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Langenhagen Prellte Langenhagener Firma Anleger um eine Milliarde Euro?
Umland Langenhagen

Immobilien: Prellte Firma aus Langenhagen Anleger um eine Milliarde Euro?

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09:25 21.09.2020
Hinter dieser Fassade wurden offenbar zum Teil wertlose Immobilien gekauft. Quelle: Conrad von Meding
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Hannover/Langenhagen

Der Fall der German Property Group mit Sitz in Langenhagen bei Hannover entwickelt sich möglicherweise zum größten Immobilienbetrug des vergangenen Jahrzehnts in Deutschland. Wie der Insolvenzverwalter der Unternehmensgruppe, Gerrit Hölzle, dem „Handelsblatt“ berichtet, warb die Firmengruppe mehr als eine Milliarde Euro bei Anlegern ein. Davon sollten Immobilien gekauft werden. Nach einer ersten Durchsicht von Hölzle mit Finanzprüfern liegt die Liquidität der Gesellschaften lediglich bei rund 200.000 Euro.

Wertlose Ackerflächen gekauft

Die Gesellschaften haben unter anderem nahezu wertlose Ackerflächen in ihrem Bestand. Dem Insolvenzverwalter seien inzwischen mehr als 50 Immobilien bekannt, die die Gruppe im Bestand hat. Darunter gebe es zwar auch einige Altbauten mit Potenzial. Aber viele der Immobilien seien nicht saniert worden, sagt der Insolvenzverwalter. Seine Prognose: „Der Verkauf einiger Objekte dürfte schwierig werden.“ Zudem reiche der Bestand bei Weitem nicht aus, die Ansprüche der Anleger zu befriedigen.

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Auch der Bericht unabhängiger Finanzberater fällt verheerend aus. In dem Papier, aus dem das „Handelsblatt“ zitiert, heißt es: „Nach unseren bisherigen Eindrücken wurde keine geordnete Unternehmensstruktur eingehalten.“ Das Archiv vermittle einen ungeordneten bis chaotischen Eindruck. „Geordnete Arbeitsabläufe und Prozesse waren nicht erkennbar.“ Die Finanzprüfer haben den Verdacht strafrechtlich relevanten Verhaltens von Mitarbeitern und Organen der Unternehmensgruppe.

Kopf der Gruppe gilt als Verkaufsgenie

Kopf der Unternehmensgruppe war der Deutschbrite Charles Smethurst. Der Mann gilt bei ehemaligen Mitarbeitern als Verkaufsgenie. Geschäftszweck des Unternehmens war angeblich die Sanierung historischer Gebäude. Dafür soll die Smethurst-Gruppe in den ersten Jahren beispielsweise in Irland mehr als 100 Millionen Euro eingesammelt haben, in Großbritannien sogar 350 Millionen Euro – vor allem bei Pensionsfonds, die sich von der Firmengruppe in Langenhagen eine gute Rendite versprachen.

Zu Anfang floss eine zweistellige Rendite. Aber die meisten Projekte waren nach den bisherigen Erkenntnissen nur Fassade. Um die Ansprüche der Anleger zu befriedigen, sammelte das Unternehmen weiter Geld bei Anlegern ein. Deshalb geht Hölzle bei der German Property Group auch von einem Schneeballsystem aus.

Geld an Angehörige geflossen?

Der Insolvenzverwalter hat laut dem Zeitungsbericht handfeste Indizien, dass Smethurst sich und ihm nahestehenden Personen Geld aus dem Vermögen der Anleger zugeschanzt hat. Beispielsweise sollen an die inzwischen insolventen Firmen seiner Ehefrau hohe Millionenbeträge aus der German Property Group geflossen sein. Nach einem Immobilienkauf seines Sohns in Leipzig soll das Langenhagener Unternehmen für die Rückzahlung des Darlehens aufgekommen sein.

Charles Smethurst wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern. Über Anwälte ließ er lediglich mitteilen, dass er sich demnächst bei der Staatsanwalt äußern werde.

Von Mathias Klein