Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Laatzen So gefragt sind Laatzens Spielmannszüge im Sommer
Umland Laatzen

So gefragt sind Laatzens Spielmannszüge im Sommer

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 15.06.2019
Die Stimmungsmacher bei den Proben und Auftritten: Das Freie Fanfarenkorps Alt-Laatzen. Quelle: Mario Moers
Laatzen

Sommerzeit ist Schützenfestzeit, und was wären die Volksfeste ohne Musik? Für die sorgen in Deutschland traditionell die Spielmannszüge – wenn sie denn noch verfügbar sind. Weil landesweit immer mehr Kapellen aus Personalmangel den Laden dicht machen, ist die Nachfrage nach einsatzbereiten Spielmannszügen enorm gestiegen. Kurzfristiges Notfall-Einspringen und Anfragen aus Bayern oder Hamburg sind für die beiden Fanfarenzüge aus Laatzen keine Seltenheit. Doch die Stimmungsgaranten erleben auch die Schattenseite der wachsenden Nachfrage.

Der Sommer als Ochsentour

Wenn das Freie Fanfarenkorps Alt-Laatzen in drei Wochen den Schützenausmarsch in Hannover nach zwei anstrengenden Stunden absolviert hat, steigen die 20 Musiker direkt in den Bus. Die blaue Uniform bleibt an: bis zu fünf Auftritte spielt das Fanfarenkorps an einigen Wochenenden. 25 Termine stehen in den kommenden fünf Sommermonaten auch bei ihren rot-schwarz uniformierten Kollegen vom Fanfaren-Corps Laatzen auf dem Kalender.

Sie sorgen für Stimmung auf jedem Volksfest: Das Freie Fanfarenkorps Alt-Laatzen ist deshalb vor allem in den Sommermonaten stark gefragt.

„Inzwischen kriegen wir so massiv Anfragen, dass wir vieles absagen müssen“, berichtet Heike Petersen. Die Frau des ersten Vorsitzenden spielt selbst, wenn die Gesundheit es erlaubt, auch mit 62 Jahren noch leidenschaftlich gerne die Ventilfanfare als erste Stimme. Bei den Petersens ist die ganze Familie Fanfaren-infiziert. Großvater Wolfgang bläst die Fanfare, Sohn Jan wirbelt die Trommelstöcke, Mutter Heike ist Schriftführerin und in dritter Generation sind Leon (15 Jahre ) und Justin (17) dabei, in die Fußstapfen ihres Onkels und der Großeltern zu treten. Außerhalb der Familie ist es schwieriger mit der Nachwuchsgewinnung – nicht nur in Alt-Laatzen.

Ohne Nachwuchs keine Tradition

„Kinder werden uns häufig von der Musikschule weggefischt, weil die schon in den Schulen wirbt. Und Jugendliche verlässt irgendwann oft die Lust“, sagt Wolfgang Petersen. Von der Tatsache, dass andere Richtungen der Fanfarenmusik auf der Beliebtheitsskala der Kids weit höher stehen dürften, ganz abgesehen. Wo es wenig Nachwuchs gibt, tauchen früher oder später Probleme auf. „Der Eine löst sich gerade auf, den anderen gibt es schon nicht mehr“, beschreibt Heiko Ahlborn, Vorsitzender des auch „die Roten“ genannten Fanfaren-Corps Laatzen, das Dilemma.

Das Fanfaren-Corps Laatzen spielt im Festzelt auf. Quelle: Daniel Junker

Das Fanfaren-Corps hat heute 70 Mitglieder, vor ein paar Jahren waren es noch 120. Festausschüsse von Schützenfesten, Junggesellschaften und allen möglichen Volksfesten müssen sich zunehmend umgucken, wo sie ihre Musik herbekommen.

Der niedersächsische Musikverband, ehemals Spielmannszug-Vereinigung Niedersachsen, registrierte 2017 und 2018 jeweils 22 Auflösungen. „Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, weil viele noch ein paar Jahre nicht spielfähig weitermachen, bevor sie Schluss machen“, bestätigt Geschäftsführerin Gaby Klumpe den Trend.

„Könnt ihr spielen?!“

Als dem Schützenfest im Neustädter Ortsteil Bordenau neulich kurzfristig die Kapelle absagte, bekam „die Roten“ zwei Wochen vor dem Fest einen Hilferuf. „Könnt ihr spielen?“, hieß es dann flehentlich. Das Fanfaren-Corps sprang ein, erntete frenetischen Applaus und wurde direkt angefragt, auch in den kommenden Jahren anzureisen.

Wenn alle da sind, erreichen erreicht das Fanfaren-Corps Laatzen eine Stärke von etwa 20 Mann. Gespielt werden Trompeten, Mellophone, Baritone, Contras, Snares, Tenor, Bass Drums und Becken.

Der Stress lohnt sich

Bei allem Stress ist es gleichzeitig diese Bestätigung, die Leute wie Jan Petersen antreibt. Der Laatzener nennt sich selbst „Trommelhäschen“. Wer Videos seiner exzessiven Wirbel bei Youtube sieht, weiß warum. „Ich bin eigentlich ein ganz normaler Kerl, aber am Wochenende stehe ich dann plötzlich vor 800 Leuten, die Ausrasten weil du spielst“, sagt er mit leuchtenden Augen. Typen wie Petersen retten ein bedrohtes Stück Brauchtum: Denn noch springen die Laatzener Fanfarenzüge gern in die Bresche, aber irgendwann ist das Maß erreicht. „Zu viele Auftritte, das machen die Leute nicht lange mit“, sagt Heike Petersen.

Das Freie Fanfarenkorps Alt-Laatzen (“die Blauen“) spielt am Sonntag, 16. Juni, beim Schützenausmarsch in Ingeln-Oesselse (ab 14 Uhr). Das Fanfaren-Corps Laatzen (“die Roten“) spielt am Sonntag, 16. Juni, ab 15 Uhr beim Sommerfest der St.-Petri-Gemeinde in Rethen, Thiestraße 19.

Lesen Sie mehr:

Auch in diesem Jahr lädt die HAZ wieder zum Wettbewerb der Spielmannszüge ein. Nehmen Sie teil und bewerben Sie sich für den großen Wettstreit auf dem Schützenfest 2019:

Die Goldene Fanfare – jetzt bewerben: Beim Schützenfest spielen die Fanfarenzüge um die Wette

Von Mario Moers

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kinder wollen in Laatzen-Gleidingen ein Rehkitz retten, nehmen es mit nach Hause, letztlich stirbt das Tier. Wie sich jetzt herausstellt, haben womöglich aber nicht die Kinder den entscheidenden Fehler begangen: Eine Zeugin will beobachtet haben, dass Unbekannte das Kitz schon am Tag zuvor falsch umsorgt und auf dem Arm getragen haben – was dem Tierbaby womöglich zum Verhängnis wurde.

12.06.2019

Hatha Yoga soll den Ausgleich von Körper und Geist fördern. Ein kostenloser Kurs im Park der Sinne erfreut sich auch diesen Sommer wachsender Beliebtheit. Nächster Termin ist am Sonnabend.

12.06.2019

Die antisemitischen Handlungen nach dem Volkstrauertag 2016 in Alt-Laatzen hatten jetzt ein weiteres juristisches Nachspiel. Das Amtsgericht Hannover hat die Hanauerin Annette E. zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt, weil sie jüdische Gedenkstein versetzte.

12.06.2019