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Langenhagen Langenhagen sagt Rassismus den Kampf an
Umland Langenhagen Langenhagen sagt Rassismus den Kampf an
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11:25 10.03.2019
Sie schauen bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus nicht weg: Teilnehmer eines Orientierungskurses der VHS Langenhagen, der in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten Justyna Scharlé angeboten worden ist. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

 „Schau nicht weg!“ – unter diesem Motto will die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé während der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 11. bis 24. März die Menschen in der Stadt für das Thema sensibilisieren. Mit der Volkshochschule hat sie dazu mit 24 Teilnehmern eines Orientierungskurses Botschaften erarbeitet. Diese sollen plakativ als „Gedankenwolken“ auf Langenhagener Fußwegen prangen, kündigt Scharlé an. Alle enthalten zudem einen QR-Code, über den die Passanten mehr über den jeweiligen Inhalt erfahren können.

Ihren Angaben zufolge sind es 30 einzelne Botschaften geworden, die die Teilnehmer des VHS-Orientierungskurses formuliert haben. Daraus sind 90 Aufkleber entstanden, die schließlich in einer Größe von 40 mal 60 Zentimetern die Gehsteige in Langenhagen verzieren sollen. Sie werden die Menschen zwar nicht zum Stolpern bringen, aber hoffentlich zum Nachdenken animieren, heißt es von der Integrationsbeauftragten weiter. „Diese Botschaften gegen Rassismus und für Toleranz sollen möglichst viele Menschen erreichen“, wünscht sich Scharlé. „Hast Du Vorurteile?“ fragt dabei etwa die 22 Jahre alte Eva aus Italien, „warst Du schon einmal in der Moschee in Langenhagen?“ sendet die 61 Jahre alte Ute ihre Botschaft aus. Die Fragen ließen sich beliebig fortsetzen, sämtliche Aufkleber erhalten daneben auch den Slogan „Langenhagen bunt und weltoffen“.

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Wochen gegen Rassismus erinnern an Massaker in Südafrika

„Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die jedes Jahr um den 21. März stattfinden, werden weltweit Aktionen durchgeführt, die für das Problem der Diskriminierung aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft oder Religion sensibilisieren“, kündigt die Langenhagener Integrationsbeauftragte ferner an. An dem 21. März 1960 hatten gut 20.000 Menschen im südafrikanischen Sharpeville nahe Johannesburg friedlich gegen die diskriminierenden Passgesetze des damaligen Apartheid-Regimes demonstriert. Die Polizei habe damals 69 Demonstranten erschossen, mindestens 180 wurden zudem verletzt. „Dieses Blutbad ging als Massaker von Sharpeville in die Geschichte ein“, ruft Scharlé in Erinnerung. Die Stadt Langenhagen beteiligt sich inzwischen zum fünften Mal an der weltweiten Aktion, sagt die Integrationsbeauftragte. 

Kursteilnehmer sollen in die Öffentlichkeit gehen

Die 24 Frauen und Männer haben dafür in den vergangenen Wochen in dem 100 Stunden umfassenden VHS-Orientierungskurs mit der Leiterin Danute Eimers-Klimaite den Botschaften-Katalog entwickelt. Der Kurs richtet sich an all jene Menschen, die in Deutschland einwandern möchten. Er sei ergänzend zu den Sprachkursen und werde vom Bundesinnenministerium gefördert, erläutert Langenhagens VHS-Chefin Annette von Stieglitz. Dort würden etwa Kenntnisse in das hiesige Rechtssystem, in die Bedeutung der Demokratie sowie auch in die Symbolik des deutschen Staates vermittelt, sagt sie.

Und die Teilnahme an den Aktionswochen habe durchaus praktische Gründe, betont von Stieglitz. „Uns ist wichtig, dass die Menschen rausgehen.“ Die Lerngruppen sollen sich nicht „abschotten“, sondern sich vielmehr in der Öffentlichkeit zeigen. Denn das vermittle ihnen auch, wie wichtig der „Zusammenhalt der Gesellschaft“ ist. Und noch entscheidender: „Wir wollen den Teilnehmenden die positive Erfahrung vermitteln, dass sie selbst etwas bewirken können“, hebt die VHS-Leiterin hervor, die für die „spürbare und breite Unterstützung des Rates und der Stadtverwaltung dankbar ist“.

Der Auftakt der Aktion „Schau nicht weg!“ startet am Montag, 11. März, um 11 Uhr im Langenhagener Rathaus-Innenhof. Dort werden auch die ersten Aufkleber auf dem Marktplatz sowie den angrenzenden Fußwegen aufgebracht. Zudem werden dort weitere an freiwillige „Aufkleberpaten“ ausgegeben, die diese in Langenhagen verteilen sollen, kündigt Scharlé an

Von Sven Warnecke