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Langenhagen Alter Löschteich wird nicht zugekippt
Umland Langenhagen Alter Löschteich wird nicht zugekippt
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00:16 19.01.2019
Der alte Feuerlöschteich in Engelbostel wird von Naturschützern, Ortsheimatpfleger, aber auch vielen Anwohnern als schützenswertes Kleinod gesehen. Quelle: Sven Warnecke
Engelbostel

Ein Kleinod im Herzen des Ortes sollte verschwinden. Sowohl der Finanzausschuss wie auch der Rat der Stadt Langenhagen hatte dem Antrag des Ortsrates Engelbostel zugestimmt, Geld für das Verfüllen des in die Jahre gekommenen Gewässers bereitzustellen. Davon zeugen auch ein verfaulter Steg sowie zwischenzeitlich als Absperrung errichtete Schutzzäune.

Doch daraus wird nun nichts mehr, wie Bürgermeister Mirko Heuer jetzt in der Januar-Sitzung des Rates mitteilte. Das dürfte nicht nur viele Anwohner freuen, im speziellen wohl auch Monika Sowada, die in der Bürgerfragestunde eine Unterschriftenliste als Protestnote dem Verwaltungschef übergab.

Monika Sowada überreicht die aus Protest gesammelten Unterschriften für den Erhalt des alten Feuerlöschteichs in Engelbostel. Quelle: Sven Warnecke

Allerdings hat wohl weniger die Kritik zum Einlenken der Stadt geführt, sondern vielmehr eher naturschutz- wie auch wasserrechtliche Aspekte. Das bestätigt dann auch Stadtbaurat Carsten Hettwer. Und mehr noch: Seine Fachleute hätten die Langenhagener Politiker bereits im Vorfeld auf diese Problematik hingewiesen, sagt er auf Anfrage weiter.

Nabu moniert fehlende Genehmigungen

„Der Teich darf nur mit einer wasserrechtlichen Genehmigung mit naturschutzrechtlicher Eingriffsregelung und Artenerfassungen verändert werden“, teilte dazu auch auf Anfrage Ricky Stankewitz, Vorsitzender des Langenhagener Naturschutzbundes (Nabu), mit. Nach der zunächst gefassten politischen Entscheidung hatte er nach eigenen Angaben deshalb auch die Untere Naturschutzbehörde der Region kontaktiert.

Denn es hatte im Vorfeld keinerlei Untersuchungen der dort lebenden Pflanzen- und Tierwelt gegeben, argumentiert der Naturschützer. Sollten dabei jedoch seltene Arten gefunden werden – Stankewitz hält dort den europaweit seltenen und deshalb streng geschützten Kammolch für „sehr wahrscheinlich“ – „darf der Teich nur dann verfüllt werden, wenn vorher ein Ersatzlebensraum geschaffen, die betreffenden Tiere dahin umgesiedelt wurden und es nachgewiesen ist, dass die Umsiedlung erfolgreich war“, listet er die per Gesetz geregelten Bedingungen auf. Als Nachweis gilt, wenn sich die betreffenden Arten anderenorts erfolgreich fortpflanzen. Doch das dauere alles. Stankewitz rechnet mit einer Verfahrensdauer von mindestens drei Jahren.

Gleichwohl räumt er auch ein, „dass alles, was rechtlich zulässig ist, nicht verhindert werden kann“. In Anbetracht des nötigen Gesamtverfahren geht er jedoch davon aus, dass die im Raum stehenden 20.000 Euro bei weiten nicht reichen werden. „Bedenkt man in diesem Zusammenhang, dass die Stadt Langenhagen sich massiv neu verschuldet, um Schulneubau und -sanierungen, Rathausanbau und ähnliche Vorhaben umzusetzen, sollte überlegt werden, ob diese aus meiner Sicht unnötige Ausgabe tatsächlich getätigt werden sollte“, appelliert er.

Ein Ratsherr schämt sich wegen Entscheid

Auch Ortsheimatpfleger Hans-Jürgen Jagau äußerte auf Anfrage erhebliche Bedenken zu dem im Rat durchgewunkenen Antrag des Engelbosteler Ortsrates, dass die Verwaltung „für die Planung, Verfüllung und Umgestaltung in eine Grünfläche 20.000 Euro zur Verfügung“ stellen soll. Schließlich müssten neben den naturschutz- und wasserrechtlichen Aspekte „auch die kulturhistorische Bedeutung des alten Löschteiches“ – dem letzten im Stadtgebiet – Rechnung getragen werden, argumentierte Jagau. Er spricht nicht nur von einem „Kleinod und wertvollen Biotop“, sondern auch von einem sogenannten Bodendenkkmal, das „unbedingt erhalten werden muss“.

Angesichts dieser losgetretenen Protestwelle gestand Wilhelm O. Behrens von der Grünen/Unabhängigen-Gruppe in der Ratssitzung dann auch unumwunden ein, dass er sich für seine erteilte Zustimmung „schämt“. Man sei aber im Ausschuss so in Kenntnis gesetzt worden, dass eine Verfüllung der ausdrückliche Wunsch der Engelbosteler sei. Dieser Beschluss „wird zurückgenommen“, versprach Behrens.

Von Sven Warnecke

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