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Langenhagen Edeka-Markt wächst auf den Ziegeln der Norta-Fabrik
Umland Langenhagen Edeka-Markt wächst auf den Ziegeln der Norta-Fabrik
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12:50 04.03.2019
Unter dem Baugelände liegen 8500 Kubikmeter zerkleinerter Ziegel des alten Fabrikgebäudes. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

 Tunnel. Nein, dieses Wort darf Sebastian Cramer nicht sagen. Sonst bekommt Thomas Eckert Bauchschmerzen. Eckert, seines Zeichens Diplom-Ingenieur, ist Bauleiter auf Cramers aktuell wichtigster Baustelle, dem neuen Lebensmittelmarkt an der Walsroder Straße. Was der Geschäftsführer Cramer sagen will, liest sich auf den Unterlagen der von Eckert umzusetzenden Baugenehmigung korrekterweise „Collector-Gang“. Darin transportiert ein vollautomatisches Rollband voraussichtlich „ab Herbst“ dieses Jahres das Leergut der Kunden diagonal von einer Ecke des Marktes am Eingang bis zur hintersten am Ende unter dessen Fußboden. Man ahnt: Die Auflagen für einen „richtigen Tunnel“ wären weitaus höher.

Der neue Edeka-Markt an der Walsroder Straße soll bis zum Herbst dieses Jahres fertig sein.

Die Baustelle, auf der seit nunmehr knapp zwei Wochen auf für den Laien sichtbar der Supermarktbau vorangeht, birgt jedoch noch ein unvermutetes Geheimnis: Die über Jahrzehnte dort präsente Norta-Tapetenfabrik mit satten 90.000 Kubikmetern umbauten Raums ist gar nicht weg. Das sieht nur so aus. „Eine der Bauauflagen war, dass das Abbruchmaterial das Gelände nicht verlassen darf“, erzählt Sebastian Cramer beim Rundgang über die Bodenplatte des Marktes, während er im Vorbeigehen „hier das Obst und Gemüse, dort dann der Sushi-Stand“ ausdeutet. Eckert ergänzt dabei: „Abtransportiert wurden natürlich alle Dämm-Materialien und auch der Metallschrott.“ Aber tatsächlich in den Boden eingearbeitet lägen dort nun 8500 Kubikmeter jener Ziegel, mit dem der legendäre Norta-Komplex das Straßenbild prägte.

Neuer Supermarkt beendet Ära der Norta-Fabrik

Mit dem Bau des Marktes endet eine jahrelange Debatte um die Zukunft des markanten Industriebaus, der seit den 1970-er Jahren weitgehend nur noch eine Ruine war. Viele Kleingewerbebetriebe hatten darin zwar ein Zuhause gefunden. Richtig glücklich war nicht zuletzt auch die Feuerwehr mit dem Zustand nicht: Die Zahl der bis heute nicht aufgeklärten Brände wuchs zuletzt bedenklich. Auch die Frage der Nutzung des Geländes sorgte bis zuletzt für heftige Debatten. Gerne hätten Anwohner und Politik auf dem zentral gelegenen Areal Wohnbebauung gesehen. Die aber scheidet aufgrund der direkt darüber liegenden Einflugschneise des Flughafens aus. 

Während die Außenhülle des Marktes voraussichtlich bis Juli soweit gediehen sein wird, dass der Innenausbau beginnen kann, erarbeiten die Bauexperten eine Lösung für den einzig verbliebenen Abbruchrest: Eine der ehemaligen Villen der Geschäftsführung an der Südseite des Geländes teilt sich die Außenmauer mit dem Nachbargebäude. Die Ziegelreste müssen nun deutlich vorsichtiger abgetragen werden als der Hauptteil des Fabrikgebäudes, um das Nachbarhaus nicht zu schädigen. Die seinerzeit zweite Geschäftsführungsvilla beherbergt heute am Reuterdamm eine Jugendeinrichtung, erzählt Cramer, der sich im Laufe der vielen Gespräche in die Fabrikgeschichte eingearbeitet hat.

Geschlossenes Lager soll Lärm für Anwohner mindern

Nach dem Abriss der Fabrik eröffnet sich mit dem neuen Supermarkt an der Walsroder Straße eine neue Blicktiefe in das in Ost-West-Richtung langgezogene Grundstück. Der Anregung einiger Anwohner und Kommunalpolitiker, den Markt – wie seinerzeit die Fabrik – aus optischen Gründen direkt an die Straßenlinie zu ziehen, hatte Familie Cramer abgelehnt. Nun platzieren sich rund 200 Parkplätze, aber auch „58 Bäume und viele heimische Sträucher“, zwischen Straße und Markt. „Früher waren 95 Prozent des Geländes versiegelt“, sagt Cramer während des Rundgangs. Künftig werde allein ein Rest des Niederschlagwassers des Gründachs über die Kanalisation abgeführt. Das übrige Wasser versickere direkt auf der Fläche. Die Erschließung des Parkplatzes wie auch der Zulieferverkehr zur Warenannahme am rückwärtigen, östlichen Ende des Grundstückes erfolgt auf dessen Südseite. „Im Gegensatz zu anderen Märkten wieder dieser hier kein offenes Lager haben“, sagt Sebastian Cramer am Ende des Rundganges. „Wir hausen das alles ein, auch aus Gründen des Lärmschutzes für die Anwohner im Norden.“

„Ganz ohne Plastik geht es nicht“

Als eine der wenigen Supermarktketten bietet Cramer in seinen Edeka-Märkten noch große Plastiktüten an der Kasse an. Auch in der Obst- und Gemüseabteilung weisen zwar Plakate auf die angebotenen Mehrwegnetze hin und viele Produkte lassen sich darin abfüllen, dennoch liegen weiterhin auch in Plastik verschweißte Pakete mit Kiwis oder Weintrauben auf den Tresen. „Wir werden zwar im Edeka-Beirat darauf drängen, dass wir den Plastikanteil beim Obst und Gemüse auf das wirklich Notwendige zurückdrängen“, sagt Sebastian Cramer, dessen Familienunternehmen zwischen Empelde und Lachendorf Supermärkte etabliert hat. „Aber es gibt weiterhin Kunden, die derlei nachfragen. Und wenn wir der kompetenteste Markt sein wollen, können nicht Produkte aus dem Sortiment nehmen, die die Mitbewerber anbieten.“ Damit begründet Cramer auch den Beibehalt weiterer, bei näherer Betrachtung wenig ökologisch verträglicher Artikel in Einweg-Plastikverpackungen wie Fruchtmus für Kinder.

Gleichwohl beteuert Cramer sein Herz für die möglichst lokale Wirtschaft. Im direkten Einzugsbereich der familieneigenen Märkte suche das Unternehmen gezielt nach Lieferanten, egal aus welcher Branche. „Wer etwas verkaufen möchte, und wenn noch so klein ist, kann sich gerne melden.“ Zu diesen Kooperationen zähle beispielsweise auch eine Kleinstfirma, die Marmelade koche. Die Qualitätssicherung teile sich Edeka mit den Produzenten. „Die können mit diesem Zertifikat dann aber europaweit ihre Waren anbieten und sind nicht exklusiv an Edeka gebunden.“

Im Fleisch- und Wurstbereich sowie beim Obst und Gemüse strebt Cramer eine enge Zusammenarbeit mit möglichst lokalen Produzenten an. „Regional ist schön, reicht mir aber eigentlich nicht.“ Voraussetzung sei aber, dass das Produkt in Sortiment passen müsse. „Vor allem aber muss die Qualität stimmen.“

Von Rebekka Neander

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