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Langenhagen „Den ganzen Zweiten Weltkrieg habe ich aufgeschrieben“: Heinrich Luft feiert 100. Geburtstag
Umland Langenhagen

„Den ganzen Zweiten Weltkrieg habe ich aufgeschrieben“: Heinrich Luft feiert 100. Geburtstag in Langenhagen

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18:13 07.08.2019
In dicken Ordnern hat Heinrich Luft sein Leben aufgezeichnet. Der 100-Jährige lässt seine Geburtstagsgäste in Langenhagen teilhaben. Quelle: Ursula Kallenbach
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Langenhagen

Auf seiner mechanischen Schreibmaschine, etwa 40 Jahre alt, und mit feinster Handschrift hat Heinrich Luft seine persönliche „Heimatgeschichte der Sudetendeutschen von 1918 bis zur Vertreibung nach 1945“ zusammengetragen. Natürlich war am Mittwoch kaum Zeit, die Erinnerungen und den Bildband durchzublättern – schließlich war Luft damit beschäftigt, mit Gästen seinen 100. Geburtstag zu feiern.

Einen Herzenswunsch dazu musste der Jubilar – der erste 100-jährige Bewohner in der City-Park Residenz im Schildhof 1 – aber dringend in die Runde bringen: „Die Maschine ist kaputt. Ich finde keinen Reparateur“. Dabei habe er noch so viel niederzuschreiben. Aber bei der äußerst gut gepflegten Maschine des Modells Präsident 1700 Profi versagt die Zeileneinstellung.

In der City-Park Residenz im Schildhof 1 in Langenhagen wird der erste 100. Geburtstag gefeiert. Quelle: Ursula Kallenbach

Zuletzt noch einmal in der Heimat

1992 ist Heinrich Luft noch einmal in seinen Heimatort Deutsch-Kilmes, heute in Tschechien, gefahren. Zur Zeit des Kalten Kriegs hatte er diese Reise nicht riskiert. „Kennen Sie Karlsbad? Da gibt es einen schönen Sprudel, eine 30 Grad warme Quelle“, erzählt er in der Geburtstagsrunde. Im Februar 2016 ist Luft von Berlin in die Wohnung mitten in Langenhagen gezogen, in der Einrichtung mit Betreutem Wohnen, denn Ehefrau Marka war nach der fünf Jahrzehnte währenden Ehe 2015 verstorben.

In mehreren Bundesministerien in Bonn war Luft 38 Jahre lang beruflich tätig; zu vielen anderen Lebensabschnitten kann er im Gespräch mit den Gästen nicht gleich alle Wohnorte zuordnen. Mit unglaublicher Genauigkeit ist dagegen die Erinnerung an schwere Zeiten dokumentiert in Lufts dicken Ordnern: Geschriebenes, Fotos, handgezeichnete Verläufe von Feldzügen. „Den ganzen Zweiten Weltkrieg habe ich aufgeschrieben“, zeigt er – insgesamt zwölf Jahre Krieg und Folgen. Das ist zu viel für die Stippvisite der Geburtstagsgäste, aber Stoff für lange Tage und Gespräche in der Seniorenresidenz.

Nachbar spielt Ständchen auf Akkordeon

Ein kleines Akkordeonkonzert über den Hof widmet ein Nachbar dem Jubilar am Mittwoch spontan, und eine gute Freundin aus dem Hause sorgt mit für die Bewirtung der Gäste. „Herr Luft ist sehr beliebt hier und hat immer einen Witz parat“, sagt die Sozialpädagogin Maren Mozes aus dem Bereich Betreutes Wohnen. Das Essen im Speiseraum nimmt der 100-Jährige gern wahr. „Aber ich kaufe noch selbst ein für mich und mache alles andere selbst“, sagt Luft. Er fahre sogar noch S-Bahn.

Langenhagens stellvertretender Bürgermeister Willi Minne (links) bringt Heinrich Luft zum 100. Geburtstag einen Geschenkkorb und gute Wünsche mit. Quelle: Ursula Kallenbach

Seine Geschwister und weitere Familie, die im Odenwald leben, trifft Luft zu seinem 100. Geburtstag zu seinem Bedauern nicht. „Eigentlich wollten wir dort in einem Restaurant feiern“, sagt er. Aber es habe sich kein geeignetes Lokal gefunden, das für alle passte. „Dafür reichen die Geschenke jetzt bis Weihnachten“, scherzt er. Willi Minne, Langenhagens stellvertretender Bürgermeister, hat einen opulent gefüllten Präsentkorb mitgebracht, ebenso der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette, der außerdem Urkunden überreicht.

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Auch der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette (von links) hat ein Geburtstagskörbchen für den 100 Jahre alten Heinrich Luft dabei. Quelle: Ursula Kallenbach

Von Ursula Kallenbach

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