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Langenhagen Interview mit Sabine Kerber: In der Bücherei ist es schnell eng und voll
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Interview mit Sabine Kerber zur Bibliothek: In der Bücherei in Langenhagen ist es schnell eng und voll

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18:04 03.01.2020
Sabine Kerber ist seit 2004 Leiterin der Stadtbibliothek in Langenhagen. Quelle: Julia Gödde-Polley
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Frau Kerber, lesen die Langenhagener noch Bücher?

Ja, es wird noch gelesen. Vielleicht ist es bei den Einzelnen so, dass sie nicht mehr so viel lesen wie früher. Aber gerade die Kinder leihen viele Bücher aus. Natürlich werden auch andere Medien genutzt. Aber Bücher werden in der Stadtbibliothek immer noch stark nachgefragt. Einige unserer Leser wären sehr unglücklich, wenn sie ihre Bücher nicht mehr hätten.

Hat sich die Ausleihe in der Bücherei verändert?

Bei den Sachbüchern ist die Ausleihe etwas zurückgegangen. Ebenso bei Personenlexika. Da wird heute viel im Internet gesucht. Reiseführer gehen aktuell gut, ebenso Ratgeber zur Lebensführung, Bücher zur Handarbeit, Einrichtung oder Kochbücher. Krimis und Liebesromane sind zwei Sparten, die gehen immer. Bei den Kindern werden oft Serien gelesen. Das einzelne Kinderbuch hat es dann etwas schwer. Hörbücher für Erwachsene laufen auch ziemlich gut. Das ist schon einige Jahre so und das hält bis heute an.

Gegenüber zu früheren Zeiten sitzen viel mehr Menschen hier in der Bibliothek. Es halten sich viel mehr Leute auf und auch länger als früher – darunter etwa Schüler, die sich zum Lernen treffen. Die Bibliothek wird zum Aufenthaltsraum. Deshalb haben wir viele Arbeitstische aufgestellt, aber die sind oft alle besetzt und es müssen Lern- oder Lesewillige wieder gehen oder sich irgendwo zwischen die Bücherregale setzten.

In der Bücherei an der Konrad-Adenauer-Straße gibt es bereits Sitz- und Leseecken. Doch diese reichen oftmals nicht aus. Quelle: Julia Gödde-Polley

Die Bibliothek soll in das Schulzentrum ziehen. Was erhoffen Sie sich von dem Umzug?

Wir haben aktuell leider keine abgeschlossenen Räume für Lernende und Veranstaltungen. Deshalb wären wir auch gerne schon eher in den D-Trakt am Schulzentrum gezogen. Wir hatten schon viele Pläne für die neuen Räume. Das dauert jetzt leider noch ein bisschen, da die IGS die Räume ja noch benötigt. Aktuell können wir Veranstaltungen nicht so oft machen, weil sich die übrigen Leser gestört fühlen. Wir haben beispielsweise das Klöncafé oder die Veranstaltung Babys in der Bibliothek. Die Menschen wollen gerne gemeinsam etwas machen und nicht alleine zu Hause sitzen. Doch es wird schnell eng und voll. Wir machen hier, was wir machen können, um den vorhandenen Raum gut zu nutzen. Wir versuchen hier so umzuräumen und es schön zu machen, wie es geht. Aber wir stoßen halt an unsere Grenzen.

Für Kinder gibt es in der Bücherei einen extra Bereich. Doch ein separater Raum fehlt. Quelle: Julia Gödde-Polley

Was wird sich konkret ändern?

Am neuen Standort hätten wir mehr Platz. Einige Sachen stehen jetzt sehr eng –zum Beispiel gibt es in der Romanabteilung keine Sitzmöglichkeiten mehr, weil der Platz fehlt. Künftig hoffen wir auf abgetrennte Räume und mehr Sitz- und Leseecken. Auch die Kinderbibliothek könnte abgetrennt werden. Dann hätten die Kinder so ihr eigenes Reich. Vielleicht ist zudem ein kleiner Veranstaltungsbereich möglich, dass wir nicht immer hin und her schieben müssen mit den Möbeln. Von der Lage wäre das Schulzentrum ideal. Zentrumslage muss schon sein, damit die Menschen aus allen Richtungen kommen können. Gerade auch die Bushaltestelle direkt davor ist sehr gut. Zudem sollte alles barrierefrei sein.

