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Langenhagen Zoll und Polizei durchsuchen Paketdienst in Langenhagen
Umland Langenhagen Zoll und Polizei durchsuchen Paketdienst in Langenhagen
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00:15 25.08.2018
Polizei und Zoll durchsuchen seit Mittwochmorgen einen Zustelldienst in Langenhagen. Quelle: Sven Warnecke
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Schulenburg

Seit den frühen Morgenstunden haben 75 Zoll- und Polizeibeamte am Mittwoch einen Paketdienst in Schulenburg durchsucht. Es geht um den Verdacht der illegalen Beschäftigung und Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen. Der im Fokus der Ermittler stehende 33 Jahre alte deutsche Firmeninhaber mit polnischen Wurzeln betreibt nicht nur am Eschenweg in Schulenburg, sondern auch an der Karl-Kellner-Straße in Langenhagen ein Verteil- und Auslieferungszentrum für Paketsendungen im Auftrag des Handels- und Logistikdienstleisters Hermes. Die Beamten vernahmen sämtliche dort angetroffenen 64 Mitarbeiter. Zwei Kurierfahrer bemerkten morgens die Kontrolle rechtzeitig und konnten noch rasch verschwinden. Festnahmen hat es am Mittwoch keine gegeben. Allerdings werden vermutlich viele Kunden auf die für diesen Tag avisierten Sendungen umsonst warten.

Nach Auskunft von Oliver Keuck, Sprecher des Hauptzollamtes Hannover, hatten die Einsatzkräfte – darunter auch Beamte des Langenhagener Kommissariats und des Zentralen Polizeidienstes – am Mittwoch gegen 8 Uhr damit begonnen, die in dem Betrieb in Schulenburg angetroffenen Männer zu überprüfen. Sie stammen aus Litauen, Weißrussland, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine. Und die Ermittler wurden rasch fündig. Von den 64 kontrollierten Leuten vor Ort waren nur 14 ordnungsgemäß angemeldet, sagt Keuck auf Anfrage. Bei 16 Litauern besteht der Verdacht der Scheinselbstständigkeit. Zudem halten sich die dort angetroffenen zwei Weißrussen und 31 Ukrainer illegal in Deutschland auf. Sie konnten nur polnische Visa vorweisen.

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Ukrainer bringen Zoll auf die Spur

Kurios dabei: Die Ermittlungen des Zolls hatten Ukrainer selbst ins Rollen gebracht. Sie hatten sich vor einiger Zeit an die Polizei in Großburgwedel gewandt und von den Um- und Zuständen in dem Unternehmen berichtet, sagte Keuck weiter.

Der Zoll geht nun dem Verdacht der illegalen Beschäftigung, der Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen nach. Zudem wird geprüft, ob der gesetzliche Mindestlohn eingehalten worden ist. Angesichts der am Mittwoch festgestellten durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit der Kurierfahrer von etwa elfeinhalb Stunden dürfte der Verdienst der Leute vermutlich weit unter dem Mindestlohn liegen, schätzt Keuck die Situation ein.

Am Donnerstag sollen noch Gespräche mit der Staatsanwaltschaft und der Ausländerbehörde geführt werden, um die weiteren Schritte abzustimmen, kündigte der Zollbeamte an. Ein erstes Ermittlungsverfahren gegen den im Urlaub weilenden Firmeninhaber wegen Beihilfe zum illegalen Aufenthalt in Deutschland wurde bereits eingeleitet. Angesichts der sichergestellten Beweise verzichtete der Zoll auf die Durchsuchung weiterer Geschäfts- und Privaträume.

Hermes will Ermittlungen unterstützen

Der Handels- und Logistikdienstleister Hermes wird bis zum Abschluss der polizeilichen Untersuchungen keinen Kommentar zu den Vorgängen in Langenhagen abgegeben, sagte Unternehmenssprecherin Claudia Schanz am Mittwoch auf Nachfrage. Sie spricht von den Ermittlungen des Zolls und der Polizei aber von einem „Regelprozedere“. „Und das unterstützen wir vollumfänglich.“

Von Sven Warnecke

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