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Langenhagen Früheres CD-Werk: Ehemalige treffen sich seit fast 20 Jahren – doch jetzt ist Schluss
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Langenhagen CD-Werk von EDC: Ehemalige Mitarbeiter treffen sich fast 20 Jahre, doch jetzt ist Schluss

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18:28 15.01.2020
Aufstellen fürs Gruppenfoto: Fast 50 alte Kollegen sind zum letzten Treffen der EDC-Ehemaligen gekommen. Quelle: Julia Gödde-Polley
Langenhagen/Hannover

Sie hatten einen festen Termin. Fast 20 Jahre lang. Die ehemaligen Mitarbeiter aus dem CD-Werk der Entertainment Distribution Company (EDC) in Langenhagen haben sich alle acht Wochen am ersten Mittwoch des Monats getroffen – zum Klönen. So auch an diesem Vormittag wieder im Vereinsheim des TuS Vahrenwald in Hannover. Doch danach war Schluss. Es hieß Abschied nehmen von alten Kollegen.

Viel Wehmut war dabei. Aber das Organisationsteam der regelmäßigen Veranstaltungen hatte sich entschieden aufzuhören. „Wir sind alt genug“, sagte der 75-jährige Karsten Benne, der von 1968 bis 2002 in dem traditionsreichen Schallplatten- und CD-Werk an der Emil-Berliner-Straße in Langenhagen gearbeitet hat.

Die ehemaligen Mitarbeiter des CD-Werks EDC in Langenhagen haben sich in den vergangenen knapp 20 Jahren regelmäßig getroffen. Doch jetzt ist Schluss. Ein Besuch beim letzten Treffen und ein Blick in das ehemalige Werk in der Flughafenstadt.

Ausflüge, Diskussionen und Besichtigungen

Er hatte die regelmäßigen Treffen seit dem Jahr 2000 gemeinsam mit August Borgholte und Friedrich Kräft auf die Beine gestellt. Anfangs kamen mehr als 200 ehemalige Mitarbeiter, diskutierten zu aktuellen und firmenbezogenen Themen, unternahmen gemeinsam Wanderungen, machten Ausflüge auf den Weihnachtsmarkt und besichtigten andere Unternehmen. Treffpunkt war für die Teilnehmer aus der Region Hannover seit 2005 das Vereinsheim in Hannover-Vahrenwald. Zuletzt waren fast 120 Menschen auf der Liste. Beim letzten Treffen kamen rund 50 von ihnen.

Kollegen sind zu Freunden geworden

Für viele alte Kollegen waren die Termine lange im Voraus fest und unverzichtbar. So auch für Karin Kornrumpf. Die heute 80-Jährige sagte, sie habe „ein bisschen Heimweh“ gehabt, wenn sie bei den Veranstaltungen verhindert war. Zwischen ehemaligen Kollegen seien Freundschaften entstanden. Mit einigen will sie weiter in Kontakt bleiben, hat dafür deren Telefonnummern. An ihre Zeit im CD-Werk – Kornrumpf arbeitete dort von 1968 bis 1995 – denkt sie gern zurück. „Ich habe auch jede Menge Bilder“, sagte sie.

„Wir waren wie eine große Familie in dem Betrieb früher“, erzählte Techniker Heinz Joachim Schubert. Seit 2012 – bis dahin war er in dem Betrieb aktiv – war der heute 69-Jährige bei den Zusammenkünften der Ehemaligen dabei und hat mit den anderen „über vergangene, schöne Zeiten geredet“. Inzwischen hätten sich kleinere Gruppen gebildet, die sich öfter treffen – etwa zu Geburtstagen und zum gemeinsamen Kaffeetrinken.

Insolvenz: Produktion im CD-Werk 2017 eingestellt

Auch Paare haben sich bei EDC lieben gelernt. Der ehemalige Betriebsrat Friedrich Kräft lernte seine spätere Frau Anneliese bei der Arbeit in Langenhagen kennen. Die 69-Jährige war mehr als 28 Jahre lang in dem Presswerk angestellt, das auf die von Emil Berliner gegründete Deutsche Grammophon zurückgeht.

„Ein letzter Gruß von Polygram“

Die drei Organisatoren der Ehemaligentreffen wollen künftig untereinander in Kontakt bleiben. Die alten Kollegen dankten ihnen zum Abschluss für ihr langjähriges Engagement. „Vielleicht geht ja auch was weiter“, sagte Benne mit Blick auf die Zukunft. Wenn sich jemand bereit erkläre, etwas zu organisieren, sei das offen. Die drei schauen gern auf die vergangenen 20 Jahre zurück. „Das werden wir nie vergessen“, sagte Kräft.

Die Zeichen blieben erstmal auf Abschied. Zum Abschluss gab es – wie sollte es anders sein – für jeden Teilnehmer eine in Geschenkpapier verpackte CD von Universal aus Berlin. „Ein letzter Gruß von Polygram“ stand von den Organisatoren der Treffen geschrieben darauf.

Schallplatten und CDs aus Langenhagen in die ganze Welt

1898 gründeten Emil Berliner, Erfinder der Schallplatte, und sein Bruder Josef das Unternehmen Deutsche Grammophon in Hannover, ihrer Heimatstadt. Dort begann die Produktion von Schallplatten. Seit 1959 gab es ein Presswerk in Langenhagen – an der heutigen Emil-Berliner-Straße nahe der Autobahn 2. Zunächst diente der Standort als Lager. Später wurden dort Tonträger namhafter Künstler, die bei der Firma unter Vertrag standen, aufgenommen und produziert. Schwerpunkt der Arbeit war klassische Musik. Zunächst wurde die Musik auf Schallplatten gepresst. 1982 begann in der Flughafenstadt die CD-Produktion, es folgte die Herstellung von DVDs.

1972 wechselte der Eigentümer, und es entstand das Unternehmen Polygram. Ende des Jahrhunderts gab es den nächsten Besitzerwechsel: Der weltweit größte Musikverlag Universal hatte den Standort in Langenhagen 1998 erworben, als er das Unternehmen Polygram übernahm. 2005 wurde das Werk an EDC ausgegliedert. Universal blieb der größte Kunde.

2017 wurde das Presswerk schließlich geschlossen, alle Mitarbeiter mussten gehen. Das Unternehmen war in die Insolvenz gerutscht. Der Absatz der Tonträger war durch die Konkurrenz im Internet eingebrochen.

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Von Julia Gödde-Polley

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