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Langenhagen Kurse gegen Gewalt: Botschafter Christoph Rickels macht Schläger zu Außenseitern
Umland Langenhagen

Kurse gegen Gewalt in Langenhagen: Botschafter Christoph Rickels macht Schläger zu Außenseitern

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09:39 12.09.2019
Christoph Rickels (von links) gibt seit fünf Jahren Gewaltpräventionskurse an Langenhagener Schulen. Die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé, der Kontaktbeamte Dirk Schell sowie VHS-Chefin Annette von Stieglitz freuen sich über die Zusammenarbeit. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Langenhagen

Er gibt nicht auf: Christoph Rickels wurde vor zwölf Jahren vor einer Disco in Aurich zusammengeschlagen. Wegen einer Gehirnblutung lag er im Koma. Seitdem ist der 32-Jährige halbseitig gelähmt. Das Gewaltopfer sitzt nicht im stillen Kämmerlein und frisst seinen Frust in sich hinein. Nein, der gebürtige Ostfriese gesellt sich mit seinem Projekt First Togetherness unter Jugendliche und klärt sie über die Folgen von Gewalt auf. Die Resonanz von Schülern und Lehrern in Langenhagen fällt stets positiv aus. Damit das auch in Zukunft so ist, sucht der Präventionsrat Sponsoren.

Rickels ist Botschafter gegen Gewalt. Seit fünf Jahren gibt der in Kassel lebende Mann Gewaltpräventionskurse in Langenhagen. 69 Veranstaltungen bis Ende dieses Jahres mit mehr als 2000 Schülern ist seine Bilanz. Die Auftaktveranstaltung hatte der Coach 2015 in der damaligen Brinker Schule gehabt. „Der Testlauf ist ihm gelungen“, erinnert sich der Kontaktbeamte und Präventionsratmitglied Dirk Schell, der die Etablierung des Projektes vorangetrieben hat. Der allgemeine Tenor lautete damals: weitermachen.

Neues Projekt mit geflüchteten Kindern

Bereits ein Jahr später folgten 17 Kurse zur Gewaltprävention mit Achtklässlern. 2017 hatte Rickels auch eine Veranstaltung mit Jugendlichen in der Moschee der Islamischen Gemeinde. Zwölf Monate später begann er ein Pilotprojekt mit Dritt- und Viertklässlern an der Hermann-Löns-Schule. Hinzu kamen drei Selbstverteidigungs-AGs ebenfalls an der Grundschule und der IGS-Süd. Ein weiteres Projekt startete der lebensbejahende Mann gerade mit geflüchteten Kindern aus Langenhagen.

Durch einen Kollegen hatte Schell von Rickels erfahren und ihn in die Stadt geholt. Zusammen mit dem Präventionsrat hat Rickels das Projekt gegen Gewalt in Langenhagen umgesetzt und im Laufe der Jahre erweitert. Langenhagen sei eine der ersten Kooperationspartner für ihn gewesen. „Ich bin froh, dass ich immer weitermache“, sagt der 32-Jährige und lacht.

Auftritte sind beste Übungen

Dabei gibt es für den Mann eigentlich wenig zu lachen. Dennoch wirkt er fröhlich. Wie er selbst sagt, sei er ein Sozialfall, sein Körper sei kaputt und er auf Hilfe angewiesen. Gleichwohl sind seine Kontakte zu den Schülern für ihn Bestätigung und Motivation zugleich. „Die Auftritte sind beste Übungen für mich“, sagt Rickels, der seit der Gewaltattacke auch Probleme mit der Artikulation hat. Diese Einschränkung werde aber durch die Projekte besser.

Resonanz fällt positiv aus

Auch wenn es für Rickels hart ist, erzählt er den Schülern eindringlich von seinem persönlichen Schicksal und Leid. „Das tut mir gut und gibt mir Kraft.“ Das merkt auch Schell, der den jungen Mann zu jeder Veranstaltung begleitet. „Die Resonanz auf seine Auftritte ist sehr positiv.“ Die Jungen und Mädchen sprechen über Rickels in der Schule. Es sei auch faszinierend, wie Chris, so nennt ihn Schell, auch schwierige Schüler emotional packt. Diese nennt Rickels scherzhaft Obergangster. „Er redet in deren Sprache und macht ihnen klar, dass sie gar nicht so cool sind, wie sie sich geben“, erzählt Schell.

Mittlerweile tritt Rickels auch in der Schweiz und in Luxemburg auf. Es gibt einen Film über ihn in der Rubrik „Helden des Alltags“, und er selbst hat ein Buch herausgebracht. Zudem gab es bereits reichlich Auszeichnungen für den mutigen Mann.

Integrationsbeirat sucht Paten für Projekt

Damit Rickels weiter für ein gewaltfreies Miteinander in Langenhagener Schulen werben kann, sucht der Präventionsrat Paten für das Projekt. „28 Unterstützer, die etwa je 350 Euro geben, würden das entsprechende Volumen liefern“, rechnet Justyna Scharlé, Integrationsbeauftragte der Stadt, vor. Aber der Integrationsrat freut sich über jeden Cent. Das Projekt sei ein Jackpot für Rickels gewesen. „Es wäre eine Tragödie, wenn ich in Langenhagen nicht mehr als Botschafter gegen Gewalt auftreten könnte“, sagt der 32-Jährige. Er wolle Schläger zu Außenseitern machen.

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Von Katerina Jarolim-Vormeier

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