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Laatzen Superintendent Detlef Brandes geht und sieht Kirchenkreis gut aufgestellt
Umland Laatzen

Pattensen: Scheidender Superintendent Detlef Brandes sieht Kirchenkreis für Laatzen, Hemmingen, Pattensen und Springe gut aufgestellt

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18:27 25.10.2019
Neben der Kirche St. Lucas in Pattensen war der Amts- und Wohnsitz von Superintendent Detlef Brandes. Quelle: Kim Gallop
Pattensen/Laatzen

Wer nach 65 Jahren eine Art von Lebensbilanz zieht, dem fällt der eine oder andere schicksalhafte Zufall auf. So wie Detlef Brandes, dem scheidenden Superintendenten für den Kirchenkreis Laatzen-Springe, zu dem auch Pattensen und Hemmingen gehören.

So war die erste Pfarrstelle des jungen Geistlichen ausgerechnet in der Corvinuskirche in Hannover-Stöcken, wo er auch ordiniert wurde. Die letzte war in St. Lucas in Pattensen, wo Corvinus als Reformator gewirkt hat. Und dann hat es sich noch gefügt, dass der letzte offizielle Arbeitstag des ranghöchsten Protestanten im Kirchenkreis ausgerechnet auf den Reformationstag am Donnerstag, 31. Oktober, fällt. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin läuft.

Seit mehr als 18 Jahren ist Detlef Brandes Superintendent für den Kirchenkreis Laatzen-Springe. Wir haben einige aktuelle Bilder und weitere Bilder aus dem Archiv herausgesucht.

Brandes stammt aus einer Handwerkerfamilie

Dass er einmal ein hohes Kirchenamt ausfüllt, war dem jungen Brandes nicht in die Wiege gelegt. Er wurde in eine Handwerkerfamilie geboren, sein Vater war Dekorationsmaler. Auch die Brüder des Vaters und der Großvater waren Handwerksmeister. Brandes wuchs mit einem älteren Bruder in Lehrte-Ahlten auf. In dem evangelischen Elternhaus herrschte keine große Frömmigkeit. Er beschreibt es als „eine gesunde Volkskirchlichkeit“. „Es gehörte dazu, dass man zur Kirche ging, aber nicht jeden Sonntag.“

Der begabte Junge kam aufs Gymnasium in Lehrte. Das war Mitte der Sechzigerjahre nicht selbstverständlich. Die Eltern hätten es gern gesehen, wenn ihr Sohn eine Lehre gemacht und sein eigenes Geld verdient hätte. „Das rechne ich meinen Eltern hoch an“, sagt Brandes, „dass sie das möglich gemacht haben.“ Ob Mutter und Vater allerdings damals schon klar war, dass auf das Abitur 1972 ein – ebenso „brotloses“ – Studium folgen würde, das bezweifelt Brandes heute.

Evangelische Jugend prägt den jungen Mann

Eigentlich wollte er Chemie studieren. „Aber ich habe gespürt, dass mein stark ausgeprägtes naturwissenschaftliches Denken mich bei den wesentlichen Fragen nicht weiterführt.“ Deshalb studierte Brandes Theologie in Bethel/Bielefeld, Münster und Göttingen.

Auf die Frage nach der Berufswahl zählt er als Gründe mehrere Faktoren auf. Er habe auf dem Gymnasium guten Religionsunterricht gehabt und progressive Pastoren in der Heimatgemeinde. „Und ich bin in der evangelischen Jugend aufgewachsen“, sagt er. Er nahm an Tagungen und Seminaren teil. Die Umwelt war ein Thema, aber auch Afrika, Lateinamerika und besonders Nicaragua. In seinem Studium hat ihn die Ökumene beschäftigt, aber auch der Neubeginn der Kirche nach 1945 und die Aufarbeitung der Jahre davor.

Als prägende Erlebnisse nennt Brandes eine Zeit als Pflegekraft in der Psychiatrie unter den finsteren Bedingungen der damaligen Zeit sowie die seelsorgerische Arbeit mit Menschen in einem Obdachlosenheim. „Es ist eine wichtige Erfahrung, dass eigene Maßstäbe bei anderen Menschen nicht immer gelten.“

Mehrere Jahre als Schülerpastor gearbeitet

Neben weiteren Pfarrstellen hat Brandes auch mehrere Jahre als Schülerpastor im Landesjugendpfarramt gearbeitet und dann ab 1992 als Gemeindepastor in St. Petri in Hannover-Döhren. Zum Jobprofil gehörte immer der Umzug mit der ganzen Familie: Mit seiner Frau Kristine, die als Gymnasiallehrerin arbeitet, hat Brandes zwei Söhne.

