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Langenhagen Nach dem Kirchengeburtstag sortiert sich die Elisabeth-Gemeinde neu
Umland Langenhagen

Langenhagen: Elisabeth-Gemeinde sortiert sich neu nach Geburtstag

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17:23 21.11.2019
Tosh Leykum und Sascha Maaß haben gemeinsam ein wohl einmaliges Triptichon am Altar geschaffen. Die Kombination aus Bildschirmen und Klangcollage ist täglich für Kirchengäste zu erleben. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

„Die Bänke? Die sind längst bei Ebay verkauft.“ Diesen Scherz hat Pastor Thorsten Kröncke im Oktober so oft und gern gemacht. Doch keine Angst: Ihre ehrenwerten Holzbänke hat die Elisabethkirche längst wieder. Natürlich hat sie der befreundete Spediteur, der sie während des Geburtstagsmonats fürsorglich unter seine Hallen-Fittiche genommen hatte, nicht meistbietend auf den Markt geworfen.

Einen Monat lang feierte die Elisabeth-Gemeinde den 150. Geburtstag ihrer Kirche mit einer Reihe von Aktionen, darunter auch die Uraufführung einer Video-Installation am Altar. Zu verdanken hatte sie dies, wie Pastorin Bettina Praßler-Kröncke mit einem Lachen anmerkt, im Ursprung Helmut Hildebrand. Beim Verlassen der Kirche nach dem Gottesdienst sei der 90-jährige Chronist der Gemeinde an ihr vorbei gegangen, um ihr beim verabschiedenden Händedruck eine Kleinigkeit „zu stecken“. Eben den in den Akten schlummernden Kirchengeburtstag. Zwei Jahre ist dies her.

Man könnte den Blick heute reduzieren auf die unterschiedlichen Begehrlichkeiten, die der banklose, aber umso buchstäblich kunstvollere Monat in der Kirche der Gemeinde beschert hat. Doch die wogende Debatte, ob das Kirchenschiff mit oder ohne Bänke einladender ist, offenbart ein Gären viel tiefgehender Art. Was muss sein, damit auch jene wieder ihre Heimstatt in der Kirche finden, die sie vielleicht aus Auge und Sinn verloren haben? Diese zentrale Frage beschäftigt auch die Elisabethgemeinde und Kirchenkreis seit geraumer Zeit. Die sinkenden Mitgliederzahlen drängen. „Wir dürfen aber nicht alles über Bord werfen“, sagt Superintendent Holger Grünjes. Neuerungen seien wichtig, aber „es darf nicht in die Beliebigkeit abrutschen.“

Das freigeräumte Kirchenschiff hatte allerdings deutlich kräftigere Reaktionen hervorgerufen, als es zuvor zu ahnen war. „Wir haben in der Kita nebenan eine ganz klare Fan-Gruppe, die die Kirche wieder leer haben möchte“, sagt Praßler-Kröncke und lacht. „Während des Geburtstagsmonats kamen die Kinder fast täglich in Gruppen und mit Decken unter dem Arm in die Kirche.“ Die hatten dort offenkundig ihren ganz eigenen Spaß.

Der Geburtstagsmonat ist längst vorbei. Doch die Diskussion, welche Lehren die Gemeinde aus den vielen Kunstaktionen ziehen wird, hat gerade erst begonnen.

Nicht jeder mochte die Kirche ohne Bänke

Die Freude darüber möchten offenkundig andere Teile des Gemeindelebens ebenso wenig verhehlen. Ihnen fehlte der symbolische Anker, ihnen war auch die eine oder andere experimentelle Kunst im Kirchenschiff vielleicht eine Spur zu schrill. Wie beiden nun zu begegnen ist, darüber brüten Pastoren, Gemeindevorstand und Superintendentur gemeinsam. Ein einfaches Spiel ist es nicht. „Aber es hat etwas in Bewegung gesetzt“, sagt Grünjes. Eine Unruhe der positiven Art. Die Kirche zu bestuhlen – wie die Marktkirche in Hannover –, einen Teil der Bänke durch leichtere, schneller zu bewegende Elemente zu tauschen oder die Räumung der Kirche alle ein oder zwei Jahre zu institutionalisieren – alles sei möglich. „Wir dürfen aber nicht einfach nur irgendetwas nachmachen“, sagt Grünjes und denkt dabei an die erfolgreichen Frühgebete in der Großburgwedeler St.-Petri-Kirche, die alljährlich im November Heerscharen von Jugendlichen in die Kirche locken.

„Es muss zu uns passen“, darauf besteht auch Praßler-Kröncke. Nicht jede grenzüberschreitende Idee der vergangenen Jahre ist ihr noch gut in Erinnerung. Die guten Beispiele dagegen sehr: Dass das Wetter den Bürgerbrunch während des Geburtstagsmonats ins Kirchenschiff gedrängt habe, „war das Beste, was passieren konnte“, sagt Praßler-Kröncke. Das habe sie vorher nicht so ahnen wollen. Oder auch die Anfrage nach einer Tango-Nacht in der Kirche könnte – unter Umständen – auch eine angemessene Idee sein. „Wir sind auf einem guten Wege“, hält Grünjes fest. „Jetzt müssen wir nur noch sehen, wohin uns dieser führt.“

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Von Rebekka Neander

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