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Langenhagen Der beste Azubi – mit 39 Jahren
Umland Langenhagen

Langenhagen: Betriebe und Arbeitsagentur kämpfen gegen Fachkräftemangel

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00:15 18.05.2019
Firmenchef Andreas Fox (rechts) hält seinen Neu-Gesellen Alexander Peter fest. Quelle: Sven Warnecke
Engelbostel

In vielen Branchen herrscht ein Mangel an Fachkräften. Angesichts des leergefegten Arbeitsmarktes mutet die erfolgreiche Suche für Betriebe vielfach wie reine Glückssache an. Doch soll nun anders werden, heißt es von der Agentur für Arbeit. Möglich soll dies das zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Qualifizierungs- und Chancengesetz machen.

Was sich hinter diesem eher sperrigen Begriff verbirgt, macht Heike Döpke, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Hannover, bei einem Besuch der Engelbosteler Dachdeckerei Fox deutlich. Deren Inhaber Andreas Fox beschäftigt in seinem Betrieb 20 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. Und Fox – er ist auch Innungsobermeister – ist ständig auf der Suche nach Fachkräften. Denn durchschnittlich jeder zweite Lehrling bricht die Ausbildung ab, die Verbliebenen entschieden sich nach ihrem erfolgreichen Abschluss häufig für andere, leichtere Berufe, berichtet Fox.

Jeder zweite Dachdecker-Azubi bricht Lehre ab

In der Folge könne es schwierig werden, die Aufträge zu erfüllen und zeitgleich handwerkliche Qualität zu gewährleisten. Denn auch in seiner Branche „gibt es genug schwarze Schafe, die herumlaufen“, betont der Dachdecker-Meister. „Wir haben laufend Stellen zu besetzen, das bewerben wir auf unserer Internetseite, in der Jobbörse und auch in der Zeitung – immer in der Hoffnung, das Bewerbungen eingehen. Es ist aber so, wenn sich eine Fachkraft bewirbt, muss diese ja auch menschlich noch zu uns passen – das gilt auch für Auszubildende. Bei den Bewerbungen die eingingen, wurde es mit der Auswahl oft eng und klappte nicht wie gedacht“, berichtet Fox weiter.

Jetzt hat die Agentur für Arbeit ein Lösungsmodell im Angebot, bei dem beide Aspekte berücksichtigt werden können, heißt es von Döpke weiter. Nachdem ein Betrieb eine offene Stelle meldet, suchen der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Region Hannover gemeinsam mit dem Unternehmen dann nach Lösungen. „Im besonderen Fokus stehen dabei die Qualifikation der Beschäftigten, die schon im Betrieb sind“, heißt es von der Arbeitsagentur weiter. Wenn diese mit entsprechender Fortbildung dann die Fachkraft-Lücke schließen kann, wird das von der Agentur umfassend finanziell gefördert. Über das Qualifizierungs- und Chancengesetz kann ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt gezahlt und die Weiterbildungskosten übernommen werden.

Und diese neue Möglichkeit hat Dachdecker Fox genutzt – auch dank Alexander Peter. Der heute 39-Jährige ist seit 2012 im Engelbosteler Betrieb ohne Berufsabschluss im Dachdecker-Handwerk als Helfer angestellt. Dank der neuen Fördermöglichkeiten entschloss sich Familienvater Peter, auf Bitten von Fox, den Abschluss nachzuholen. Angesichts der vielen Tausend Stunden Erfahrungen in der Branche reichte ihm ein viermonatiger Blockunterricht in der Dachdecker-Schule des Landes in St. Andreasberg, um die Gesellenprüfung abzulegen. Und nicht nur das. Im April beendete er die Ausbildung als Bester.

Fortbildung hat die Agentur 16.000 Euro gekostet

Peter ging es nach eigenem Bekunden bei seinem Schritt zum Gesellen nicht direkt um mehr Geld. Zuallererst müsse die Chemie im Betrieb stimmen, um die Entscheidung für die Schulbank zu fällen. Und ihm habe nicht nur der Chef motiviert, sondern auch die Kollegen. Für den Gesellen ist aber auch wichtig, sich beruflich und fachlich weiterzuentwickeln. Und nicht zuletzt steht er zu den Traditionen dieses alten Zunftberufes. „Dazuzugehören macht mich mächtig stolz“, gesteht der 39-Jährige.

Die Agentur für Arbeit hat in diesem Fall den Lohn von Peter in dieser Zeit voll übernommen und die Hälfte der Lehrgangskosten zur Vorbereitung auf die Prüfung bei der Handwerkskammer gezahlt. Die Summe beläuft sich auf etwa 16.000 Euro. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind jetzt zukunftssicher aufgestellt“, begründet Döpke das Engagement der Behörde. Und weiter: „Viele Unternehmen betrachten den Fachkräftebedarf als ein großes Risiko, für welches es keine einfachen Lösungen mehr gibt. Ein großes Potenzial sehen wir in den ungelernten Beschäftigten eines Betriebes.“ Döpke spricht von einem „präventiven Gedanken“, damit Arbeitslosigkeit erst gar nicht entsteht. Aus diesem Grund werden auch Fortbildungen außerhalb von Ausbildungsberufen finanziell unterstützt. „Sämtliche Branchen können in den Genuss der Förderung kommen“, stellt sie in Aussicht. Diese beläuft sich bei Kleinbetrieben auf 100 Prozent der Kosten und reicht bis zu 15 Prozent bei Großen Unternehmen mit mehr als 2500 Mitarbeitern.

Die Arbeitsagentur ist telefonisch unter (0800 4555520, per E-Mail an hannover.arbeitgeber@arbeitsagentur.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitskraefte/passende-arbeitskraft im Internet.

Von Sven Warnecke

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