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Langenhagen ADFC fordert mehr gegenseitige Rücksicht im Verkehr ein
Umland Langenhagen ADFC fordert mehr gegenseitige Rücksicht im Verkehr ein
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16:32 12.04.2019
Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist zwar gesunken, aber trotzdem gibt es für die Zweiradfahrer laut einer Studie des ADFC um Rudi Eifert (von links), Reinhard Spörer, Petra Brandt und Hans-Erich Welge noch viele Baustellen in Langenhagen.
Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist zwar gesunken, aber trotzdem gibt es für die Zweiradfahrer laut einer Studie des ADFC um Rudi Eifert (von links), Reinhard Spörer, Petra Brandt und Hans-Erich Welge noch viele Baustellen in Langenhagen. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Das Ergebnis des Fahrrad-Klima-Testes – 148 Teilnehmer hatten an der Befragung in der Stadt teilgenommen – lässt die Langenhagener Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zwar nicht jubeln – aber nach eigenem Bekunden auch nicht verzweifeln. Es hat sich ein wenig in Sachen Sicherheit in der Stadt getan, konstatiert der Sprecher der Ortsgruppe, Reinhard Spörer. Doch angesichts der Gesamtnote von 3,9 und dem Platz 43 im bundesweiten Vergleich von 106 Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern bleibe durchaus noch einige Luft nach oben.

Spörer bewertet etwa die Mitnahme von Fahrrädern in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn oder die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad durchaus positiv. Doch negativ falle in dem Städtevergleich unter anderem auf, dass es keine Leihfahrräder sowie nur schlechte oder überhaupt keine Wegweiser für Radler sowie diverse holprige Radwege gebe.

Und weiter: Spörer und seine Langenhagener ADFC-Vorstandskollegen Rudi Eifert, Petra Brandt und Hans-Erich Welge haben unisono noch eine Botschaft parat: Alle vier fordern mehr Rücksichtnahme im Verkehr ein. Und das gelte nicht nur für Auto- und Lastwagenfahrer, sondern eben auch für die von ihnen vertretene Gruppe. Und genau aus diesem Grund sehen die Aktiven „das Fehlverhalten der Radler durchaus kritisch “, betont Eifert. Nur wenn alle mitziehen, könne es gelingen, die Unfallzahlen zu senken.

ADFC-Forderung: E-Biker sollen Fahrprüfung ablegen

Als einen neuen Schwerpunkt der Arbeit des ADFC bezeichnen die Aktiven die Zunahme der E-Bikes im Zweiradverkehr. Deshalb fordert Spörer einen Führerschein für die Nutzer und analog zum Procedere beim Fahren mit Motorrädern eine temporäre Drosselung der nicht unerheblichen Endgeschwindigkeit. Er kündigt deshalb an, unter Auslassung weiterer ADFC-Instanzen einen entsprechenden Antrag direkt an den Bundesverband zu schicken.

Reinhard Spörer ist durchaus streitbar. So bezeichnet er die von der Region Hannover favorisierten und derzeit etwa in Burgwedel realisierten sogenannten Fahrradschutzstreifen – also die auf die Straße gemalten Radwege – als „Verleitung zur Körperverletzung“. Neben fehlender Sicherheitsabstände der Verkehrsteilnehmer wüsste auch kaum jemand etwas über die dort geltenden Regeln, moniert er. Überhaupt die Unsicherheit. Diese lasse – und das ist auch ein Ergebnis des Testes – den daraus resultierenden Stressfaktor bei den Radfahrern in die Höhe schnellen. Dieser Wert habe sich seit der letzten Erhebung im Jahr 2016 in Langenhagen von Faktor 2,9 auf 3,4 deutlich verschlechtert.

Bügel helfen gegen den Klau von Fahrrädern

Doch es hat nach Dafürhalten des ADFC auch Verbesserungen in Langenhagen gegeben. Und diese sind durchaus auch messbar. So ist die Zahl gestohlener Fahrräder deutlich zurückgegangen. Für Spörer ein klares Indiz, dass die von der Region Hannover finanzierte „Fahrradbügel-Aktion“ durchaus von Erfolg gekrönt ist. Zudem würden auch immer mehr Radler auf hochwertige Schlösser zurückgreifen. Ohne entsprechende Bügel wäre das vermutlich anders, meint Spörer. „Das teuerste Schloss hilft nicht, wenn das gesicherte Fahrrad weggetragen werden kann.“ Aus diesem Grund ist der Club froh, dass die Aktion der Region auch in diesem Jahr mit weiteren 50 Fahrradbügeln in Langenhagen fortgesetzt wird. Und der ADFC nimmt per E-Mail an Langenhagen@ADFC-Hannover.de Vorschläge für weiterer Bügel im öffentlichen Bereich, aber auch auf Firmengrundstücken entgegen.

Der ADFC Langenhagen wünscht sich neben dem Bügelprogramm jedoch auch, dass „in Zukunft deutlich mehr auch für die Sicherheit der Radfahrenden selber gemacht wird“, fordert Spörer. Gleichwohl erinnert er die Verantwortlichen in den Rathäusern in Hannover und Langenhagen auch daran, dass der bereits angekündigte Fahrradschnellweg von der Landeshauptstadt bis nach Kiebitzkrug zügig umgesetzt wird. Immer mit dem Ziel, vorhandene gefährliche Stellen zu entschärfen. Und davon gebe es reichlich in der Stadt, konstatiert der ADFC-Vorstand.

Rückhalt in der Politik wäre wichtig

Was sich nun letztlich für Radfahrer in Langenhagen zum Positiven ändert, soll der für Herbst 2020 angekündigte nächste Klima-Test zeigen. Doch eins ist für Spörer heute schon wichtig: Er wünscht sich mehr Rückhalt aus der Langenhagener Politik. Aus diesem Grund appelliert er an die Vertreter der Parteien und Gruppen, selbst verstärkt auf das Fahrrad umzusteigen, um einmal die Perspektive zu wechseln. Deshalb lädt der ADFC alle Langenhagener für Sonntag, 5. Mai, dazu ein, sich an einer Erkundungstour durch die Stadt zu beteiligen. Treffpunkt ist an diesem Tag um 10 Uhr am Rathaus, Marktplatz 1.

Von Sven Warnecke