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Laatzen Vortrag in der Arche: So begann die Friedliche Revolution in Leipzig
Umland Laatzen

Vortrag in Laatzen: So begann die Friedliche Revolution in Leipzig

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16:59 08.11.2019
Der Leipziger Nathanaelkirche-Pastor Sebastian Führer erzählt in der Arche von seinen Erinnerungen an die Friedliche Revolution von 1989. Quelle: Torsten Lippelt
Laatzen-Mitte

Vor 30 Jahren wurde die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten geöffnet. Welche Entwicklung dahin führte, war am Donnerstagabend Thema eines Vortrags in der Arche der Thomasgemeinde: Sebastian Führer, Pastor in der Leipziger St.-Nathanael-Kirche, berichtete von seinen Erinnerungen an die Zeit vor der Wende, als er als 18-Jähriger in Leipzig die Friedliche Revolution mit eigenen Augen miterlebte. Sein Vater Christian Führer war damals als Nikolaikirchenpastor ein treibende Kraft.

Auslöser der Proteste war der Nato-Doppelbeschluss Anfang der Achtzigerjahre: Die Kirchen in Ost- und Westdeutschland hätten daraufhin mit Friedensaktionen begonnen, berichtete Führer. So kam es am 20. September 1982 in der Leipziger Nikolaikirche erstmals zu den dann jeden Montag veranstalteten Friedensgebeten. „Es waren im Laufe der Jahre immer andere Veranstalter dort. Es wurde nicht nur gebetet, sondern auch immer über ein politisches und gesellschaftliches Thema gesprochen.“ Von einem Selbstläufer oder gar von Massenveranstaltungen konnte jedoch keine Rede sein: „Da waren oft nur rund 15 Menschen in der Kirche, die 1700 Gläubigen Platz bietet.“

Erst als immer mehr Ausreisewillige Gespräche suchten und der Unwillen gegen das Regime stieg, wurden es mehr. Am 9. Oktober 1989 drängten sich rund 70 000 Menschen nach den Friedensgebeten in den Kirche zu Fuß auf dem Leipziger Stadtring, um friedlich zu protestieren. „Da wurden sogar Blumen an die anwesenden Kampfgruppen überreicht. Schließlich gingen ja auch viele Familienmitglieder dieser paramilitärischen Betriebskampfgruppen bei den Montagsdemos mit“, erinnert sich Führer. „Wenn nur einer einen Stein geworfen hätte, wäre das ganz anders gelaufen.“

Inspiration für Südafrika

Für den Pastors hatte die damalige Entwicklung auch eine religiöse Komponente. „Die Friedliche Revolution ist eine Folge der Friedensgebete und nicht von mutigen Aktionen Einzelner. Gott hat diese Gebete erhört.“ Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu habe Jahre später erzählt, man habe für die friedliche Abschaffung der Apartheid in Südafrika vom Prinzip der gewaltlosen Montagsgebete in Leipzig gelernt.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die rund 40 Besucher der Arche Gelegenheit, Fragen zu stellen – moderiert von Matthias Freytag, Pastor der Alt-Laatzener Immanuelgemeinde. Dabei ging es unter anderem um den Einfluss der Friedensgebete auf den Mauerfall und um die Frage, ob das Engagement der Kirche Zulauf brachte. „Es war damals wohl ein besonderer Zeitpunkt, an dem gleich mehrere Aspekte den Druck im Kessel erhöht haben“, glaubt Führer: die Ausreisen über Ungarn, die neu eingeführte DDR-Visumspflicht in die CSSR und die Berichte im Westfernsehen.

Auf die Zahl der Gottesdienstbesucher habe das friedliche Engagement der Kirche aber keinen Einfluss gehabt. „Ich glaube auch nicht, dass jemand dadurch Christ geworden ist. Heute sind nur 12 Prozent der Leipziger Kirchenmitglieder.“

Die Ausstellung im Leine-Center erinnert an die Friedliche Revolution. Quelle: Torsten Lippelt

Ausstellung im Leine-Center

Wer sich inhaltlich mehr mit dem Thema 30 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall beschäftigen möchte, kann dies noch bis zum 16. November im Leine-Center tun: Die Stadt präsentiert dort die Ausstellung „Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die 20 Schautafeln zeigen mehr als 100 zeithistorische Fotos, Dokumente und QR-Codes, die zu weiteren Informationen, Videos und Interviews verlinken. Nachgezeichnet werden die Proteste gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, die Fluchtbewegung im Sommer, die Massenproteste im Herbst und die Entwicklung von der Teilung bis zur deutschen Einheit

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Von Torsten Lippelt

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