdorf und Laatzen-Mitte.

Die Ergebnisse aus der Bürgerbefragung sollen in die Planung mit eingearbeitet werden und der Verkehrsentwicklugnsplan den politischen Gremien dann voraussichtlich Ende 2018 zur Entscheidung vorgelegt werden.

Von Astrid Köhler