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Langenhagen Nach 64 Jahren schließt Bäckerei Alscher
Umland Langenhagen Nach 64 Jahren schließt Bäckerei Alscher
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00:16 04.07.2018
Hat immer auf seine Mitarbeiter gezählt: Walter Alscher mit den Verkäuferinnen Christiane Schulz (links) und Andrea Sasse. Quelle: Elena Everding
Langenhagen

Die Bäckerei Alscher an der Theodor-Heuss-Straße hat am Sonnabend zum letzten Mal die Türen geöffnet. Damit endet nach 64 Jahren die Ära eines der letzten kleineren handwerklichen Bäckerbetriebe in der Stadt. Inhaber Walter Alscher hat das Familienunternehmen einst aufgebaut –und der Arbeit fast sein ganzes Leben gewidmet.

Es ist nicht mehr übersehbar, dass das Ende ansteht. In der Backstube haben sich die Reihen bereits gelichtet, viele Maschinen fehlen. Sie wurden verkauft. An der Glasscheibe neben der Eingangstür und am Tresen hängen jeweils zwei Schilder: „Nach über 60 Jahren schließt die Bäckerei und Konditorei Alscher am 30.06.2018 aus Altersgründen endgültig ihre Pforten.“

Streuselkuchen bei Kunden begehrt

Der Inhaber Walter Alscher steht kurz vorher noch im Verkaufsraum und begrüßt eine Kundin, die gerade eine große Menge Brot und Gebäck gekauft hat. Sie habe schon einiges an Streuselkuchen von hier zuhause eingefroren, erzählt sie. „Der ist einfach der Beste“, sagt sie. Auch am Sonnabend, dem letzten Tag kam sie wieder, wollte noch ein letztes Mal in der Bäckerei einkaufen. Ob sie nicht doch das Streuselkuchen-Rezept bekommen könnte?, fragte sie „Das kann ich leider nicht machen“, sagt Alscher vielsagend.

84 Jahre ist Walter Alscher heute alt – und hat fast sein gesamtes Leben in der Bäckerei verbracht. Nach dem Krieg sind seine Eltern Marie und Ottomar Alscher nach der Flucht in Vinnhorst gelandet. Bereits in der alten Heimat hatten sie eine Bäckerei. „Dann meinte ein Ratsherr in Vinnhorst zu uns: ’Ihr müsst nach Langenhagen kommen’“, erzählt Alscher. Also baute die Familie ein Haus mit angegliederter Bäckerei an der Theodor-Heuss-Straße. „Wir haben bei Null angefangen“, erinnert er sich.

In diesem Haus sitzt Alscher nun, in seiner Wohnung über der Bäckerei – im Gespräch mit dieser Zeitung und blickt zurück. Von Anfang habe er im Betrieb seiner Eltern mitgeholfen, übernahm dann die Bäckerei. „Für mich kam nie infrage, einen anderen Beruf zu lernen.“ Und er spricht durchaus stolz von einer Erfolgsgeschichte: „Die Kunden waren immer zufrieden.“ Wenn Alscher zurückblickt, kommt er immer wieder auf seine Mitarbeiter zu sprechen. Sie sind sein Rückhalt, viele haben über Jahre oder sogar Jahrzehnte für ihn gearbeitet. „Ich hatte immer gute und fleißige Mitarbeiter.“ Sie seien Garant für den Erfolg gewesen. Größer werden wollte er mit seinem Betrieb trotz einiger Angebote allerdings nie – immer handwerklicher Bäcker bleiben.

Mitarbeiter haben Betrieb aufrecht gehalten

Und seine Mitarbeiter waren es auch, die den Laden in schweren Zeiten stets am Leben gehalten haben. In den 1980er Jahren verunglückte Alschers Ehefrau, mit der er bis dahin gemeinsam das Geschäft geführt hatte, bei einem Autounfall. „Da musste ich mich fragen: Wie geht es ohne meine Frau jetzt weiter“, erzählt der 84-Jährige. Doch während Alscher noch überlegte, unterstützen ihn seine Mitarbeiter mehr denn je, hielten den Betrieb am Laufen. „Da ging es einfach weiter“, sagt Alscher rückblickend.

Nach 72 Jahren, davon 64 in Langenhagen, ist nun Schluss: Die Bäckerei Alscher an der Theodor-Heuss-Straße schließt für immer. Inhaber Walter Alscher blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Trotz seiner 84 Jahre ist es nicht das eigene Alter, das ihn nun dazu bewegt hat, die Bäckerei zu schließen. Vielmehr sind es drei seiner Mitarbeiter, die jetzt in die verdiente Rente gehen. „Ich hätte neue Bäcker und einen Konditor suchen und noch einmal ganz von vorne anfangen müssen.“ Er selber hätte allerdings in der Tat noch weiter gemacht. Denn er fühlt sich auch nach 70 Berufsjahren noch fit. „Fünf Jahre hätte ich bestimmt noch arbeiten können“, sagt er schmunzelnd. Für die übrigen Angestellten sei ebenfalls gesorgt, meint er.

Alschers Stammkunden sind seinen Angaben nach angesichts der Schließung traurig. Zum Schluss sei noch einmal richtig viel los im Laden gewesen, die Kunden hätten sich mit Vorräten eingedeckt. „Sie schätzen die Qualität hier – wir machen alles selbst“, betont der Bäckermeister. Besonders für den Streusel- und Butterkuchen habe die Bäckerei stets viel Lob bekommen. Alscher bleibt indes bescheiden, wenn er nach seinem Geheimnis gefragt wird: „Ich habe das Backen nicht erfunden. Aber ich habe mir immer Mühe gegeben – mehr geht nicht.“ Und ganz wichtig: „Ein guter Bäcker zeichnet sich durch Zeit aus.“

Bäckerei wird nach Umbau weiterbetrieben

Auch in seinem wohlverdienten Ruhestand will Alscher aktiv bleiben. Er geht zum Sport und zwei mal in der Woche zum Skat. Und er bleibt seiner Wohnung über der Bäckerei treu. Gleichwohl: Das Leben ohne Arbeit wird für ihn wohl ungewohnt sein, meint er. Denn schließlich habe er sich sein Leben lang jedes Jahr nur drei Wochen Urlaub gegönnt, vielfach auf Sylt. Doch: „Nach zwei Wochen wollte ich immer schon wieder arbeiten.“

Eine gute Nachricht für seine Kunden hat Alscher aber parat: Es wird künftig an der Theodor-Heuss-Straße auch weiter Brot und Kuchen geben. Die Bäckerei Raute aus Hannover richtet dort nach einer Umbauphase eine Filiale ein. Mit den neuen Betreibern versteht sich Alscher gut, sagt er. „Ich werde dann immer morgens dort einen Kaffee trinken gehen“, kündigt Alscher an. Und eine zweite frohe Botschaft gibt es noch: Eben diese Bäckerei soll das Rezept für seinen Streuselkuchen bekommen.

Von Elena Everding

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