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Laatzen Astbruchgefahr wegen Trockenheit: Stadt schlägt Alarm
Umland Laatzen

Trockenheit in Laatzen: Stadt schlägt wegen Astbruchgefahr Alarm

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17:32 02.08.2019
Die Ortsfeuerwehr Laatzen hilft seit vergangener Woche bei der Wässerung der Straßenbäume – so wie hier an der Erich-Panitz-Straße. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Laatzens Bäume leiden: Die anhaltende Trockenheit setzt den Bäumen so stark zu, dass die Stadt jetzt Alarm schlägt. „Besonders Pappeln, Eichen, Weiden und Buchen neigen zu sogenannten Trockenstressbrüchen“, sagt Sven Achtermann, Leiter des städtischen Teams Grünflächen. Plötzlich und ohne Vorwarnung könnten sogar große, belaubte Äste abfallen – eine Gefahr für alle, die sich unter Bäumen aufhalten, sei es in Parks, in der Leinemasch oder auf Spielplätzen.

Trockenperioden gab es in Laatzen auch schon in früheren Zeiten. „Aber was sich derzeit abspielt, ist in mehrfacher Hinsicht noch nie da gewesen“, sagt der erfahrene Teamleiter. Die Schäden nähmen seit ein bis zwei Wochen deutlich zu. Die große Buche auf dem Friedhof am Brocksberg in Alt-Laatzen etwa scheint eigentlich ganz gesund – wäre da nicht das dichte Laub unter dem Baum, das auf die akuten Probleme hinweist. Bei genauerem Hinsehen sind die Blätter auf der Südwestseite größtenteils braun. „Das ist Sonnenbrand“, weiß Achtermann, der vom Ausmaß des Blattverlusts entsetzt ist. Schon der trockene Sommer 2018 habe die Bäume nicht nur in Laatzen geschwächt. „Der Baum braucht die Blätter jetzt eigentlich besonders dringend, um Kraft für das nächste Jahr zu sammeln.“

Die anhaltende Trockenheit macht Laatzens Bäumen so schwer zu schaffen, dass die Stadt jetzt vor herabfallenden Ästen warnt. Die Situation sei so dramatisch wie noch nie, heißt es beim zuständigen Team Grünflächen. Die Bürger werden nun aufgerufen, beim Wässern zu helfen.

Birke auf Friedhof muss gefällt werden

Besonders schlimm hat es eine Birke einige Meter entfernt getroffen, die die Stadt 2018 mit viel Aufwand beschnitten hatte, um die Friedhofsbesucher vor herabfallendem Totholz zu bewahren. „Der Baum ist nicht mehr zu retten“, sagt Achtermann. Ein rosa Kreuz weist auf die Entscheidung zum Fällen hin. Ein Ahornbaum in der Nähe verliert ebenfalls Blätter und treibt stattdessen etliche Samen aus, um wenigstens das genetische Überleben zu sichern, vermutet Achtermann.

Einige Bäume treiben intensiv Samen aus, während parallel die Blätter austrocknen. Ein letzter Versuch, zumindest die Nachkommenschaft zu sichern. Quelle: Johannes Dorndorf

Völlig verdutzt habe ihn auch ein sogenannter Grünastbruch einer Weide am ehemaligen Marktteich in Laatzen-Mitte vor rund einem Monat. „Da ist die gesamte Krone weggebrochen“, sagt Achtermann. „Wenn mir das jemand vor einem Jahr gesagt hätte, hätte ich ihm nicht geglaubt.“

„Brüche sind nicht vorhersehbar“

Daraus erwachsen auch Probleme für die Verkehrssicherheit. „Solche Brüche sind nicht vorhersehbar“, so die Einschätzung der Verwaltung. Die Stadt rät deshalb derzeit zu besonderer Vorsicht. „Besonders in Wäldern, Parkanlagen oder unter alten Großbäumen ist größte Aufmerksamkeit gefordert“, heißt es in einem offiziellen Aufruf an Laatzens Bürger.

