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Laatzen Trinkwasser-Erlebnispfad ist jetzt digital
Umland Laatzen Trinkwasser-Erlebnispfad ist jetzt digital
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15:50 18.10.2018
Unser Mitarbeiter Daniel Junker hat den Trinkwasser-Erlebnispfad in Grasdorf mit dem Smartphone erkundet. Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de
Grasdorf

Seit den 1990er Jahren gibt es den einst von den Stadtwerken Hannover eingerichteten und inzwischen vom Unternehmen Enercity gepflegten Trinkwasser-Erlebnispfad im Grasdorfer Wassergewinnungsgebiet. Auf dem rund vier Kilometer lange Parcours, der auf Wegen durch die Leinemasch führt, erhalten Spaziergänger und Radfahrer neueste Informationen rund um die Trinkwassergewinnung, die Wasseraufbereitung und den Grundwasserschutz – wenn sie das dazugehörige Faltblatt oder ein Smartphone haben.

Vor einigen Wochen hat Enercity auf dem Erlebnispfad neue zumeist tellergroße, rote Schilder aufgestellt, die neben den jeweiligen Stationsnummern auch sogenannte QR-Codes beinhaltet. Mit dem Smartphone können Spaziergänger so direkt vor Ort Informationen über jede der 15 Stationen abrufen: erklärende Texte und Fotos zu den jeweiligen Standorten und an vier Stationen auch Videos.

„Wir wollen den Pfad papierloser machen“, sagt Enercity-Sprecher Carlo Kallen. Viele Informationen würden die Nutzer schon heute über das Mobiltelefon abrufen. Außerdem seien die Hinweistafeln, die früher einmal an den Stationen entlang des Erlebnispfades aufgestellt waren, häufig beschädigt worden. „Wir mussten da ständig hinterherarbeiten“, so Kallen. Ein Vorteil der digitalen Ausführung sei zudem, dass die Inhalte nach und nach erweitert werden könnten. „Wir können die Hintergrundinformationen immer wieder ergänzen und auf den neuesten Stand bringen.“ So sei beispielsweise eine Kooperation mit dem Naturschutzbund (Nabu) Laatzen möglich, dessen Naturschutzzentrum direkt am Wassergewinnungsgebiet liegt.

Am Trinkwasser-Erlebnispfad in Grasdorf können die Besucher per Smartphone direkt vor Ort Informationen über die Wassergewinnung abrufen. Unser Mitarbeiter Daniel Junker ist die Route abgegangen.

Wer den Trinkwasser-Erlebnispfad ohne Mobiltelefon entdeckt will, für den gibt es weiterhin auch gedruckte Faltblätter. Diese sind beim Wasserwerk Grasdorf erhältlich und stecken in einem Halter, der am Zaun am Eingang befestigt ist. Außerdem können die Faltblätter von der Internet des Unternehmens heruntergeladen und ausgedruckt werden.

Historische Leinebrücke ist Startpunkt

Der Erlebnispfad beginnt direkt hinter der historischen Leinebrücke zum Wasserwerk Grasdorf am Reinekamp 1. An der Kreuzung zwischen der Brücke und dem Wasserwerk steht eine Übersichtstafel mit der Streckenführung. Direkt daneben befindet sich die erste Station. Sie ist – wie alle folgenden Stopps – mit einem QR-Code ausgestattet. Die Nutzung ist normalerweise sehr einfach: Das Smartphone muss lediglich mit aktivierter Kamera vor den Code gehalten werden. In der Regel öffnet sich dann automatisch eine Internetseite mit den Informationen zu der jeweiligen Stadtion. Bei einigen Modellen muss vorher noch ein spezielles Programm als App installiert werden, die QR-Codes erkennt.

Auf dem rund vier Kilometer langen Rundweg erfahren die Besucher, dass die Landschaft im 27 Quadratkilometer großen Wassergewinnungsgebiet aufgrund des nassen Bodens zum Beispiel kaum landwirtschaftlich genutzt werden kann. Zwar sei es technisch möglich, den Boden zu entwässern, laut Enercity wären die Folgen für die Grundwasserqualität und den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt aber nicht abzusehen. „Die Wiesen im Wassergewinnungsgelände sind sehr artenreich und bieten einer Vielzahl an Insekten, Amphibien und Vögeln einen geeigneten Lebensraum“, macht das Unternehmen deutlich. Zudem diene der Boden als idealer Filter für das versickernde Regenwasser. Deshalb sei den Landwirten, die das Gelände gepachtet haben und extensiv nutzen, auch der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln untersagt.