Die Regale stehen dicht zusammen, weil der Platz in den Räumen der Stadtbibliothek begrenzt ist. Quelle: Julia Gödde-Polley

Die Politik in Langenhagen muss sparen. Haben Sie Angst, dass es auch Sie trifft?

Es geht ja nicht um uns selbst, sondern um die mehr als 5000 angemeldeten Leser nebst Familienangehörigen, das sind neben Erwachsenen, Senioren und Kindern auch viele Schüler und Auszubildende. Wir hoffen, dass wir unsere Angebote für diese Leser aufrechterhalten können. Jedes Jahr haben wir in der Bibliothek circa 90.000 Besucher, welche die Medien ausleihen oder auch vor Ort nutzen. Es ist ja auch nachhaltig, wenn man Bücher ausleiht. Die Bücher werden geteilt. Bei vielen gehört das wirklich zum Familienleben dazu, dass man in die Bibliothek geht und sich Sachen ausleiht. Die Eltern sitzen oft mit ihren Kindern in der Kinderbibliothek und lesen vor oder suchen gemeinsam Bücher zum Ausleihen aus.

Merken Sie die Konkurrenz durch das Internet?

Ja, in einigen Bereichen, in denen es um Informationen geht – beispielsweise Musikerbiografien. Da wandern schon einige ins Internet. Aber wir sind auch digital unterwegs im Onleihe-Verbund. Dort werden digital viele Romane gelesen. Sachbücher sind auf dem E-Book-Reader dagegen eher schwierig. Außerdem gibt es vor Ort seit Neuestem sogenannte Hör-Sticks auf USB. Da sind bis zu drei Bücher drauf. Es gibt immer neue Entwicklungen. Kassetten gibt es beispielsweise schon seit einigen Jahren nicht mehr. Jetzt haben wir alles auf CD. Aber auch die Musik-CDs laufen langsam aus. Das ist etwas, was durch Streaming-Dienste zurückgegangen ist.

Nutzen denn die Menschen die Onleihe?

2018 waren 7 Prozent unserer Ausleihen Onleihe-Ausleihen. Insgesamt 8 Prozent unserer Leser nutzen das. Es wird ganz gut angenommen und es nutzen immer mehr Menschen. Viele entdecken es noch. Es gibt aber auch Nutzer, die dem E-Book wieder abgeschworen haben und lieber ein gebundenes Buch lesen. Ich nutze beides, gerade unterwegs ist der eBook-Reader toll. Wir hatten am Anfang im Jahr 2009 gedacht, dass viele junge Menschen sich auf die Onleihe stürzen, aber das ist nicht so. Es sind auch viele Ältere dabei, die sich zum Beispiel die Schrift vergrößern wollen oder nicht so viel Gewicht mit in den Urlaub nehmen wollen.

Welche Angebote hält die Bücherei für Lesefreunde bereit?

Wir schaffen natürlich immer regelmäßig Neues an und Veraltetes wird aussortiert. Derzeit haben wir circa 72.000 Medien – inklusive der Titel in der Onleihe. Circa 55.000 davon sind Bücher. Zudem haben wir unter anderem Spiele, Puzzles, Stadtpläne, Zeitungen und Zeitschriften, Hörbücher, Konsolenspiele, Tonie-Figuren sowie DVDs und Blu-Rays.

