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Langenhagen Taxi kollidiert mit Stadtbahn: Verfahren gegen Autofahrer eingestellt
Umland Langenhagen

Amtsgericht Hannover: Taxi kollidiert mit Stadtbahn: Verfahren eingestellt

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17:12 12.08.2019
Die Stadtbahn schob die Taxe noch gut zehn Meter vor sich her. Quelle: Feuerwehr (Archiv)
Hannover/Langenhagen

Es war ein früher Montagmorgen im Juni 2017, als eine Stadtbahn der Linie 1 in Langenhagen in die Fahrertür eines Taxis knallte. Der Silberpfeil war mit Tempo 46 unterwegs, der beigefarbene VW Touran drehte sich durch den Aufprall um die eigene Achse und wurde gut zehn Meter mitgerissen. Der 48-jährige Fahrer und sein neben ihm sitzender 88 Jahre alter Fahrgast wurden erheblich verletzt; der Senior starb eine Woche später in einem Krankenhaus.

Am Montag musste sich der nunmehr 50 Jahre alte Taxifahrer vor dem Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Am Ende einer Befragung von vier Zeugen und einem Rechtsmediziner stellte die Richterin das Verfahren ein – allerdings muss der Berufskraftfahrer eine Geldbuße von 500 Euro zahlen.

Schild warnt vor Bahnen

Der Taxifahrer wollte damals seinen nierenkranken Stammgast zur Dialyse bringen. An einer Kreuzung auf der Bothfelder Straße in Langenhagen bog er rechts ab. Wenige Meter weiter prallte der in Richtung Endstation Langenhagen rollende Silberpfeil seitlich in den Touran.

Der Taxifahrer schwor in dem Prozess, dass die Rechtsabbiegerampel für ihn grünes Licht gezeigt habe. Er habe nachträglich sogar ein Video gedreht, um das Unfallgeschehen nachzustellen – doch das Gericht sah keinen Bedarf, sich diesen Film anzuschauen.

Zudem, darauf wiesen der 50-Jährige und sein Verteidiger Hans-Peter Ryssel hin, habe der Fahrgast vor seinem Tod gegenüber seiner Lebensgefährtin noch bestätigt, dass die Ampel Grün gezeigt habe. Zwei andere Zeugen bestätigten dagegen die Sichtweise des 59 Jahre alten Stadtbahnfahrers: Sie hatten ein Freie-Fahrt-Signal für den Zug gesehen.

Opfer war schwer krank

Die Ausführungen des Rechtsmediziners Prof. Michael Klintschar machten klar, warum sich der Taxifahrer nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern nur wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten musste. Demnach war der Gesundheitszustand seines 88-jährigen Fahrgasts schon vor dem Unfall sehr schlecht, Herz, Nieren und Lunge des Seniors waren erheblich vorgeschädigt.

Der Zusammenstoß mit der Stadtbahn, so der Gutachter, habe bei dem Rentner zwar Prellungen und leichte Blutungen verursacht. „Doch es lässt sich nicht mit der strafrechtlich erforderlichen Sicherheit sagen“, so Klintschar, „dass der Tod des Mannes hundertprozentig auf den Verkehrsunfall zurückzuführen ist“. Ein 20-jähriger gesunder Fahrgast hätte das Unglück wahrscheinlich überlebt.

Der Touran-Fahrer war drei Wochen krankgeschrieben und litt noch ein halbes Jahr unter den Folgen des Crashs. Inzwischen fährt er wieder Taxi. Der Angeklagte wies darauf hin, dass er die ehemalige Lebensgefährtin seines damaligen Fahrgasts schon vielfach zum Grab des Verstorbenen in Isernhagen gefahren habe – natürlich auf eigene Rechnung.

Auf falsche Ampel reagiert?

Zeigte die Ampel für das Taxi wirklich grün? Es blieben Zweifel, ob diese Frage tatsächlich zu beantworten ist. Die Staatsanwaltschaft plädierte schließlich dafür, das Verfahren einzustellen – auch wenn der Taxifahrer einem Vorfahrt-Achten-Schild mit Hinweis auf die Stadtbahn mehr Aufmerksamkeit hätte schenken müssen.

Die Richterin folgte diesem Antrag und meinte, dass sich der Autofahrer vielleicht eines „Augenblicksversagens“ schuldig gemacht habe. Möglicherweise, so klang es im Prozess an, hatte der Taxifahrer auf das Umspringen eines anderen Ampellichts reagiert und war – bei Grün für den Geradeausverkehr und Rot für Rechtsabbieger – zu früh losgefahren. Nichtsdestotrotz musste der von seiner Unschuld überzeugte 50-Jährige von seinem Anwalt ins Gebet genommen werden, bis er der Einstellung zustimmte: „Ich kann einfach nicht einsehen, dass ich jetzt noch eine Geldbuße zahlen muss.“

Von Michael Zgoll

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