Auf einer Fläche von 24.000 Quadratmetern läuft das Wasser in den Grasdorfer Boden. An den sieben Versickerungsbecken hat Enercity den Auelehmboden abgetragen und durch eine Sandschicht ersetzt. „Das Leinewasser sickert langsam durch die eineinhalb Meter tiefe Sandschicht.“ Diese wirkten wie ein Filter. Mikroorganismen würden zusätzlich zur Reinigung des Wassers beitragen, das von Enercity an den mehr als 300 Grundwassermessstellen regelmäßig überprüft wird. „Quartalsweise registrieren wir an über 100 Messstellen die Grundwasserstände und werten diese aus, um die Grundwasservorräte zu ermitteln und optimal zu bewirtschaften.“

Die per QR-Code abrufbaren Texte informieren darüber hinaus über die Flora und Fauna in der Grasdorfer Masch – zum Beispiel über die Kopfweiden, die früher von Korbflechtern gepflegt worden seien. Heute übernehmen Naturschützer diese Aufgabe. Per QR-Code erfahren die Besucher, dass in den zum Teil hohlen Stämmen unter anderem Fledermäuse, Höhlenbrüter und Insekten leben. Die am Wegesrand nahe des Wasserwerks stehenden Pyramidenpappeln wurden um 1930 gepflanzt. Die Besucher erfahren, dass diese Bäume sehr schnellwüchsig sind: In 50 Jahren könnten sie 25 Meter hoch werden.

Rundweg dauert zu Fuß 100 Minuten

Laut Angabe von Enercity ist der Rundweg zu Fuß in etwa 100 Minuten zu schaffen. Mit dem Fahrrad dauert die Tour etwa 50 Minuten. Wer die Informationen an den Stationen genauer lesen und sich die Natur entlang des Pfades anschauen möchte, sollte aber besser etwas mehr Zeit einplanen.

Wer den Pfad erkunden will, sollte zusätzlich zum Smartphone den Wegeplan des Trinkwasser-Erlebnispfades mitnehmen. Grund: Abgesehen von den Hinweisschildern zu den einzelnen Stationen ist die Route nicht ausgeschildert – und an einigen Stellen nicht einfach zu finden, zumal ein Teil der Tour tatsächlich eher über Pfade als befestigte Wege führt.

Bei feuchtem Wetter sollten Spaziergänger festes Schuhwerk tragen, Radfahrer müssen an einigen Stellen eventuell absteigen und schieben. Insbesondere nach der Station 13 wird die Strecke unübersichtlich. Dort müssen die Besucher am Beginn des Auwaldes nach rechts auf einen kleinen Pfad abbiegen, der nur schwer als solcher zu erkennen ist.

Die Infomationen über die einzelnen Stationen können auch von zuhause aus und ohne Smartphone im Internet abrufen werden, und zwar unter www.enercity.de/erlebnispfad-grasdorf. Für Besuchergruppen werden zudem Führungen über den Trinkwasser-Erlebnispfad oder durch das Wasserwerk an. Weitere Informationen gibt es bei Enercity unter Telefon (0511) 430-2607.

Auf dem Erlebnispfad durchs Wassergewinnungsgebiet

Das Wasserwerk in Grasdorf ist bereits seit 1899 in Betrieb. Quelle: Daniel Junker

Das Wasserwerk Grasdorf (Station 2) ist bereits seit 1899 in Betrieb. Laut Enercity ist es das älteste und zugleich das modernste Wasserwerk des Unternehmens. Bis zu 12.000 Kubikmeter Trinkewasser werden dort täglich gefördert. „Zusätzlich werden bis zu 10.000 Kubikmeter Talsperrwasser aus dem Harz dem Grasdorfer Wasser beigemischt.“ Anhand der per QR-Code abrufbaren Grafik wird die Trinkwasseraufbereitung erklärt. Aufgrund der Mischung mit Harzwasser werde ein geringerer Härtegrad erreicht. Durch die markante Rohrleitung der im Jahr 1900 errichteten und unter Denkmalschutz stehenden Brücke am Reinekamp wird das Wasser schließlich in das Versorgungssystem eingespeist.