Achtermann glaubt, dass die Menschen beim Aufenthalt unter Bäumen künftig grundsätzlich sensibler sein müssen – gerade in Trockenphasen wie derzeit. „Das ist ein neues Lebensrisiko, auf das wir uns einstellen müssen.“ Dies betreffe nicht nur Wälder und Parks, sondern auch Friedhöfe und Spielplätze.

Stadt inspiziert Spielplätze und Friedhöfe

Die Stadt ist deshalb dabei, solche Grünflächen einzeln zu inspizieren, um mögliche Gefahren abzuwenden. Auf dem Spielplatz an der Alt-Laatzener Leinerandstraße etwa stellte sich heraus, dass eine Zitterpappel mit Ausnahme der Krone völlig entlaubt ist, und dies mitten im Sommer. Auch die Pappel daneben sieht auffällig aus. Der Betriebshof wird den Baum jetzt untersuchen und abgestorbene Äste herausschneiden. Immerhin: Gesperrt werden musste bislang keine einzige Grünfläche – auch aus praktischen Gründen. „Wir können ja nicht die Natur schließen“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann.

Vorsicht ist auch auf Spielplätzen geboten: Die Pappel neben dem Spielplatz an der Leinerandstraße trägt nur noch in der Krone Blätter. Quelle: Johannes Dorndorf

Der Betriebshof und die Feuerwehr sind unterdessen dabei, Bäume gezielt zu wässern – auch, wenn dies flächendeckend nicht möglich ist. Seit vergangener Woche hat allein die Ortsfeuerwehr Laatzen rund 80.000 Liter Wasser mit ihren Tanklöschfahrzeugen vergossen. Parallel ist der Betriebshof mit jeweils zwei bis drei Mitarbeitern täglich vier bis fünf Stunden unterwegs, um die Bäume zu wässern. Die aktuellen kurzen Regenschauer würden hingegen kaum helfen. „Das waren zuletzt nur drei bis vier Millimeter, davon kommt unten gar nichts an“, sagt Achtermann.

Zweiter trockener Sommer in Folge

Der Teamleiter befürchtet, dass die Entwicklung langfristig anhalten könnte. „Wir bekommen den Klimawandel voll zu spüren.“ Dass die Situation derzeit so dramatisch ist, hänge auch mit der langen Trockenheit des Sommers 2018 zusammen. Kombiniert mit der derzeitigen Dürre und den aktuellen Hitzerekorden gerieten die Bäume zusätzlich unter Stress. „Ich glaube nicht, dass im nächsten Jahr alle austreiben“, so Achtermann.

Gegebenenfalls müsse man darüber nachdenken, bei Neuanpflanzungen auch in Laatzen künftig sogenannte Treegator einzusetzen, wie sie die Stadt Hildesheim, aber auch das benachbarte Hemmingen bereits verwenden: grüne 50-Liter-Plastiksäcke, die nach und nach Feuchtigkeit abgeben. „Wenn es so weitergeht, werden wir sonst keine Chance haben.“

Stadt ruft Bürger zum Wässern auf

Die Stadt ruft Laatzens Bürger auf, bei der Bewässerung der Bäume mitzuhelfen. „Es reicht, alle paar Tage zwei Eimer Wasser an ihren Straßenbaum zu gießen, bis die Versorgung hoffentlich bald wieder über natürliche Wege gewährleistet ist“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann – meint: wenn es regnet. Alle paar Tage ein Zehn-Liter-Eimer würde schon erheblich helfen, mehr sei natürlich besser. Beim Aufenthalt in Parks und anderen von Bäumen gesäumten Bereichen rät die Stadt zu besonderer Vorsicht. Anzeichen für eine erhöhte Gefahr seien etwa trockene Astspitzen oder der Verlust auffällig vieler Blätter.

Von Johannes Dorndorf

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