In St. Petri war er an einer Zusammenarbeit von benachbarten Gemeinden beteiligt. „Das war im Stadtkirchenverband ein Novum“, sagt Brandes. Er übernahm unterschiedliche Führungsaufgaben wie das Amt des stellvertretenden Superintendenten für den Kirchenkreis Hannover-Süd, der im Rahmen einer Umstrukturierung aufgelöst wurde. „Nachdem ich diesen Kirchenkreis abgewickelt hatte, kam ein Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, in Pattensen Superintendent zu werden.“ Seine Bewerbung war erfolgreich, sodass der damals 46-Jährige sein Amt zum 1. Januar 2001 offiziell antrat.

Detlef Brandes tritt 2001 sein Amt als Superintendent für den Kirchenkreis Laatzen-Springe an. Quelle: HAZ-Archiv

Trauen, taufen, beerdigen nur noch selten

In den ersten Jahren gehörte auch ein Anteil als Gemeindepastor zu der Stellenbeschreibung, doch das wurde später geändert. Der Superintendent hat einen Predigtauftrag, aber trauen, taufen, beerdigen – „das Kerngeschäft eines Pfarrers“ –, dazu hatte er kaum mehr Zeit.

So ging der persönliche Kontakt zu den Mitgliedern der Gemeinden verloren. Er wurde ein Stück weit ersetzt – so hat es Brandes erfahren – durch den engen Kontakt zu den Haupt- und Ehrenamtlichen. „Meine Gemeinde ist der Kirchenkreis mit den Kirchenvorständen“, sagt er. Es habe sich eine „gute Gemeinschaft gebildet, die die Arbeit trägt. Das ist erfüllend.“

Was im Kirchenkreis Laatzen-Springe, im Kirchenkreistag, in der Kreisjugendarbeit, in der Kirchenmusik oder in der Diakonie geleistet werde und möglich sei, „das sind echte Highlights“. Dass diese gute Arbeit fortgeführt wird, wenn er sich nach mehr als 18 Jahren als Superintendent verabschiedet, daran hat Brandes keinen Zweifel. „Ich habe keine Sorge, dass etwas zusammenbricht“, bekräftigt er. „Und es ist auch nötig, dass durch einen neuen Blick von außen etwas Neues entsteht.“

Brandes selbst und seine Frau sind schon neue Wege gegangen: Die Dienstwohnung neben St. Lucas ist geräumt, das Paar hat ein neues Zuhause in Bad Pyrmont gefunden.

Einladung zum Abschied mit Gottesdienst und Empfang

Am Reformationstag, 31. Oktober, geht Superintendent Detlef Brandes nach 18 Jahren im Kirchenkreis Laatzen-Springe in den Ruhestand. Ab 14 Uhr wird er in einem feierlichen Gottesdienst in der St.-Lucas-Kirche am Corvinusplatz in Pattensen verabschiedet, anschließend gibt es einen Empfang im Ratskeller Pattensen. Die offizielle Verabschiedung übernimmt Landessuperintendentin Petra Bahr.

Gleich nach dem Gottesdienst wird es in der Kirche einige Grußworte geben, unter anderem von Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann, Superintendentin Sabine Preuschoff vom Kirchenkreis Burgdorf, Wolf Dietmar Kohlstedt als Vorsitzender des Kirchenkreistags, Jörg Engmann für den Diakonieverband Hannover-Land und Claudia Schlegel für die Kirchengemeinde Pattensen. Weitere Beiträge gibt es dann beim Empfang im Ratskeller.

Statt Abschiedsgeschenken freut sich Brandes über Spenden zugunsten der Kirchenkreisstiftung proDiakonie. Diese können auf das Konto des Kirchenkreisamts Ronnenberg, IBAN DE58 5206 0410 0006 6066 01, Stichwort: 100032-SPE Brandes, überwiesen werden.

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Von Kim Gallop

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