Am Beobachtungsturm gibt es Informationen über das Naturschutzgebiet €ž"Alte Leine"€. Quelle: Daniel Junker

Vom Beobachtungsturm (Station 5) können die Besucher weit über das Naturschutzgebiet „Alte Leine“ blicken und die Vogelwelt beobachten. Das Naturschutzgebiet besteht seit 1979. Im Jahr 1999 wurde es von 54 auf rund 317 Hektar ausgeweitet. Der per Smartphone abrufbare Text informiert darüber, dass das Gelände eine überregionale Bedeutung als Brut- und Rastgebiet für die Vogelwelt besitzt. In dem Gebiet seien rund 90 Brutvogelarten anzutreffen, von denen etwa 20 Arten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten stehen. Über einen Link können die Nutzer Informationen über den Laatzener Naturschutzbund (Nabu) abrufen, dessen Mitglieder sich den Schutz der Natur in der Leineaue auf die Fahnen geschrieben heben.

An der Station 10 bekommen die Besucher Informationen über die Störche. Quelle: Daniel Junker

An der Station 10 bekommen die Besucher Informationen über die Störche, die im Wassergewinnungsgebiet den Sommer verbringen. In dem Gebiet finden die Vögel viele Mäuse, Frösche, Heuschrecken, Regenwürmer und Schnecken, die ihnen als Nahrung dienen. Über den QR-Code können die Spaziergänger und Radfahrer ein in die Enercity-Internetseite eingebettetes Video des Fernsehsenders h1 abrufen. In einem Interview berichten die Storchenexperten Reinhard Löhmer und Jürgen Körber über die beliebten Großvögel. Eine Tafel am Rande des Weges weist zudem auf die Anzahl der Tiere hin, die in den vergangenen Jahren im Grasdorfer Storchennest geboren wurden.

An der Station 12 lernen die Besucher, wie die Brunnen funktionieren. Quelle: Daniel Junker

Vom Ufer der Leine aus sind kleine Holzhäuser auf den Wiesen zu sehen. Darunter befinden sich die Brunnen (Station 12) über die das Grundwasser aus dem Boden geholt wird. Die sogenannten Horizontalfilterbrunnen seien zwischen 1971 und 1973 in die Erde gebracht worden, heißt es nach dem Abruf der Information via QR-Code. „Vier bis sechs Filterstränge mit einer jeweiligen Länge von 32 bis 40 Metern ergeben eine sehr hohe Förderleistung.“ Eine Unterwasserpumpe erzeuge den nötigen Druck, um das Wasser zum Wasserwerk zu befördern. Neben den sieben Horizontalfilterbrunnen sind in Grasdorf neun Vertikalfilterbrunnen im Einsatz. Die Funktionsweise wird anhand von per Smartphone abrufbaren Grafiken beschrieben

An der Station 14 treffen die Spaziergänger inmitten des Auwaldes auf die Alte Leine€‹. Quelle: Daniel Junker

Inmitten des Auwaldes treffen die Besucher auf die Alte Leine (Station 14). Sie ist der westliche Grenzbach des Wassergewinnungsgebietes und einer der wenigen übrig gebliebenen wasserführenden Bachläufe des Leineflusssystems. Der Begleittext informiert darüber, dass die Bäume am Ufer von der Zeit zeugen, als noch das gesamte Leinetal vom Auwald bedeckt war. „Bevor man vor etwa 500 Jahren massiv in die Flusslandschaft Leineaue eingriff, war das Leinetal ein circa eineinhalb Kilometer breites Band, das von vielen Neben- und Totarmen, Kolken und Hochwasserrinnen durchzogen war.“ Per QR-Code können die Spaziergänger und Radfahrer ein Video aufrufen, auf dem ein Biberdamm in Laatzen zu sehen ist.

Von Daniel Junker

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