Nicht nur Bücher bietet die Bibliothek zur Ausleihe an. Sondern beispielsweise auch DVDs. Quelle: Julia Gödde-Polley

Ausleihe ist für Kinder und Jugendliche kostenlos

Die Stadtbibliothek an der Konrad-Adenauer-Straße 6 hat dienstags bis freitags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Nutzer können zudem sonnabends von 9 bis 14 Uhr Bücher und vieles mehr ausleihen. Das Angebot kostet für Erwachsene 20 Euro pro Jahr. Wer einen Leseausweis für ein halbes Jahr beantragt zahlt 12 Euro. Zudem wird eine einmalige Anmeldegebühr in Höhe von 3 Euro fällig. Alle Langenhagener Kinder und Jugendlichen bis zum 21 Lebensjahr lesen kostenlos. „Nur, wenn man seine Bücher zu spät zurückbringt, dann muss man natürlich auch bezahlen“, sagt die Leiterin der Bibliothek. Interessierte können sich jederzeit flexibel anmelden. Sabine Kerber wirbt für das Angebot: „Das ist eigentlich relativ günstig für das, was man sich alles ausleihen kann“.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig zu lesen?

Man muss ja sein ganzes Leben lang überall lesen können, um Informationen zu bekommen. Wichtig ist es, flüssig zu lesen und den Sinn des Textes zu verstehen. Das Vorlesen ist auch ganz wichtig für die Allerkleinsten, um neue Wörter kennenzulernen. Wenn sie dann später selber lesen lernen, kennen sie die Wörter schon und wissen, wie man sie ausspricht. Kinder, denen vorgelesen wird, erwerben einen größeren Wortschatz. Bei den Studien zu Analphabeten in Deutschland bin ich immer erschreckt. Da muss man gegensteuern.

Zur Person: Diplom-Bibliothekarin Kerber leitet Bücherei seit 2004

Sabine Kerber ist 55 Jahre alt und Diplom-Bibliothekarin. Sie hat in Stuttgart studiert. Seit 2004 leitet sie die Stadtbibliothek in Langenhagen. Insgesamt sind zehn Angestellte in der Bücherei aktiv und kümmern sich um insgesamt circa 72.000 Medien. Kerber selbst liest gern Sachbücher – unter anderem Biografien und Literatur über Reisen –, aber auch Krimis.

Ihrer Ansicht nach hat sich Arbeit als Bibliothekarin verändert. „Die Arbeit ist vielschichtiger geworden. Es gibt mehr verschiedene Medien, nicht mehr nur Bücher“, sagt Kerber. Im Gegensatz zu früher arbeite man in dem Beruf viel am Computer und mit dem Internet. Die Recherche nach Buchtiteln habe sich dadurch vereinfacht.

So kommen Lesefreunde am Wochenende und an Feiertagen an neuen Lesestoff

Über die Onleihe können sich Büchereinutzer rund um die Uhr mit neuen Büchern, Hörbüchern, Zeitschriften und vielem mehr eindecken – auch am Wochenende oder an Feiertagen. Auf www.nbib24.de stehen alle knapp 135.000 Medien und circa 30.000 verschiedene Exemplare digital bereit und können auf den Computer, einen E-Reader, das Handy oder Tablet geladen werden – von unterwegs oder beispielsweise auch vom Urlaubsort aus. Auf dem Handy und Tablet können sich die Nutzer die Onleihe-App laden, über diese die Dateien verwaltet werden. Einzige Voraussetzung für das digitale Angebot: „Sie müssen natürlich bei uns angemeldet sein“, sagt Sabine Kerber. Bei der ersten Anmeldung müssen die Nutzer die Benutzernummer ihres Leseausweis und als Passwort ihr Geburtsdatum rückwärts eingeben. Dann kann es losgehen.

Die Nutzer können selbst entscheiden, wie lange sie das Exemplar ausleihen wollen und können es gegebenenfalls auch selbst zurück geben. Die digitalen Dateien können bis zu 21 Tage genutzt werden. „Danach lässt es sich dann einfach nicht mehr öffnen“, sagt Kerber. Lesefreunde können bis zu zehn Dateien gleichzeitig nutzen.

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Von Julia Gödde-Polley

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