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Langenhagen Deshalb ist Khalid Nooryan aus Afghanistan geflüchtet
Umland Langenhagen Deshalb ist Khalid Nooryan aus Afghanistan geflüchtet
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17:00 07.03.2019
„Ich liebe meine Arbeit“: Khalid Nooryan ist aus Afghanistan geflüchtet und macht derzeit eine Einstiegsqualifizierung im Umweltdruckhaus in Langenhagen. Quelle: Julia Polley
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Langenhagen

Konzentriert bearbeitet Khalid Nooryan einen Kundenauftrag – im Hintergrund rattern Maschinen. Der 31-Jährige klebt durchsichtige Dreiecke millimetergenau auf Papiere. „Ich liebe meine Arbeit“, sagt er. Schon jetzt ist er in der Produktion des Umweltdruckhaus in Langenhagen eingebunden, ab August will er noch mehr über und in dem Beruf lernen, den er liebt.

Sein Plan: Der 31-Jährige will in dem Unternehmen eine dreijährige Ausbildung zum Medientechnologe im Bereich Druck/Verarbeitung beginnen. „Er ist bei uns mittendrin in der Produktion“, sagt Geschäftsführer Thomas Rätzke. Nooryan selbst fühlt sich in dem Unternehmen wohl. „Eine Ausbildung ist wichtig für ein Leben in Deutschland“, sagt er. Ein Leben ohne Arbeit sei schwer.

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Thomas Rätzke (links, Geschäftsführer Umweltdruckhaus) ist zusammen mit Khalid Nooryan in der Produktionshalle, in der insgesamt acht Druckmaschinen stehen. Quelle: Julia Polley

Begonnen hat Nooryan im August vergangenen Jahres in dem Unternehmen an der Klusriede – mit einem Praktikum. Wir haben eine Empfehlung eines ehemaligen Mitarbeiters bekommen“, sagt Rätzke. Derzeit absolviert der 31-Jährige eine Einstiegsqualifizierung: Montags, mittwochs und donnerstags unterstützt er das Team in der Druckverarbeitung. An den anderen zwei Tagen in der Woche besucht er einen Deutschkurs – B1-Niveau. „Meine Sprache wird jeden Tag besser“, sagt Nooryan.

Nooryan war bereits in Druckerei tätig

Im Umweltdruckhaus kann Nooryan den Job machen, den er auch vor seiner Flucht aus Afghanistan gemacht hat. Bis 2015 hat er in Herat gelebt und war in einer kleinen Druckerei an einem Institut tätig. Der Job war für den heute 31-Jährigen wichtig, um neben dem Studium – er wollte Lehrer werden – Geld zu verdienen. Doch dann durfte er nach eigenen Angaben nicht mehr für und mit Frauen arbeiten – und ist aus dem Land geflohen.

Seit September 2015 lebt er in Deutschland. Seit Anfang 2016 ist eine Flüchtlingsunterkunft in Hannover sein Zuhause. Dort wohnt er mit drei anderen Flüchtlingen in einem Appartement: Jeder hat ein Zimmer, Küche und Badezimmer teilen sie sich.

31-Jähriger sucht Wohnung

Der 31-Jährige sucht seit längerer Zeit eine Wohnung bis 50 Quadratmeter in Hannover oder Langenhagen. Eine Miete von rund 360 Euro wäre durch staatliche Unterstützung gesichert. Bereits vor fünf Monaten hatte diese Zeitung darüber berichtet und Vermieter aufgerufen, sich zu melden. Seitdem ist nichts passiert: „Er ist mit seinen Bemühungen noch nicht weitergekommen“, sagt der Geschäftsführer. „Da unterstützen wir gerne.“ Gerade, wenn er eine Ausbildung beginnt, wären eigene vier Wände schöner, nach Auskunft von Rätzke aber keine Voraussetzung. „Ich brauche einen ruhigen Platz zum Lernen“, sagt Nooryan.

Wer Khalid Nooryan eine Wohnung anbieten kann oder Kontakte zu möglichen Vermietern hat, kann sich beim Umweltdruckhaus per E-Mail an info@umweltdruckhaus.de oder unter Telefon (0511) 4757670 melden. Das Unternehmen unterstützt den Mitarbeiter bei der weiteren Suche und koordiniert diese.

Von Julia Polley