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Laatzen Bei Papier-Peter, Taschen-Gaby und Co. wird viel gefeilscht
Umland Laatzen Bei Papier-Peter, Taschen-Gaby und Co. wird viel gefeilscht
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15:10 07.01.2018
Marion Radomski (rechts) kauft am Stand von Brigitte Gransee einen Pullover. Mit dabei: Ihr Mischling Gismo, der das Flohmarkttreiben vom Einkaufswagen aus beobachtet. Quelle: Stephanie Zerm
Alt-Laatzen

 „Wieviel kostet das?“ Diese Frage muss Brigitte Gransee immer wieder beantworten. Meistens kommt sie den Käufern dann noch etwas mit dem Preis entgegen. „Die Besucher wollen handeln und feilschen viel“, sagt sie. An ihrem Stand gleich am Eingang der ehemaligen Ratio-Verkaufsfläche an der Karlsruher Straße bietet die Laatzenerin gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Jürgen Gransee Uhren, Bilder, Porzellan und Kleidung an. 

Beide sind bereits seit sieben Jahren regelmäßig beim Winterflohmarkt dabei. „Wir sind damals von einem Haus in eine kleinere Wohnung gezogen und wollten hier eigentlich nur die Gegenstände verkaufen, für die wir keinen Platz mehr hatten.“ Dabei ist es allerdings nicht geblieben. „Uns hat es so gut gefallen, dass wir seitdem jeden Samstag hier sind.“ Zwar müsse sie dazu schon um 5.30 Uhr aufstehen. „Aber das ist es wert“, findet Brigitte Gransee

Reich werden könne man mit den Flohmarktverkäufen zwar nicht. Aber der finanzielle Apekt stehe für sie auch nicht im Vordergrund. „Ich komme hauptsächlich hierher, weil mir der Kontakt mit den anderen Händlern und den Besuchern so viel Spaß macht und ich hier viele Freunde gefunden habe“, sagt die 67-Jährige. „Wir sind wie eine große Familie.“ 

Viele der Händler haben sich untereinander Spitznamen gegeben. „Da hinten steht die Taschen-Gaby, dann kommt Papier-Peter, Uhren-Werner und Kisten-Elli“, sagt Brigitte Gransee schmunzelnd. Sie selber habe allerdings keinen Spitznamen.

Nachdem der Hallenflohmarkt zunächst vor dem Aus zu stehen schien, weil die Stadt Laatzen keine Genehmigung mehr erteilte (die HAZ berichtete), sind heute besonders viele Händler und Besucher zur Auftaktveranstaltung gekommen. „Wir haben mit rund 40 Verkäufern gerechnet“, sagt Kevin Pöschel, dessen Unternehmen die Veranstaltung in der sonst leerstehenden Ratio-Halle seit sieben Jahren jeweils von Anfang November bis Ende März ausrichtet. „Stattdessen haben mehr als 60 ihre Stände aufgebaut.“ Alle freuten sich, dass der Winterflohmarkt wieder stattfände, sagt Pöschel, Diese Saison hieß es jedoch zunächst, dass sie wegen der Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie, laut der ein Sicherheitsabstand von 2000 Metern zu einem benachbarten Chemiebetrieb eingehalten werden sollte, nicht stattfinden könne. Die Wende brachte dann ein TÜV-Gutachten, laut dem der Abstand zu dem Betrieb auf 150 Meter reduziert werden konnte. Damit liegt der Flohmarkt nicht mehr in der festgesetzten Bannmeile und darf seit dem 6. Januar wieder seine Tore öffnen.  

„Der Flohmarkt ist einfach toll“, schwärmt die Grasdorferin Marion Radomski. Mit ihrem Hund Gismo im Schlepptau hat sie schon mehrere Schnäppchen gemacht. „Ich habe schon zwei Pullis und eine Jacke gekauft“, freut sich die 66-Jährige.

Von Elektroartikeln über Bücher und CDs bis hin zu Porzellan, Blumen und Musikinstrumenten haben die zahlreichen Besucher eine große Auswahl an Trödelartikeln.

Vom Wäschetrockner bis zur Armbanduhr reichen die Angebote.

Großer Andrang herrscht am Stand von Roswitha Köhler und Hannelore Kaufmann. Denn es hat sich unter den Besuchern herumgesprochen, dass die beiden Rentnerinnen einen guten Zeck unterstützen. „Unsere gesamten Flohmarkteinnahmen gehen nach Bolivien“, sagt Roswitha Köhler. Dort kommt das Geld einem Waisenhaus mit 70 indianischen Mädchen in Cochabamba, einer Tagesstätte für alleinstehende Mütter und der Ausbildung junger Menschen zu Gute. 

Die Flohmarktartikel haben die beiden Hildesheimerinnen allesamt geschenkt bekommen. Sie reichen von Spielsachen und Kinderkleidung über Bücher und Geschirr bis zur kompletten Golfausrüstung. „Wir verkaufen den Wohlstandsmüll, der sonst weggeworfen wird, und finanzieren damit die Zukunft von anderen Menschen“, sagt Hannelore Kaufmann.

Vor rund 20 Jahren haben beide den Verein Bolivienpartnerschaft San Gabriel mitbegründet, der seine Projekte vor allem über Patenschaften und Spenden finanziert – und über den Verkauf von Flohmarktartikel. „Wir machen das jetzt seit 15 Jahren an jedem Wochenende“, berichtet Roswitha Köhler. „Insgesamt haben wir in diesem Zeitraum 113.000 Euro auf Flohmärkten eingenommen.“ Mit diesem Geld hat der Verein unter anderem die Ausbildung eines bolivianischen Jungen zum Koch sowie eines indianischen Mädchens zur Juristin finanziert. „Ein Kind benötigt in Bolivien für eine gute Ausbildung nur einen Euro am Tag“, sagt Hannelore Kaufmann. „Und dieses Geld bekommen wir mit dem Verkauf unseres Wohlstandsmülls locker zusammen.“ 

Von Stephanie Zerm

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